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Ein Beruf, der nie ausstirbt: Hauswirtschaft

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Traunreut -  VHS
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Jessica Ungethüm (rechts) zeigt den Kursteilnehmerinnen hier, wie eine Kräuter-Pestoblume aus Hefeteig geflochten wird.

Traunreut – Jessica Ungethüm besucht seit Oktober 2017 berufsbegleitend die Meisterschule für Hauswirtschaft an der Landwirtschaftsschule Rosenheim. Als Meisterprojekt hat sie sich einen Kochkurs überlegt, den sie bei der Volkshochschule (VHS) Traunreut diesen Herbst an drei Abenden anbot. Die Kursteilnehmer lernten dabei von ihr »bayerische Küche – neu interpretiert«.


Nach einer Ausbildung zur Automobilkauffrau wollte Jessica Ungethüm noch einen zweiten Beruf erlernen und entschloss sich für die Hauswirtschaft. Nach einem Jahr Praxis, das sie auf dem Chiemgauer Schulbauernhof zubrachte, beschloss sie, die Meisterprüfung abzulegen. Neben der Meisterschule arbeitet sie in einem Privathaushalt mit drei kleinen Kindern.

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Für ihr Meisterprojekt hat die 24-Jährige bayerische Rezepte aufgepeppt. »Bei der Auswahl meiner Rezepte war mir wichtig, dass sie einfach zu Hause nachzukochen sind. Ich wollte die typische bayerische Küche mit frischen, kreativen Rezepten modernisieren und nicht den bekannten Schweinsbraten mit Knödel anbieten«, betont sie. So hat sie beispielsweise Rinderrouladen mit einer neuen Fülle kreiert, den Kaiserschmarrn zu einem »geeisten Kaiserschmarrn« umgewandelt und gezeigt, welche einfache Möglichkeit es gibt, aus einem Hefeteig eine Kräuterblume zu zaubern. Ebenso ist ihr wichtig, den Verbrauchern den regionalen und saisonalen Wert der Lebensmittel klarzumachen. In ihren Rezepten wird mit Obst, Gemüse und Fleisch gearbeitet, das gerade Saison hat und nicht um die halbe Welt gereist ist. Soweit möglich, hat sie die Zutaten für die Kurse von Direktvermarktern aus der Region bezogen.

An den drei Kursabenden bereitete sie mit den Teilnehmern je eine kalte und eine warme Vorspeise zu, einen Hauptgang und eine Nachspeise. Gleichzeitig vermittelte sie, wie verschiedene Teigarten selber hergestellt werden, beispielsweise Strudel-, Blätter- oder Nudelteig. Sie zeigte aber auch Grundwissen des Kochens auf und gab Tipps, wie man Lebensmittel gut verwertet und nichts wegwerfen muss. Die Kursteilnehmer im Alter von 18 bis über 50 Jahren waren begeistert und sehr interessiert.

Jessica Ungethüm kocht auch privat sehr gern und stand schon als junges Mädchen in der Küche. Was nun noch hinzukommt: »Es macht mir unheimlich Spaß, Leuten etwas zu zeigen und beizubringen.« Sie könnte sich für ihre berufliche Zukunft durchaus vorstellen, in der Hauswirtschaft zu unterrichten. Nach der Durchführung der Kurse muss sie nun noch ihr Arbeitsprojekt schriftlich festhalten und ihre Prüfungen ablegen.

Das Berufsbild ist sehr vielseitig. Hauswirtschafter gibt es in Krankenhäusern, Kindertagesstätten, Pflegeeinrichtungen, der Gastronomie, im Hotelgewerbe und in Privathaushalten. Gerade auch in der Landwirtschaft kann der Beruf viel zur Existenzsicherung und Diversifizierung beitragen wie z. B. bei Urlaub auf dem Bauernhof, Direktvermarktung, Bauernhofcafés sowie Verarbeitung und Vermarktung von eigenen Erzeugnissen.

Jessica Ungethüm sagt: »Mich hat mein Beruf von Anfang an begeistert. Zum einen ist er sehr abwechslungsreich, vielseitig und in sehr vielen Bereichen einsetzbar. Zum anderen ist die Hauswirtschaft auf dem Arbeitsmarkt immer gefragt. Somit wird für die Zukunft immer Nachfrage für diesen Beruf vorhanden sein.« mix