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Christian Springer gab zum Auftakt der 20. Steiner Literatur- und Medienwoche sein »Best of Springer« zum Besten. (Foto: Mix)

Corona ist und bleibt ein Thema: Christian Springer eröffnete Steiner Literatur- und Medienwoche

Traunreut – Christian Springer ist Kabarettist mit Leib und Seele. Und er ist ein echtes Bühnenkind. »Ich kann nix anderes«, gestand er am Freitagabend bei seinem Auftritt in der Schule Schloss Stein zur Eröffnung der 20. Steiner Literatur- und Medienwoche. Seine Überlegungen haben Tiefgang und in seinem Programm »Best of Springer« schlug er mitunter sehr ernste Töne an. 


»Eigentlich wollte ich heute nicht über Corona reden«, meinte der Münchner, konnte es dann aber doch nicht lassen. Er erinnere sich gut an Freitag, den 13. März 2020, als er seinen letzten Auftritt vor ausverkauftem Haus in Würzburg hatte. Damals habe er sich ungefähr wie auf der Titanic gefühlt: »No oamoi de Sau rauslossn, bevor nix mehr geht.« In zwei Wochen gehe es dann ja wieder weiter, hätten er und seine Kollegen damals gedacht. »So viel zum Weitblick eines Kabarettisten.«

Für Springer steht schon jetzt im Februar der Satz des Jahres fest: »Es blickt keiner mehr durch.« Bei den Schülerinnen und Schülern im Publikum entschuldigte sich Christian Springer, wie blöd die Erwachsenen manchmal seien: »Machts es besser!« Während Europa auf einen möglichen Krieg zusteuert, würden die meisten Bürger daheim sitzen und nur am Fernsehen verfolgen, wie die deutsche Außenministerin mit Splitterschutzweste die Front besucht. Es gehe in der Politik um die Diskussion, wie viele Helme man in die Ukraine schickt. »Blumenkästen wären gscheiter«, meinte der Kabarettist. Außerdem bräuchte Europa ganz andere Dinge, »das Einzige, was wir nicht brauchen, ist Krieg«.

Er selber sei ein Macher, müsse immer was tun, engagiere sich daher auch seit Jahren mit seinem Verein »Orienthelfer« in Syrien. Springer gab ein einfaches Beispiel, was zu tun ist. Wenn die Milch auf dem Herd überkocht, könne man sich noch so viele Gedanken darüber machen, warum das so ist. Es gebe einen ganz einfachen Trick, das Überkochen zu vermeiden: »Daneben stehen bleiben, hinschauen und aufpassen.« Und dasselbe gelte auch in der Gesellschaft. Man müsse »aufeinander Obacht geben, stehen bleiben, aufpassen und überlegen, was zu tun ist«.

Gegen Strauß keine Chance gehabt

Christian Springer erzählte eine Geschichte aus seiner Studentenzeit, als er auf einer Veranstaltung zwei rohe Eier auf Franz-Josef Strauß geworfen hatte. Er traf den damaligen Ministerpräsidenten zwar nicht, wurde aber trotzdem eine Nacht eingesperrt, angezeigt wegen Körperverletzung, da Strauß angeblich im Gesicht verletzt worden war, und zu 5000 Mark Strafe verdonnert. Gegen Strauß habe er vor Gericht keine Chance gehabt, die Wahrheit sei einfach nicht wahrgenommen worden und wenig später habe der Staatsschutz seine Uni informiert, dass »dieser Student Christian Springer keinen Universitätsabschluss in Bayern machen wird«. So sei es dann auch gewesen. Schon seine Mutter habe sich damals gefragt: »Wenn die Wahrheit in dem Fall so mit Füßen getreten wird, was machen die dann erst, wenn es wirklich um was geht?« Dieser Vorfall sei unter anderem dafür verantwortlich, dass er Kabarettist wurde.

Gerade jetzt während der Winterolympiade muss sich Christian Springer immer wieder darüber wundern, wie wichtig manchen Menschen die deutsche Hymne ist und wie sie sie voller Stolz mitsingen. Sie sei allerdings gar nicht so deutsch. Der Text sei von Hoffmann von Fallersleben auf Helgoland, einer Insel, die damals zu Großbritannien gehört habe, geschrieben und anschließend an einen Engländer verkauft worden. Später habe man ihn für vier Louisdor zurückgekauft.

Die Melodie wiederum habe der Österreicher Josef Haydn komponiert – wobei er sich an einem alten kroatischen Volkslied orientiert habe.

»Diese Hymne taugt nicht für dumpfen Nationalismus«, so seine Meinung. Vielmehr sei da Europa drin, weil alles zusammengehöre.

In Bayern ist nicht alles urbayerisch

Dass auch in Bayern gar nicht alles so urbayerisch ist, zeigte Christian Springer an mehreren Beispielen auf. Kurt Eisner, der 1918 den Freistaat ausgerufen habe, sei ein Berliner gewesen. BMW sei in Berlin gegründet worden, Audi sei ursprünglich in Zwickau zuhause gewesen. Und das Bier, das bayerische Symbol schlechthin, habe es schon vor 4000 Jahren in Babylonien gegeben. »Vielleicht hätten die Flüchtlinge aus Arabien mit einem Humpen Bier zu uns kommen sollen«, dann hätte man sie mit offenen Armen empfangen. Auch die katholische Religion sei nicht immer in Bayern beheimatet gewesen, sondern von irischen Mönchen eingeführt worden.

Am Ende seines Programmes, das nicht nur Spaß machte, sondern auch zum Nachdenken anregte, machte der Kabarettist anstelle einer Zugabe einen Aufruf. Sein Appell an die Zuhörer: »Gehen Sie wieder in Kulturveranstaltungen, machen Sie sich Kultur wieder zu eigen.« Er bedankte sich ganz ernsthaft bei allen Veranstaltern, die es auch in der Pandemie unter vielen Auflagen möglich machen, dass Kultur stattfinden kann.

Schließlich stellte Christian Springer noch sein neuestes Buch vor »Bitte sagen sie die Klimakatastrophe morgen ab! Ich habe wichtige Termine«. Darin beschreibt er die letzten 24 Stunden vor dem Weltuntergang mit viel Witz und Treffsicherheit.

mix

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