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Christusfigur Arme und Füße abgebrochen – Polizei Traunreut sucht Zeugen

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Traunreut: Christusfigur Arme und Füße abgebrochen
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Das Roithamer Wegkreuz wurde beschädigt. (Foto: Mix)

Traunreut – In Roitham an der Abzweigung nach Burgberg steht seit fast 40 Jahren ein hölzernes Wegkreuz neben einer Sitzbank, die dem Besucher eine schöne Sicht auf die Chiemgauer Berge gewährt. Das Kreuz erinnert an Georg Georg, den »Schwankner-Schorsch von Roitham«, der bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist. Ein oder mehrere Unbekannte haben die Gedenkstätte beschädigt und der Christusfigur die Arme und die Füße abgebrochen. Die Sachbeschädigung hat sich nach Angaben der Polizei in der vergangenen Woche ereignet.


Rita Fenzl aus Burgberg, die bis vor kurzem die Vorsitzende des katholischen Arbeitervereins Stein war, ist entsetzt: »So ein Frevel. Wer macht denn sowas? Ich versteh es nicht.«

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Der Arbeiter- und Dirndlverein, wie er jetzt heißt, kümmert sich seit Jahren um Flurdenkmäler und Ruhebänke im Bereich der ehemaligen Gemeinde Stein – und er wird auch dieses Kreuz wieder herrichten. Aufgestellt worden war es Anfang der 1980er Jahre. 20 Jahre später erfolgte eine Restaurierung.

Theresa Fenzl, die Schwiegermutter von Rita Fenzl, schrieb die Geschichte des Kreuzes auf. Sie arbeitete in den 1980er Jahren beim Verkehrsverein Stein, Georg Georg war dessen Vorsitzender. Er habe eines Tages zu ihr gesagt: »Resi, am Lackner-Haus­anger-Eck stand immer ein einfaches, aber schon sehr marodes Kreuz mit einem einfachen Eisenblech-Herrgott. Gerne hätte ich ein kompaktes Kreuz in Eiche mit geschnitztem Herrgott auf meinem Hausanger-Eck.« Den Platz hatte er schon ausgesucht und geplant, ihn mit zwei Sträuchern und einer Bank zu versehen. Resi Fenzl sollte ihm bei der Durchführung mit den schriftlichen Arbeiten helfen. Doch es kam damals nicht zur Umsetzung, da der »Schwankner-Schorsch« am 3. August 1981 auf dem Weg nach Traunstein zu einem Schwurgerichtsprozess tödlich verunglückte.

Gut ein Jahr nach seinem Tod griff Theresa Fenzl die Idee des Verstorbenen auf und wollte sozusagen als sein Vermächtnis den Plan in die Tat umsetzen. Im Oktober 1983 konnte schließlich der St. Georgener Pfarrer Ludwig Geisinger das Kreuz weihen, das von der Burgberger und Roithamer Dorfgemeinschaft errichtet worden ist. Die meisten Dorfbewohner nahmen damals an der Weihe ihres »Roithamer Dorfkreuzes« teil.

Willi Neuhauser hat im Auftrag des Arbeitervereins das Kreuz von Dezember 2010 bis Januar 2011 renoviert. Es trägt ein Satteldach mit gefrästen Windläden und einer profilierten Rückwand, um es vor Witterungseinflüssen zu schützen. Auf der am Kreuzstamm angebrachten Inschriftentafel ist zu lesen: »O Wanderer, erfreue dich unserer schönen Heimat und danke dem Herrn. Ein Vater unser allen unseren lieben Verstorbenen.«

Die Polizei sucht Zeugen. Hinweise nimmt die Station in Traunreut unter Telefon 08669/86140 entgegen. mix


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