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»Chiemgauer Heimatkreuz« nicht unumstritten

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Traunreut: »Chiemgauer Heimatkreuz« nicht unumstritten
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In Maria Eck steht bereits ein »Chiemgauer Heimatkreuz«. Für ein solches Kreuz in Traunreut konnte sich der Kulturausschuss nicht so recht erwärmen.

Traunreut – Hinsichtlich des »Chiemgauer Heimatkreuzes«, das nach den Vorstellungen des Traunsteiner Künstlers Rolf Wassermann in den Städten und Gemeinden des Landkreises Traunstein aufgestellt werden sollte, scheiden sich in Traunreut die Geister: Der Kulturausschuss konnte sich für die Realisierung nicht so recht erwärmen. Deshalb wurde das Vorhaben vorerst zurückgestellt und soll zu einem späteren Zeitpunkt im Stadtrat erneut diskutiert werden.


»Liebe – Glaube – Hoffnung – Friede: Diese Worte sind die Grundlage unserer abendländischen Kultur und verkörpern die bayerische Lebensweise.« So beschreibt Rolf Wassermann eine von ihm entworfene, neue Form der Kreuzdarstellung. Er wollte ein Kreuz schaffen, das »alleine aus Worten besteht«, und wählte dafür diese vier Worte. Der Künstler wünscht sich, dass in jeder Gemeinde im Landkreis an einer gut gewählten Stelle ein solches »Chiemgauer Heimatkreuz« aufgestellt wird, um einen Platz zum Innehalten und zum Nachdenken zu schaffen.

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Ein erstes Heimatkreuz steht bereits an einem besonderen Ort, in Maria Eck. Eine Miniatur des Chiemgauer Heimatkreuzes hatte Wassermann vor zwei Jahren auch bei einer Fahrt der Gebirgsschützenkompanie Traunstein nach Rom dem emeritierten Papst Benedikt XVI. mitgebracht, der bekanntlich eine tiefe innere Verbundenheit zum Chiemgau und Rupertiwinkel hat. Benedikt hatte sich sehr über dieses Projekt gefreut und nahm das Geschenk sehr gerne an.

Auch Landrat Siegfried Walch legt den Gemeinden und Städten das Projekt ans Herz. »Das Kreuz verdeutlicht uns, dass die vier Worte ihren Ursprung in den Herzen der Menschen haben. Gewonnen immer auch im Vertrauen auf den gnädigen Gott: Damit er unsere Heimat auch weiterhin beschützt!« zitierte Bürgermeister Hans-Peter Dangschat den Landrat.

Die Gemeinden, die sich dem Projekt anschließen möchten, bekommen dafür vom Landkreis einen Zuschuss von 50 Prozent. Die Fixkosten des Kreuzes liegen bei 5000 Euro. Abzüglich des Zuschusses müsste die Stadt Traunreut 2500 Euro bezahlen und die Kosten für das Fundament übernehmen. Da bei dieser Summe der Bürgermeister die Entscheidungsgewalt besitzt, hatte er Stadtbaumeister Thomas Gätzschmann beauftragt, mögliche Standorte auszumachen.

Fünf Standorte standen zur Wahl: In Hochreit bei der Abzweigung nach Steineck, Bereiche am »Schneckenberg« und am Rundwanderweg südlich des Frei­bads sowie der Grünzug an der Eichendorffstraße in der Stadtmitte. Nach Auffassung des Stadtbaumeisters wäre der Aufstellort in Hoch­reit mit Blick auf die Kernstadt und angrenzenden Dörfer der Idealstandort.

Während Bürgermeister Dangschat für das Projekt warb und meinte, dass ein Kreuz auch ein Signal aller Religionen, egal welcher Glaubensrichtung sein könnte, vertrat Dr. Jürgen Winter (LiZ) genau das Gegenteil: »Ein Kreuz hat nichts mit Heimat zu tun. Wenn das die Kirche macht, ist das okay. Aber es ist nicht Aufgabe der Stadt«, betonte Winter. Auch Johann Jobst (CSU) konnte sich mit dem Projekt nicht so recht anfreunden. Vielmehr regte er an, bereits vorhandene Marterl oder Wegkreuze herzurichten und dafür mögliche Paten zu suchen.

Josef Winkler (Bürgerliste) betrachtete das Vorhaben aus einer ganze anderen Sichtweise: »Für mich sieht das mehr wie ein Sponsoring für den Künstler aus.« Außerdem erinnerte er daran, dass es im Traunreuter Waldfriedhof schon ein Heimatkreuz gebe. Das Heimatkreuz im Waldfriedhof als Gendenkstätte für die Heimat-Vertriebenen und für alle Traunreuter Bürger habe nach Auffassung von Christian Stoib (SPD) eine besondere Bedeutung für Traunreut. Im Falle einer Aufstellung des »Chiemgauer Heimatkreuzes« plädierten er und die Vertreter der Freien Wähler, Konrad Unterstein und Alfred Wildmann, für den Standort an der Eichendorffstraße. Nach Ansicht Untersteins würde sich bei diesem Standort die Nähe zum Heimathaus anbieten. Außerdem sei die Eichendorffstraße einer der ersten Straßenzüge in Traunreut, so Unterstein.

Angelika Zunhammer (CSU) und Markus Schupfner (BP) plädierten für den Standort in Hochreit: »Der Platz könnte zu einem Energie- und Kraftpunkt werden«, meinte Zunhammer. Auch für den Referenten für Brauchtum, Markus Schupfner, wäre der Standort in Hochreit ideal: »Der Standort hat für mich einen besonderen Reiz«, erklärte er. Er begrüße die Aufstellung eines Chiemgau-Kreuzes an diesem Platz, zumal man von dort aus auf die Industrie, Weiler und Dörfer blicken könne und all das sehe, was Heimat bei uns ausmache. Nachdem es viele kritische Stimmen zu dem Projekt gab, schlug Dangschat vor, den Tagesordnungspunkt zurückzustellen und im Stadtrat darüber zu diskutieren. ga


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