Chiemgau Lebenshilfe Werkstätten: »Hier hab' ich wieder ein Selbstwertgefühl bekommen«

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Reinhard Nitschke arbeitete zehn Jahre in der Werkstatt für psychisch und seelisch Beeinträchtigte. Derzeit ist die Werkstatt für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung noch an der Werner-von-Siemens-Straße untergebracht. (Foto: P. Mix)

Traunreut – Die neue Werkstatt in Oderberg wird Reinhard Nitschke zwar nicht mehr genießen können, weil er ab heute im Ruhestand ist. Er berichtet aber im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt über seine Geschichte und warum ihm die Arbeit in der CLW in den letzten zehn Jahren sehr geholfen hat.


Der 65-Jährige ist gelernter Konditor, machte später eine Umschulung, arbeitete im Büro und im Verkauf. Bis dann der Zusammenbruch kam, Burnout, Panikattacken, das volle Programm. 16 Monate war er danach arbeitsunfähig und in Behandlung.

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2011 kam er zur CLW, musste sich erst wieder daran gewöhnen, täglich zur Arbeit zu gehen. »Eine Tagesstruktur ist für mich sehr wichtig, ich brauche einen festen Plan«, betont Nitschke. »Hier hab' ich wieder ein Selbstwertgefühl bekommen«, sagt er heute. »Ich kann heute aufrecht gehen und muss mich nicht verstecken.« Er hat gelernt: »Sich im Zimmer verkriechen bringt gar nichts, man muss sich überwinden und, wenn es allein nicht geht, professionelle Hilfe holen.« Das rät er auch allen anderen Betroffenen. Der Traunreuter geht sehr offen mit seiner Erkrankung um und hat kein Problem damit, frei zu sagen, dass er in der CLW arbeitet.

Vier Jahre lang war Reinhard Nitschke zwischendurch auf einem Außenarbeitsplatz bei der Alzchem in Trostberg. Den Wechsel zurück auf den ersten Arbeitsmarkt hat er sich allerdings nicht zugetraut: »Vollzeit arbeiten pack ich nicht mehr«.

Außerdem war ihm die Sicherheit in der CLW wichtiger, dass er nach einem weiteren Tief und vielleicht längerer Arbeitsunfähigkeit wieder zurückkehren kann: »Das war der richtige Weg für mich.«

Nicht missen möchte er auch die Gespräche mit den Arbeitskollegen, die sozialen Kontakte, die er durch seine Beschäftigung hat. Er ist überzeugt: »Jeder Mensch ist gleich viel wert.« Egal, welche Beeinträchtigung oder Krankheit man hat, man sollte sich Hilfe suchen und dann auch annehmen, »das musste ich auch erst lernen«. Heute sieht er positiv in die Zukunft und auf seinen neuen »Unruhestand«.

mix


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