weather-image
26°

Boardinghaus treibt Anlieger auf die Barrikaden

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Ob auf diesem Grundstück am Keplerweg Traunreut sogenannte Boardinghäuser gebaut werden dürfen, ist noch unklar. Der Stadtrat hat den Antrag für eine Änderung des Bebauungsplans für vier Häuser mit 20 Appartements zurückgestellt. Die Anlieger haben große Bedenken und reichten in der Stadtverwaltung eine Petition gegen das Projekt in der Wohnsiedlung ein. (Foto: Rasch)

Traunreut – Der Antrag der Seidl-Projektentwicklung, den Bebauungsplan für ein Boardinghaus am Keplerweg zu ändern, wurde vom Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung bei drei Gegenstimmen in die Juli-Sitzung vertagt. Grund ist eine am Sitzungstag von Anliegern eingereichte Petition gegen das Vorhaben.


Anlieger aus dem Keplerweg, der Sonnen- und Kopernikusstraße befürchten durch das Projekt mit 20 Wohnungen ein erhöhtes Verkehrsaufkommen, dem die Infrastruktur in der Wohnsiedlung nicht gewachsen wäre. Außerdem stellen sie unter anderem die Rechtmäßigkeit der Bebauungsplanänderung infrage und melden Sicherheitsbedenken an.

Anzeige

Kennzeichnend für ein Boardinghaus seien wechselnde Bewohner. Aufenthaltszeiten ab vier Tage seien allgemein üblich, heißt es in dem vier Seiten langen Schreiben, das auch dem Traunsteiner Tagblatt zur Verfügung gestellt wurde. Das Interesse eines Boardinghausbetreibers sei in erster Linie, dass die Wohnungen ausgelastet seien und die Rendite stimme. Es sei also nicht davon auszugehen, dass irgendeine Auswahl bei den Mietern getroffen werde, wie es bei normalen Mietwohnungen der Fall sei, bei denen der Eigentümer vor allem auch ein Interesse daran habe, »anständige« Mieter zu haben. Deshalb sei es alles andere als ausgeschlossen, »dass die Appartements auch an Personen vermietet werden, die aufgrund krimineller Delikte und so weiter keine dauerhafte Wohnung mehr haben.«

Weiter heißt es in dem Schreiben, dass sich durch die geplanten vier Häuser mit 20 Wohnungen der Verkehr in der Siedlung drastisch erhöhen würde. 20 Wohnungen bedeuteten nicht gleichzeitig 20 Bewohner; es könne gut und gern das Doppelte gerechnet werden – Besuch noch nicht berücksichtigt. Durch die Vermietung auf Zeit sei auch mit ständigem »Umzugsverkehr« zu rechnen. Hierfür seien die Straßen nicht ausgebaut. Teils seien die Straßen, an denen es keine Gehwege gebe, so eng, dass selbst zwei Autos nicht aneinander vorbeifahren könnten…« Sollte die Änderung des Bebauungsplans trotz dieser und weiterer rechtlicher Bedenken beschlossen werden, sehe man sich gezwungen, rechtliche Schritte einzuleiten.

Wie Ritter mitteilte, habe ihm ein Sprecher der Wohnsiedlung eine Stunde vor Sitzungsbeginn eine Unterschriftenliste und einen Text von mehreren Seiten übergeben. Das Schreiben, auf das er kurz einging, werde ins Ratsinformationssystem eingestellt, damit sich die Stadträte ein Bild machen könnten.

Nachdem Verkehrsreferent Roger Gorzel (Bürgerliste) davon ausgegangen war, dass alle Stadträte das Schreiben der Anlieger bekommen hätten, forderte er Ritter auf, es vorzulesen. Offenbar wurde jedoch nur Gorzel das Schreiben zugespielt. Die anderen Stadträte hatten nichts bekommen. »Da werden Sachen erwähnt, die für mich schon ausschlaggebend sind«, erklärte Gorzel.

Aus verkehrlicher Sicht sei das Geplante in der Siedlung nicht vertretbar. Neben einem erhöhten Verkehrsaufkommen kritisierte er die »verzwickte« Ein- und Ausfahrt der Tiefgarage mit 24 Stellplätzen. Bürgerlistenchef Sepp Winkler und weitere Stadträte unterstützten den Vorschlag Ritters, den Tagesordnungspunkt in die Juli-Sitzung zu vertagen. Bis dahin müssen dann auch die in dem Schreiben der Anlieger zitierten Paragrafen geprüft werden. Nur Ernst Ziegler und Christian Stoib (SPD) sowie Andrea Haslwanter (CSU) stimmten gegen die Vertagung. »Mir gefällt diese Neuorganisation mit unterirdischen Stellplätzen. Ich würde nicht verschieben«, sagte Ziegler.

Stadtbaumeister Thomas Gätzschmann erklärte auf Nachfrage, dass im jetzigen Bebauungsplan vier Häuser mit zusammen sieben Wohnungen möglich seien. Jetzt seien vier Häuser mit Erd- und Obergeschoß in quadratischer Form, sogenannte Würfelhäuser, geplant. Die geplanten 20 Appartements sollen vor allem an Mitarbeiter von Firmen für eine bestimmte Zeit vermietet werden. Wie berichtet, hatte der Bauausschuss den Antrag einstimmig abgesegnet und dem Stadtrat empfohlen. ga