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Bewirbt sich Traunreut für die Landesgartenschau?

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Foto: dpa

Traunreut – Die Stadt Traunreut wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht für die Ausrichtung einer Landesgartenschau bewerben. Mit 8:3 Stimmen sprach sich der Bauausschuss gegen eine Bewerbung für die Jahre 2027 bis 2029 aus.


Nach Ansicht vom Bürgermeister Klaus Ritter sollte zunächst der Muna-Park in trockene Tücher gebracht werden: »Wir haben mit dem Muna-Park aktuell ein Riesenprojekt, das die Verwaltung fordern wird.« Man könnte sich aber das Thema noch einmal anschauen, wenn das Muna-Projekt abgeschlossen ist. Es gab aber einige Befürworter.

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Die Forderung von Josef Winkler (Bürgerliste), das Thema zu vertagen und keine Empfehlung an den Stadtrat abzugeben, teilte Ritter nicht: »Es wäre falsch, jetzt keinen Beschluss zu fassen, zumal auch eine erste Interessenbekundung bis spätestens Ende März dieses Jahres bei der Bayerischen Landesgartenschau GmbH München eingereicht werden müsste«, erklärte Ritter. Er forderte das Gremium auf, das Thema in den Fraktionen zu diskutieren, um dann in der Stadtratssitzung am kommenden Donnerstag eine endgültige Entscheidung zu treffen.

Des Weiteren teilte er mit, dass eine gemeinsame Bewerbung des Mittelzentrums Trostberg-Traunreut von der Stadt Trostberg derzeit nicht befürwortet werde. Trostbergs Bürgermeister Karl Schleid sei grundsätzlich nicht gegen eine Gartenschau, sagte Ritter. Aber die Stadt Trostberg konzentriere sich im Moment ganz auf die Umsetzung eines Stadtentwicklungskonzepts.

»Spätere Bewerbung nicht ausschließen«

Für den zweiten Bürgermeister Hans-Peter Dangschat und Hans Jobst (CSU) sowie Josef Winkler, die sich für eine Bewerbung aussprachen, scheint das Thema noch nicht ganz gegessen zu sein. Für Dangschat wären mit einer Landesgartenschau erhebliche Chancen für eine langfristige Stadtentwicklung verbunden. »Mir fehlen noch mehr Erklärungen. Für mich ist das Thema noch nicht so schnell vom Tisch«, sagte der Vizebürgermeister.

Josef Winkler regte an, mit dem bereits im Rahmen von ISEK am sogenannten Schneckenberg erarbeiteten Grünkonzept auf den Zug mit aufzuspringen. »Mir geht es nicht darum, ob wir mit der Landesgartenschau berühmt werden. Wenn, dann sollten schon die eigenen Leute was davon haben.« Herbert Kusstatscher (SPD) sprach von einem »Mehrwert für die nächsten Generationen«. »Vielleicht ist die Stadt noch nicht reif genug, aber wir sollten eine spätere Bewerbung nicht ausschließen«, so der Vertreter der SPD.

Im sogenannten Grünkonzept wird unter anderem angeregt, das Wegenetz im Bereich des Schneckenbergs im Westen der Stadt zu verdichten. Ebenso wird eine Verknüpfung von innerstädtischen Flächen mit den Traunauen vorgeschlagen. Ein großes Problem bestünde nach Angaben der Verwaltung jedoch darin, dass gemäß den Förderrichtlinien der Landesgartenschau diese Flächen, die sich nicht im Besitz der Stadt befinden und gepachtet werden müssten, dann 25 Jahre zur Verfügung stehen müssten. Das heißt, dass diese Flächen in diesem Zeitraum nicht anders genutzt werden dürfen.

Vorlaufzeit von sieben Jahren notwendig

Dass eine Landesgartenschau einen gewissen Wert für die Stadt hätte, schloss Stadtbaumeister Thomas Gätzschmann grundsätzlich nicht aus. Es bräuchte aber einen langen Atem und man müsse konsequent am Ball bleiben. Auch die Bevölkerung müsse dahinter stehen, sonst werde es ein Misserfolg wie in Traunstein. »Wenn wir uns bewerben und den Zuschlag bekämen, bräuchte das eine Vorlaufzeit von sieben Jahren.«

Selbst wenn das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz 2017 das Bewerbungs- und Auswahlverfahren zur Durchführung von Landesgartenschauen in Bayern modifiziert und die Fördermittel erhöht habe, würde es für die Stadt Traunreut eine große finanzielle Anstrengung bedeuten. »Die Flächen sind das eine. Aber auch an die Infrastruktur muss frühzeitig gedacht werden, damit die Besucher relativ niveauvoll durch die Stadt geführt werden können«, so Gätzschmann.

Sollte der Stadtrat den Bauausschuss überstimmen, müsste die Interessenbekundung für die Jahre 2027 bis 2029 (Phase I) bis spätestens 28. März eingereicht werden. Alle in der Phase II der Bewerbung vorgeschalteten Beratungsgespräche müssten bis Ende Mai abgeschlossen sein. Der Abgabeschluss der offiziellen Bewerbungsunterlagen für das Zuschlagsverfahren wurde auf den 28. Februar 2020 terminiert. ga