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Mit dem bekannten Banner zogen die Mitglieder der Kolpingfamilien Traunreut, Inzell und Ruhpolding in die Traunreuter Pfarrkirche ein. (Foto: Mix)

Beten, lernen und arbeiten mit Ernst und Fröhlichkeit: Kolpingfamilie feiert Gedenkgottesdienst

Traunreut – 1849 kam Adolph Kolping als Domvikar nach Köln und gründete dort mit einer Gruppe von Handwerkern den Kölner Gesellenverein. Bereits zwei Jahre zuvor, also vor 175 Jahren, begann er seine Arbeit mit Handwerksgesellen. Aus diesem Anlass feierte die Kolpingfamilie Traunreut jetzt einen Gedenkgottesdienst und erinnerte an die Anfänge des weltweiten Sozialverbands.


Dr. Norbert Wolff, Pfarrgemeinderatsvorsitzender und Historiker, berichtete in der Predigt vom Lebenslauf des »Gesellenvaters« Adolph Kolping. Dieser wurde am 8. Dezember 1813 in Kerpen geboren. Er wuchs in sehr einfachen Verhältnissen auf und begann 1826 eine Lehre als Schuhmacher. Mehrere Jahre lang arbeitete er in diesem Beruf und lernte dabei die materielle und geistige Not der damaligen Handwerksgesellen kennen. Der intelligente junge Mann fühlte sich zum Priestertum berufen, bildete sich nebenher weiter und sparte Geld für Schulbesuch und Studium.

Ab 1837 besuchte er das Gymnasium in Köln und studierte mit Unterstützung von Wohltätern ab 1841 in München und Bonn Katholische Theologie. Am 13. April 1845 empfing er in der Kölner Minoritenkirche die Priesterweihe. Seine erste Stelle als Kaplan und Religionslehrer führte ihn in die Industriestadt Elberfeld (heute ein Stadtteil von Wuppertal). Hier kam es 1846 zur Gründung eines katholischen Gesellenvereins, dessen zweiter Präses Kolping im Sommer 1847 wurde. Nun war er wieder mit der Not der jungen Handwerker konfrontiert, diesmal jedoch in einer neuen Rolle. Der engagierte Priester konnte seine eigenen Erfahrungen einbringen und wusste um die Bedeutung von Bildung, Geselligkeit und Religion. In einer berühmt gewordenen Predigt vom September 1847 fand Kolping programmatische Worte: »Unser Wahlspruch aber ist Beten und Lernen und Arbeiten, alles mit Ernst und doch mit Fröhlichkeit«.

Um weitere Pläne realisieren zu können, ließ sich Kolping im April 1849 als Domvikar nach Köln versetzen. Hier gründete er im Mai desselben Jahres mit einer Gruppe von Handwerkern den Kölner Gesellenverein, der Anfang 1850 bereits 550 Mitglieder hatte und zur Keimzelle des heutigen weltweiten Kolpingwerks wurde. 1852 entstand das Kölner Gesellenheim als Herberge für durchreisende Handwerker, Versammlungsort und Bildungsstätte.

In der Folgezeit kam es an vielen Orten Deutschlands zur Gründung ähnlicher Vereine. Kolping war nun unermüdlich publizistisch tätig und warb auf den Katholikentagen wie auch beim Papst in Rom für die neue Form katholischer Sozialarbeit. 1858 wählten die inzwischen 180 Gesellenvereine ihn zum Generalpräses.

Das große Engagement forderte seinen Tribut. Kolping, der schon von Jugend an kränklich war, hatte in den 1860er Jahren mit zunehmenden gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. 1862 wurde er noch zum Rektor der Kölner Minoritenkirche ernannt. Am 4. Dezember 1865 starb er dort kurz vor Vollendung des 52. Lebensjahres. Er liegt in der Minoritenkirche unweit der Kölner Fußgängerzone begraben. Papst Johannes Paul II. sprach ihn am 27. Oktober 1991 selig und nun warten alle Kolpingmitglieder auf die Heiligsprechung.

Am Gedenkgottesdienst nahmen neben dem Traunreuter Ortsverein auch die Kolpingfamilien aus Inzell und Ruhpolding teil sowie der Vorsitzende des Kolping-Bezirksverbands Traunstein, Johann Pauli. Im Anschluss an den Gottesdienst trafen sich alle Teilnehmer zum Weißwurstessen im Pfarrsaal.

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