Bestattungen nur noch mit 15 Teilnehmern?

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Der Traunreuter Waldfriedhof ist sehr großzügig und weitläufig angelegt, hier könnten Trauergesellschaften gut mit ausreichend Abstand um die Gräber stehen. (Foto: P. Mix)

Traunreut – Die von der Bundesregierung vorgesehene Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes hat auch Auswirkungen auf Trauerfeiern. Ab einer Inzidenz über 100 sollten künftig maximal 15 Personen bei einer Bestattung dabei sein. Der Bestatterverband wehrt sich gegen diesen Punkt und fordert, diese Beschränkung zurückzunehmen. Im Laufe dieser Woche soll über das Gesetz entschieden werden.


Für Pastoralreferentin Dr. Melanie Lüking von der katholischen Pfarrei ist eine Beschränkung der Teilnehmerzahl generell ein Problem: »Die Menschen haben doch nur diese eine Möglichkeit, sich bei der Beerdigung von den Verstorbenen zu verabschieden. Das ist für die Trauerbewältigung wahnsinnig wichtig.«

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»Wie soll denn eine Familie aussortieren?«

»Wie soll denn eine Familie aussortieren, wer dabei sein darf und wer nicht? Das geht doch gar nicht.« Besonders tragisch sei die Beschränkung bei Großfamilien mit mehreren Kindern, Enkeln und Urenkeln, die natürlich alle dabei sein wollten.

Bei aller notwendigen Vorsicht sieht Dr. Lüking auch keine Notwendigkeit, im Freien die Zahl so derart radikal zu reduzieren. Bei den Beerdigungen in den letzten Monaten habe sie immer wieder festgestellt, dass sich die Leute sehr wohl an die Abstandsregeln halten und Masken tragen. »Sie sind in der Regel sehr vernünftig. Und der Traunreuter Friedhof ist ja auch groß genug, dass man Abstand halten kann«, betont sie. In ihrer Ansprache und im Gebet spricht Dr. Lüking die Situation jeweils kurz an und erklärt, dass man zwar nur im kleinen Kreis beisammen sein dürfe, aber auch alle anderen trauernden Hinterbliebenen in Gedanken mit dabei seien. »Ich versuche sie dann mit einzubinden.«

Für den evangelischen Pfarrer Stefan Hradetzky hat die Situation zwei Seiten. Vor allem, wenn junge Menschen sterben oder jemand aus einer großen Familie, seien in der Regel viele Personen beteiligt und wünschten die Hinterbliebenen, dass auch eine große Trauergemeinde teilnehmen darf.

Es gebe aber auch andere Fälle: »Manche Familien sind sogar dankbar, dass die Bestattungen jetzt nur im kleinen Rahmen stattfinden können. Sie sind manchmal von der Situation generell müde und ausgebremst und froh, dass sie nicht so viele Gäste haben«, stellt der Geistliche fest.

Beerdigungen in Coronazeiten seien kleiner, aber dafür auch persönlicher: »Die Trauer der engsten Verwandten bekommt dadurch mehr Raum.« In den letzten Monaten beobachtete Hradetzky unterschiedliche Reaktionen. Es gebe sehr disziplinierte Teilnehmer, die Maske tragen und Abstand einhalten. Manche würden aber von Gefühlen übermannt, umarmten einander und kämen sich so näher, als es vielleicht gut ist.

»Das ist für mich schwierig zu beurteilen«

»Das ist für mich schwierig zu beurteilen. Die Trauernden müssen selber bewerten, womit sie sich wohlfühlen«, nimmt er sich zurück und erlaubt sich auch keine Bewertung darüber, ob die Beschränkung auf 15 Personen bei Beerdigungen dazu beitragen kann, die dritte Corona-Welle zu brechen.

In Traunreut können bereits seit einiger Zeit nur bis zu 25 Personen teilnehmen. Die Friedhofsträger, sprich Kirchenverwaltungen oder Kommunen, legen die Regelungen jeweils fest. In anderen Gemeinden kann die Zahl daher höher sein. In der Aussegnungshalle am Traunreuter Waldfriedhof sind aus Platzmangel nur 17 Personen möglich, der Rest muss die Trauerfeier von draußen mitverfolgen. In den Kirchen in St. Georgen und Traunwalchen sind die Plätze ebenfalls limitiert und gekennzeichnet.

Monika Schmidt vom Bestattungsunternehmen Philip Leicher stellt fest, dass derzeit vor allem Urnenbeisetzungen stattfinden und nur noch wenige Erdbestattungen. Mit den Urnen sei man flexibler. Denn es komme doch hin und wieder vor, dass Verwandte der Verstorbenen noch in Quarantäne sind und der Termin der Beerdigung nach hinten verschoben werden muss.

Auch die Bestatter müssen besondere Maßnahmen ergreifen. Wenn es sich um einen an Corona Verstorbenen handelt, müssen sie bei der Abholung einen Schutzanzug tragen, dürfen den Toten nicht umziehen, wie es ansonsten üblich ist. Bei einer Beschränkung auf 15 Teilnehmer stelle sich auch die Frage, ob die vier Sargträger und der Priester dazuzählen, denn dann wären ja nur noch zehn Trauergäste erlaubt.

Bestatter sollten schneller geimpft werden

Schmidt wäre es auch sehr wichtig, dass die Mitarbeiter der Bestattungsunternehmen bei der Impfung favorisiert würden. In anderen Bundesländern seien sie schon durchgeimpft, wie sie von Kollegen erfährt. »Ich weiß nicht, warum das bei uns nicht geht.«

Zur Sicherheit der Hinterbliebenen und auch der Mitarbeiter des Bestattungsdienstes werden die Trauergespräche aktuell meist telefonisch geführt und nicht von Angesicht zu Angesicht. Dass bei steigenden Zahlen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie getroffen werden müssen, ist Monika Schmidt völlig klar und auch die meisten Angehörigen hätten Verständnis. Die Beschränkung auf nur noch 15 Personen sei aber doch sehr hart und vor allem »brutal traurig«. Noch ist das verschärfte Infektionsschutzgesetz nicht abgesegnet und die Traunreuterin hofft im Sinne ihrer Kunden, dass es nicht zu einer weiteren Beschränkung kommt.

mix


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