Bauern in der Region fordern: »Insektenschutz nur mit uns«

Bildtext einblenden
Ein Mahnfeuer entzündeten Landwirte aus der Region. Sie forderten: »Insektenschutz nur mit uns«. (Foto: P. Mix)

Traunreut – Bäuerinnen und Bauern aus dem Kreisverband Traunstein des Bayerischen Bauernverbands (BBV) hielten am Mittwochabend in Oderberg ein Mahnfeuer ab, um gegen die pauschalen Regelungen des Insektenschutzgesetzes und die verheerenden Folgen für die regionale Landwirtschaft zu demonstrieren. Für die Landwirte bedeuteten diese Auflagen große wirtschaftliche Einschränkungen und drängten manche Betriebe an den Rand der Existenzfähigkeit, betonten sie. 


Wie in Berlin und München zeigen damit auch in der Region die Landwirte, dass sie Korrekturen an dem vom Bundeskabinett beschlossenen Gesetzespaket als dringend notwendig erachten. Im Berchtesgadener Land gab es am gleichen Tag ein Mahnfeuer in Teisendorf. Die Teilnehmer betonten, dass sich die Bauern in der Region bereits seit Langem freiwillig und in Eigenverantwortung für den Insektenschutz einsetzten. Der Entwurf des Insektenschutzgesetzes von Bundesumweltministerin Schulze enthalte trotz umfassender Stellungnahmen aus der Landwirtschaft nach wie vor pauschale Bewirtschaftungseinschränkungen für Bauern. Die Botschaften der Landwirtschaft lauten daher: »Insektenschutz geht nur mit den Bauern, Kooperationen statt Verbote, Kulturlandschaften erhalten.«

Anzeige

Die BBV-Obmänner und Landwirte beim Mahnfeuer diskutierten eifrig über den Insektenschutz, der für sie bei der täglichen Arbeit schon seit Langem ganz normal sei. Was bisher auf freiwilliger Basis gut gelaufen sei, werde nun aber gesetzlich festgelegt und lege ihnen Pflichten auf, die mit wirtschaftlichen Einbußen einhergehen. Der Steiner BBV-Obmann Meinrad Bernhofer betonte: »Insektenschutz geht alle an, nicht nur die Bauern. Wir sind ja nicht dagegen, aber bisher war es eine freiwillige Aufgabe, die wir gerne übernommen haben.« Die Auflagen des neuen Gesetzes kämen einer Enteignung gleich, wenn die Flächen nicht mehr so bewirtschaftet werden dürfen, wie es der Landwirt für am besten hält, meinte auch der Traun-walchner Obmann Frank Janetzky. Am Beispiel der Fläche, auf der das Mahnfeuer stattfand, erklärte Janetzky, wie sich die Regelung auswirkt. Aufgrund der umliegenden Schutzgebiete, zu denen beim Pflanzenschutz ein festgelegter Abstand einzuhalten ist, bleibe nur noch eine so geringe Anbaufläche übrig, dass die Bearbeitung nicht mehr wirtschaftlich sei.

Wie bereits beim Bürgerbegehren »Rettet die Bienen« ärgert es die Betroffenen, dass die Bauern die Rechnung begleichen sollen. »Nur wir sind dran. Es gibt viele Ursachen und Verursacher für Insektensterben, aber wir bekommen die Auflagen«, sagte Kreisobmann Sebastian Siglreithmayer. Bei der Ausweisung der FFH-Flächen sei vor Jahren mit den Landwirten vereinbart worden, dass der Zustand so zu erhalten ist. »Jetzt werden sie aber massiv erweitert« – zum Nachteil derjenigen, die die Flächen bewirtschaften.

Maria Friedrich, Ortsbäuerin von Heiligkreuz, wetterte: »Wir produzieren gute Lebensmittel, kümmern uns um die Artenvielfalt und Nachhaltigkeit, schützen das Tierwohl und jetzt auch noch das, wie sollen wir das alles schultern?« Und der stellvertretende Traunsteiner Kreisobmann Sepp Freiwang meinte: »Der Gesetzgeber schert sich doch sonst auch nicht um den Flächenverbrauch.« Bisher seien die Landwirte mit ihrem Anteil an FFH-Flächen in der zu bewirtschaftenden Fläche gut zurecht gekommen. Wenn nun noch mehr davon unter Schutz gestellt werde, sei das für ihn »willkürlich« und nicht tragbar.

Ein Beispiel, wie mit Insekten umgesprungen wird, brachte Frank Janetzky noch an: am Chiemseeufer würde immer wieder mal gespritzt, nur um den Urlaubern einen angenehmen Aufenthalt zu ermöglichen. »Wenn sie lästig sind, müssen sie weg, und 500 Meter weiter im Schutzgebiet sind die Insekten dann wieder erwünscht.« Auf eine weitere Möglichkeit, die Tierchen zu schützen, verwies Paul Obermeier aus Höhenberg und deutete auf den nahegelegenen Kreisverkehr bei Oderberg, der mit zahlreichen Lampen taghell ausgeleuchtet ist. »Die Beleuchtung ist für die Insekten wie eine Wand. Eine Laterne in der Mitte sollte da doch auch ausreichen«, so seine Meinung.

Der BBV-Geschäftsführer Matthäus Michlbauer fügte noch hinzu: »Den Landwirten ist die Kooperation wichtig, da in Bayern bereits 50 Prozent der Betriebe sich mit 40 Prozent der Flächen sich freiwillig an Umweltmaßnahmen beteiligen. Und für weitere Forderungen wünschen sich die Landwirte einen wirtschaftlichen Ausgleich, sonst kommt es zu wirtschaftlichen Einbußen, da auch der Zahlungsausgleich für die bisherigen freiwilligen Maßnahmen entfällt.«

Der Bauernverband hat konkrete Forderungen der Landwirtschaft zusammengestellt und die Überarbeitung des Aktionsprogramms gefordert. Es solle eine Ausrichtung auf Kooperation geben und freiwillige Leistungen, keine Unterschutzstellung von artenreichem Grünland und Streuobst als gesetzlich geschütztes Biotop, keine Beeinträchtigung der Förderfähigkeit beim Vertragsnaturschutz. Ausgleichsregelungen seien verpflichtend zu verankern. »Vorab muss eine Folgenabschätzung – flächenbezogen und wirtschaftlich – auf den Tisch«, so eine Forderung aus der Landwirtschaft. »Wir brauchen Kooperation statt neuer Verbote. Denn Naturschutz geht nur mit den Bäuerinnen und Bauern.« mix


Mehr aus Traunreut