Bauausschuss hält am Konzept mit drei Wohnhäusern fest

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Die endgültige Entscheidung, ob der Bebauungsplan zugunsten von drei Wohngebäuden auf diesem Grundstück am Keplerweg in Traunreut geändert wird, soll am kommenden Montag um 16 Uhr im k1 in einer öffentlichen Stadtratssitzung fallen. Der Bauausschuss hat sich bei nur einer Gegenstimme dafür ausgesprochen. (Foto: Rasch)

Traunreut – Der Bauausschuss hält an seiner Entscheidung fest, den Bebauungsplan zugunsten von drei Wohnhäusern am Keplerweg in Traunreut zu ändern. In seiner jüngsten Sitzung wurde der Beschluss vom März gegen die Stimme von Michael Mollner (LiZ) bekräftigt. Endgültig entscheiden soll nun der Stadtrat in seiner Sitzung am Montag um 16 Uhr im k1.


Ursprünglich sollte der finale Beschluss, den Bebauungsplan »Gebiet zwischen Traunring Süd-Ost, Keplerweg und Kopernikusstraße« zu ändern, bereits im März vom Stadtrat gefasst werden. Dazu war es aber nicht gekommen, weil in der Stadtverwaltung anwaltliche Schreiben und ein Einspruchsschreiben von Anliegern eingegangen waren. Diese Schreiben wurden in der Sitzung voll inhaltlich vorgelesen.

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Auf dem über 2000 Quadratmeter großen Grundstück in einer der ältesten Wohnsiedlungen in Traunreut waren zunächst vier Boardinghäuser mit 20 Wohneinheiten vorgesehen. Wie mehrfach berichtet, war das Projekt bei den Anwohnern jedoch heftig umstritten. Daraufhin und aus wirtschaftlichen Gründen hatte sich der Bauherr, die Seidl Projektentwicklung, entschlossen, das Projekt nicht mehr weiter zu verfolgen und stattdessen drei Einzelhäuser mit 16 Wohneinheiten zu bauen. Aber auch diese Planung kritisieren die Anwohner und fordern eine gebietsverträgliche Nachverdichtung mit Maß und Ziel. Denn auch im Rahmen der jetzt geplanten Häuser blieben für die Anlieger viele der beim ersten Projekt aufgeworfenen Fragen offen. Bezüglich der Verkehrssituation weisen sie erneut darauf hin, dass durch die beengten Straßen selbst zwei Pkws nicht aneinander vorbeifahren könnten. In der Siedlung würden nicht nur vorwiegend ältere Personen leben, sondern auch Familien mit kleinen Kindern und es existierten keine Gehwege. Noch bestehe wenig Anliegerverkehr, doch durch den geplanten Großbau würde die Gefährdung von Kindern und älteren Menschen stark steigen.

Weiterhin nicht abschließend geklärt sei nach Ansicht der Anlieger, ob mit einer so massiven Be-bauung Probleme im Rahmen der Erschließung aufkommen werden. Bei 16 Wohnungen sei mit einer stark erhöhten Auslastung beispielsweise der Kanalisation zu rechnen. Nach ihrem Dafürhalten sei das Gebiet geprägt durch Einfamilienhäuser – drei große Einfamilienhäuser würden deutlich von der jetzigen Bebauung abweichen. Außerdem weisen sie darauf hin, dass der ursprüngliche Bebauungsplan (Boardinghäuser) im Rahmen eines Normenkontrollantrags angefochten worden sei und dieses Verfahren nur ruhe, aber nicht abgeschlossen sei. Daher sei es fraglich, ob sich der Projektentwickler auf einen Vertrauensschutz berufen könne, auch weil die zuletzt beschlossene Änderung von Beginn an im Rahmen des Einwendungsverfahrens angegriffen worden sei. Der Stadtrat wäre somit durchaus in der Lage, eine Bebauungsplanänderung im kleineren Maßstab zu beschließen.

In dem Anwalt-Schreiben des Bauherrn heißt es, dass dieser alles daran setzen möchte, um eine einvernehmliche, die Situation befriedende Lösung zu finden. Dem Ansinnen, eine gebietsverträgliche Nachverdichtung vorzunehmen, stehe seiner Auffassung nach weder das ursprünglich geplante Boardinghaus noch die nunmehr anvisierte Wohnbebauung entgegen. Diese entspräche gerade dem ausdrücklichen Interesse der Nachbarn. Es wird auch daran erinnert, dass eine Tiefgarage mit 24 Stellplätzen geplant sei. Die Sorge der Anlieger, dass »die bereits sehr engen Wege durch geparkte Fahrzeuge teils unpassierbar werden«, erweise sich damit als unbegründet.

Nicht zutreffend sei auch die pauschale Annahme der Nachbarn, dass die Umgebungsbebauung durch Einfamilienhäuser geprägt sei. Tatsächlich befinde sich unter anderem hinter der geplanten Bebauung in nordwestlicher Richtung am Traunring ein stellenweise 30 Meter breiter Bebauungsriegel, das direkt an das Vorhabengrundstück anschließende Grundstück sei mit zwei Gebäuden bebaut. Folglich liege keine Prägung der Umgebung von Einfamilienhäusern vor, sondern viel mehr eine dichte Bebauung mit großen Baukörpern. Auch die Annahme einer nicht ausreichend dimensionierten Kanalisation teilt der Bauherr nicht. Es seien keine Anhaltspunkte ersichtlich, dass diese nicht ausreichend dimensioniert sei.

Michael Mollner (LiZ) bezeichnete die Argumentationen des Bauherrn als »Augenwischerei.« Er rechnete vor, dass eine Wohnung im Schnitt mit drei Personen belegt sei und bei angenommen jeweils zwei Fahrzeugen pro Familie täglich mit 40 Fahrbewegungen zu rechnen sei. Auch vor dem Hintergrund der im Moment zwar ruhenden Normenkontrollklage regte er an, den Antrag zunächst zurückzustellen: »Was passiert, wenn die Klage durchgeht?«, fragte Mollner. »Wir sollten das jetzt nicht durchdrücken und warten bis eine Einigung erzielt wird, anstatt jetzt Fakten zu schaffen«, so Mollner. Bürgermeister Hans-Peter Dangschat (CSU) hingegen betonte mehrfach, dass der Rechtsstreit des Normenkontrollantrags nichts mit der aktuellen Änderung des Bebauungsplans zu tun habe. Aus seiner Sicht seien die Argumente des Bauherrn und der Nachbarn ziemlich ausgetauscht und er könne sich nicht als Schlichter dazwischen stellen.

»Für mich wären die Boardinghäuser auf dem Grundstück perfekt gewesen«, sagte Andrea Haslwanter (CSU). Durch die neue Planung hingegen komme jetzt hinsichtlich des Verkehrs noch mehr Bewegung in die Straße. Markus Schupfner (BP) schlug vor, die Anzahl der Wohnungen von 16 auf 14 zu begrenzen, während Adolf Trenker (FW) aufgrund der Tatsache, dass der Bebauungsplan rechtskräftig sei, dafür ist, das Vorhaben auf den Weg zu schicken. Sein Fraktionskollege Paul Obermeier erinnerte daran, dass sich der Stadtrat darüber einig sei, die Verdichtung der Innenstadt zu forcierten, um nicht auf die »grüne Wiese« ausweichen zu müssen. Auf einem 2100 Quadratmeter Grundstück könnte man seiner Ansicht noch viel mehr machen.

Die Anregung von Veronika Lauber (Grüne), das Verkehrskonzept zu ändern und die Straße in eine Spielstraße oder eine Einbahnstraße umzuwidmen, könnte nach Angaben von Bürgermeister Dangschat dann im Rahmen des Bauantrags diskutiert werden. Der Beschlussvorschlag, dass der Bauausschuss an seiner Empfehlung vom März diesen Jahres festhält, wurde letztlich gegen die Stimme von Michael Mollner verabschiedet.

ga


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