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Auch der Stadtrat besteht auf der Tiefgarage

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Der Traunreuter Stadtrat hält daran fest, dass die »Neue Heimat« für die im Bau befindliche Wohnanlage eine Tiefgarage bauen muss. Nach Auffassung des Bauherrn wäre aber eine Tiefgarage, die neben der Wohnanlage geplant ist, aufgrund der Bodenverhältnisse sehr aufwändig und mit einem nicht abschätzbaren Risiko für die bestehende Nachbarbebauung verbunden. (Foto: Rasch)

Traunreut – Der Stadtrat folgt der Empfehlung des Bauausschusses und fordert für die an der Adalbert-Stifter-Straße im Bau befindliche Wohnanlage der »Neuen Heimat« trotz technischer Probleme eine Tiefgarage.


Wie berichtet, hatte der Bauherr beantragt, anstelle einer Tiefgarage alle Stellplätze oberirdisch anlegen zu dürfen. Der Grund: Bei Bodenuntersuchungen habe sich herausgestellt, dass der Bau einer Tiefgarage aufgrund der schwierigen Bodenverhältnisse sehr aufwändig und mit einem nicht abschätzbaren Risiko für die Nachbargebäude verbunden wäre. Dieser Antrag wurde jetzt auch vom Stadtrat einstimmig abgelehnt. Für den Bauherrn sei die Situation zwar bedauerlich, sagte Ernst Ziegler (SPD). Aber: »Bodenuntersuchungen gehören vorher gemacht«, kritisierte Ziegler die Vorgehensweise der »Neuen Heimat«.

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Wie den Sitzungsunterlagen zu entnehmen war, herrschte zwischen der Bauausschuss- und Stadtratssitzung zwischen dem Bauherren und der Stadtverwaltung reger Schriftverkehr. Stadtbaumeister Thomas Gätzschmann hatte bereits im Bauausschuss Stellung bezogen und eine schriftliche Stellungnahme in der Stadtratssitzung nachgereicht.

Darin erklärt Gätzschmann, dass das der Verwaltung zur Verfügung gestellte Gutachten eines Münchner Grundbaulabors auf Erkenntnissen von Kleinbohrungen und Rammsondierungen basiere. Mit diesen Untersuchungsmethoden seien die Bodenzusammensetzung und die Tiefe der Tragfähigkeit des Bodens an mehreren Stellen festgestellt worden. Tragfähige Böden seien im Bereich von 4,90 bis 10,90 Meter festgestellt worden. Nur an einer Stelle sei auch über elf Meter kein stabiler festgestellt worden. Die Sohle der geplanten Tiefgarage liege laut Eingabeplan auf 3,50 Meter.

Aus diesen Erkenntnissen habe das Büro drei Möglichkeiten zur Bodenverbesserung vorgeschlagen: Rüttelbetonpfähle, eine Bohrpfahlgründung oder eine Rüttelstopfverdichtung. Vom Antragsteller sei in seiner Begründung zum Entfall der geplanten Tiefgarage jedoch die Bohrpfahlgründung als durchzuführende Maßnahme herangezogen worden. Diese stelle vermutlich die teuerste Lösung dar und sei aus seiner Sicht für die Kernstadt, in der immer wieder sogenannte »Todeislöcher« auftreten, auch nicht die praktikabelste Lösung.

Aus Erfahrung bei städtischen Vorhaben, bei denen man mit der gleichen Problematik zu tun gehabt habe, zum Beispiel beim Erweiterungsbau des Rathauses oder dem k1 sowie privaten Bauprojekten wäre deshalb die Ausführung mittels Rohrstopfverdichtung die praktikablere und günstigste Ausführungsform.

Der von Gätzschmann empfohlene Bodenaustausch wurde nach Angaben des Bauherrn inzwischen mit dem Grundbaulabor abgesprochen. Das Labor teilte jedoch mit, dass bei einem Bodenaustausch zusätzlich ein Verbau notwendig werde, um die angrenzende Bebauung abzusichern. Der Verbau müsse ausreichend tief in den Untergrund einbinden. Aufgrund der Tiefe werde möglicherweise eine Rückenverankerung notwendig.

Selbst bei einem Teilbodenaustausch werde nach Auffassung des Labors ein Verbau notwendig. Das Risiko von Setzungen sei nicht kalkulierbar. »Die Kosten eines Verbaus und eines Bodenaustauschs sind höher anzusiedeln als die Tiefengründung«, heißt es in dem Gutachten. Eine Pfahlgründung mit Mikropfählen wird von dem Labor als möglich angesehen. Die Kosten würden aber auf mindestens 200 000 bis 300 000 Euro geschätzt.

Am Rande der Bauausschusssitzung hatte der Geschäftsführer der »Neuen Heimat«, Gerhard Hofer, gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt noch gedroht, vor Gericht zu ziehen, sollte der Stadtrat die Empfehlung des Bauausschusses mittragen. Er wies auch darauf hin, dass die Wohnbaugesellschaft als Genossenschaft ausschließlich Wohnungen für eine sozial verträgliche Vermietung errichte und eine Gewinnmaximierung nicht das Unternehmensziel sei. Aus diesen Gründen sei eine 100-prozentige Kostensteigerung mit einem nicht abschätzbaren Risiko für die Wohnungsbaugesellschaft nicht tragbar.

Auch der Stadtrat vertritt jedoch die Auffassung, dass durch eine Ausnahmegenehmigung von der Stellplatzordnung ein Präzedenzfall geschaffen würde. Laut Satzung müssen ab zehn Wohnungen 50 Prozent der Stellplätze in einer Tiefgarage nachgewiesen werden. Unter diesen Vorgaben wurde auch der Bauantrag der »Neuen Heimat« bei der Stadt eingereicht.

Nachdem es durch eine Verlegung des Kanals zu Verzögerungen gekommen war, wurde der Bau einer Tiefgarage unmittelbar neben der Wohnanlage verschoben und mit dem Bau des Gebäudes begonnen. Anfang März hatte der Bauherr dann den Antrag eingereicht, aufgrund der problematischen Bodenverhältnisse anstatt einer Tiefgarage oberirdische Garagen, Carports und Stellplätze zu bauen. Die Stellplätze sollten im Bereich der geplanten Tiefgaragenfläche angeordnet werden. ga