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An Mariä Lichtmess gibt's die letzten Weihnachtsplätzchen

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Auf dem »Frazma-Hof« in Nunhausen wird an der Weihnachtstradition festgehalten. Der Christbaum bleibt bis Mariä Lichtmess stehen. Auch die von Maria Schneider selbstgebackenen Plätzchen werden dann aufgegessen. (Foto: Rasch)

Traunreut – Mit dem Fest Mariä Lichtmess am 2. Februar geht nach dem kirchlichen Kalender die Weihnachtszeit zu Ende. Die Krippe wird abgebaut und der Christbaum aus den Kirchen entfernt. Dieses Ritual wird auch heute noch in katholischen Familien gepflegt, etwa auf dem Fratzmann-Hof der Familie Schneider in Nunhausen. »Wir lassen den Christbaum immer bis Lichtmess stehen. Es sei denn, er nadelt zu sehr«, sagte Maria Schneider dem Traunsteiner Tagblatt. Diese Weihnachten hatte die Familie Glück mit ihrer Tanne aus dem eigenen Wald.


Beim »Frazma« ist es auch Tradition, dass an Mariä Lichtmess die letzten Weihnachtsplätzchen aufgegessen werden. »Guatln gibt’s bei uns bis Lichtmess«, bestätigt Maria Schneider. Bei Kerzenlicht wird in der Familie am Abend auch ein Rosenkranz gebetet, was früher der Brauch war. Die Kerzen lassen sie zuvor beim Lichtmess-Gottesdienst in der Pfarrkirche Traunwalchen, bei dem der Kerzenvorrat der Kirche für das Jahr gesegnet wird, weihen. Auch am heutigen Lichtmess-Tag wollen Maria und ihr Mann Schorsch den Gottesdienst um 19 Uhr in der Pfarrkirche Traunwalchen besuchen.

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Auch in Schloss Pertenstein wird Mariä Lichtmess normalerweise mit einer Lichterprozession durch die Räume des Wasserschlosses gefeiert und in jedem Raum stimmen die Chorfreunde unter der Leitung von Hans Lauber ein Lied an. Corona bedingt kann die Lichtmess-Feier heuer in Pertenstein aber nicht stattfinden.

Das sogenannte »Fest der Darstellung des Herrn« geht auf einen biblischen Ursprung zurück. Nach den Vorschriften des Alten Testaments galt eine Mutter vierzig Tage nach der Geburt eines Sohnes als unrein und musste in einem Tempel ein Reinigungsopfer darbringen. Auch die Eltern Jesu folgten dieser Vorschrift und pilgerten in den Tempel. Da Jesus auch der erste Sohn war, galt er als Eigentum Gottes und musste von den Eltern zuerst ausgelöst werden. Er wurde zum Priester gebracht und vor Gott dargestellt. Die Propheten hatten erkannt, dass Jesus kein gewöhnliches Kind ist und so wurde er zum Erlöser Israels. Dieses biblische Ereignis wurde zu einem christlichen Fest.

Nach Quellenangaben kamen die Kerzenweihe und Lichterprozession erst später hinzu, wodurch sich der Name »Mariä Lichtmess« einbürgerte. Bis ins Jahr 1912 war dieses Fest im Chiemgau auch ein richtiger Feiertag. Heute wird das Fest im Rahmen eines Gottesdienstes mit Kerzenweihen, meistens am Abend des Lichtmesstags gefeiert. Dabei werden die Kirchenkerzen für das ganze Jahr geweiht. Die Kirchenbesucher können aber auch ihre eigenen Kerzen weihen lassen.

Über die kirchliche Feier hinaus kam diesem Marienfest bis ins 20. Jahrhundert auf dem Land noch eine weltliche Bedeutung hinzu. An diesem Tag ging das bäuerliche Arbeitsjahr zu Ende. Um die Tage von Mariä Lichtmess konnten die Dienstboten ihre Stellung wechseln. Am Tag des Festes wurden die Dienstleute entlohnt und hatten einige Tage arbeitsfrei. Diese Tage bezeichnete man in Süddeutschland als »Schlenkeltage«. Die Mägde und Knechte konnten in diesen Tagen ihre Angehörigen besuchen und das Wiedersehen feiern. Mägde oder Knechte, die kein »Drangeld« bekommen haben, mussten den Hof verlassen, heißt es in Erzählungen. Dienstleute, mit denen der Bauer besonders zufrieden war und die lange am Hof waren, nannte man »Ehhalten«. Die Arbeitsverträge wurden damals ohne schriftliche Vereinbarung besiegelt. Per Handschlag wurde dabei verlangt, ein volles Jahr zusammenzubleiben. Auch die Volksweisheit, dass bis zum 2. Februar – gemessen von der Wintersonnenwende am 21. Dezember – die Tageslänge um eine Stunde wachse, geht auch auf das Altertum zurück. Früher schauten die Landwirte in den Himmel und beobachteten Veränderungen in Fauna und Flora. So sollen auch die Bauernregen wie: »Ist's zu Lichtmess mild und rein – wird's ein langer Winter sein«, entstanden sein.

Dem Fest Mariä Lichtmess folgt das Fest des Heiligen Blasius am 3. Februar. In Gottesdiensten wird den Gläubigen der Blasiussegen erteilt, der gegen Halskrankheiten schützen soll. Der Legende nach wurde Bischof Blasius während der Christenverfolgung in den Kerker geworfen. Dort soll er einem mitgefangenen Knaben, der an einer Fischgräte zu ersticken drohte, das Leben gerettet haben. Der heilige Blasius erlitt um 287 den Martertod und zählt heute zu den vierzehn Notheiligen.

ga


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