Als Frau in einer Männerdomäne sehr wohl gefühlt

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Evi Lausmann, heute verheiratete Hetzmannseder, war eine der beiden ersten Pilotinnen, die bei der Lufthansa ausgebildet wurden. (Fotos: Privat/Mix)
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Evi Hetzmannseder heute: Sie hat die Kapitänsmütze an den Nagel gehängt.

Traunreut – Vor mehr als 30 Jahren sorgte Evi Lausmann, heute verheiratete Hetzmannseder, für Schlagzeilen in den überregionalen Printmedien, weil sie eine der beiden ersten Frauen war, die Pilotin bei der Lufthansa wurden. Sie habe sich in dem vorwiegend von Männern dominierten Beruf immer sehr wohl gefühlt, erzählt die heute 56-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. Die vielen Ziele weltweit, von denen sie während ihrer beruflichen Laufbahn nur wenig tatsächlich sehen konnte, besucht sie nun gerne in aller Ruhe mit ihrem Mann im Urlaub.

Ganz spontan bei einer Fahrt auf der Autobahn unter der Einflugschneise des Münchner Flughafens, der damals noch in Riem war, kam der Abiturientin damals die Idee, Pilotin zu werden – obwohl sie vorher noch nie in einem Flugzeug saß. Beim Anblick der Flugzeuge am Himmel habe es »klick« gemacht und sie wusste: »Da will ich mal vorne drin sitzen.« Schon im Kindergarten soll sie verkündet haben, dass sie später Stewardess werden und einen Kapitän heiraten will.

Den Weg über die Flugbegleiterin sparte sie sich und lenkte lieber gleich selber die Flugzeuge. Als sie sich damals über die Bewerbungskriterien als Pilotin schlaumachte, schienen die Erfolgsaussichten erst einmal sehr gering: »Ich dachte, ich bin zu klein, zu blöd und eine Frau.« Trotzdem bewarb sie sich, denn »mehr als 'Nein' sagen können die nicht«. Das mit der Größe hat sie dann bei der Bewerbung ein wenig zu ihren Gunsten verändert und nach dem Probesitzen im Simulator war klar, dass sie alle Geräte erreichen kann. Zu dumm war sie auch keineswegs – sie hatte schon immer ein gutes technisches Verständnis.

Eine Männerdomäne war die Ausbildung aber dennoch. Dass bisher noch keine Frauen in dem Beruf waren, wurde ihr deutlich, als im Einladungsschreiben zum Vorstellungsgespräch stand: »Sehr geehrter Herr Lausmann«. Der Freiflug zur Aufnahmeprüfung in Hamburg war dann der allererste Flug im Leben der Abiturientin.

Die Lufthansa wollte damals wohl allen zeigen, dass sie modern und fortschrittlich ist und auch Frauen aufnimmt. »Angeblich haben sie schon vor mir viele Frauen getestet, aber ich war die Erste, die durchgekommen ist«, sagte die Pilotin heute. Allerdings hieß es dann erst einmal warten, bis sich eine zweite Frau qualifiziert. »Ich sollte nicht allein mit den ganzen Männern im Kurs sein.« Zusammen mit Nicola Lunemann absolvierte sie die gut zweijährige Ausbildung in Bremen und Phoenix/Arizona. Nach zwölf Jahren als Kopilotin, davon die meiste Zeit auf der Boeing 747-400, wurde sie schließlich Flugkapitänin und flog in ihrer gesamten Laufbahn vor allem Langstrecken auf großen Maschinen. Bis auf wenige kurze Auszeiten, als ihre beiden Söhne zur Welt kamen, war Evi Hetzmannseder immer unterwegs.

Mit ihren männlichen Kollegen und den ständig wechselnden Crews ist sie immer gut ausgekommen, hat viele nette Menschen kennengelernt und Freundschaften geschlossen. An ein Kompliment erinnert sich die Flugkapitänin gerne. Ein älterer Kollege habe bei einem Flug mit ihr gemeint: »Ich hab' immer gehofft, dass der Kelch an mir vorüber geht und ich nicht mit einer Frau fliegen muss.« Im Nachhinein musste er allerdings feststellen: »Ich tät' es jederzeit wieder.« Natürlich dürfe man als Frau nicht empfindlich sein. Wenn ihre männlichen Kollegen dumme Witze rissen, ließ sie einfach auch einen vom Stapel und damit war alles gut. Nach wie vor seien Pilotinnen allerdings eher die Ausnahme, nur rund fünf bis zehn Prozent aller Kapitäne der Lufthansa seien Frauen.

Völlig überrascht, eine weibliche Stimme zu hören, war offenbar auch ein Flughafenangestellter in einem schwarzafrikanischen Land, der sie einmal über Mittelwellenfunk gefragt hat: »Are you a Madam, Sir?« Was sie immer wieder am Fliegen besonders faszinierte, fasst Evi Hetzmannseder zusammen: »Man hat 400 Tonnen zu starten, nur mit den Händen, und der Jumbo macht, was ich will.«

Manchmal sei es auch vorgekommen, dass sie beim Gang durch das Flugzeug mit einer Stewardess verwechselt wurde und jemand bei ihr ein Getränk bestellen wollte. In solchen Fällen habe sie immer sehr freundlich und höflich geantwortet, dass sie den Wunsch gerne »an die Kolleginnen vom Kabinenpersonal« weitergebe.

Brenzlige Situationen erlebte Evi Hetzmannseder in all den Jahren natürlich auch. Sie stellte fest, dass Gewitter immer häufiger und stärker wurden und man so manches Mal nicht wusste, ob man am Zielflughafen überhaupt landen kann. Dann waren Entscheidungsfreude und rasches Handeln gefragt. Da sie vor allem Langstreckenflüge absolvierte und dazwischen immer nur einen oder wenige Tage zum Ausruhen hatte, machte ihr der ständige »Jetlag« mit der Zeit zu schaffen. »Das zehrt an der Gesundheit« und war mit Grund dafür, dass sie mit 50 Jahren bei der Lufthansa aufhörte.

Die Frage nach Lieblingszielen kann die Kapitänin nicht so einfach beantworten, es gibt mehrere davon. In Hongkong sei sie immer gerne gewesen oder in San Francisco. Bei jedem Aufenthalt nutzte sie die knappe freie Zeit, um sich etwas in der Nähe anzuschauen. Vom Umfeld sieht man dabei allerdings wenig. Das holt sie jetzt nach, wenn sie mit ihrem Mann Michael Urlaub macht und die vielen Orte, die sie schon gesehen hat, in Ruhe nochmal besucht.

Ihre Eltern Rudolf und Klara Lausmann aus St. Georgen waren sehr stolz auf ihre Tochter, als sie eine der ersten Pilotinnen Deutschlands war, und haben einen ganzen Ordner voller Zeitungsausschnitte über sie gesammelt. Zweimal flogen sie auf ihren zahlreichen Reisen durch die ganze Welt auch mit der Tochter.

Eine nette Geschichte am Rand erzählt Evi Hetzmannseder, die nun in Burghausen lebt, von ihrem Sohn Benedikt. Er wurde mal im Kindergarten nach seinem Berufswunsch gefragt. Damals wollte er erst von seiner Mama wissen: »Darf ein Mann auch Kapitän werden?« Als sie dies bejahte, stand sein Wunsch fest, den er allerdings später revidierte und nun doch lieber ein Jurastudium absolviert. mix


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