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Älteste Bürgerin im Landkreis Traunstein ist 106 Jahre alt

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Nachrichten aus Traunreut und Traunstein
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Luisa Steinfeld feierte gestern ihren 106. Geburtstag. Die Traunreuterin ist damit nicht nur die älteste Bürgerin der Stadt, sondern auch die des Landkreises.

Traunreut – Ihren 106. Geburtstag feierte gestern Luisa Steinfeld aus Traunreut. Sie ist inzwischen nicht nur die älteste Bürgerin der Stadt, sondern im gesamten Landkreis Traunstein.


Ein wenig aufgeregt war sie angesichts des hohen Geburtstags seit einigen Tagen, ihre Vorbereitungen aber hat sie gewissenhaft wie immer getroffen.

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Im Schrank ihres Zimmers im zweiten Stock des Seniorenzentrums der Arbeiterwohlfahrt lag seit einer Woche eine Bluse mit weißem Kragen bereit, die sie an ihrem Geburtstag traditionell unter einem Pulli oder einer Jacke anzieht. Ansonsten war die Traunreuterin freundlich und gelassen wie immer. So genoss sie auch gestern ihr gemeinsames Frühstück mit Anna Paul, die sie als »Pfundskerl« lobt. Die 88-Jährige ist derzeit die engste Bekannte von Luisa Steinfeld und wohnt auf der selben Etage. Jeden Morgen treffen sich die beiden vor dem Frühstücksraum, und als die Ältere achtet Steinfeld darauf, dass die 18 Jahre jüngere Freundin ausreichend frühstückt: »Sie teilt mit mir ihre Semmel, damit ich bei Kraft bleibe.« Dafür wärmt Annerl Paul im Gegenzug die immer kalten Hände ihrer reiferen Freundin: »Meine Hände sind ja immer warm.«

Ein wenig amüsiert es die 88-Jährige, dass sie eigentlich jung genug ist, um die Tochter ihrer Freundin zu sein. Aber in den inzwischen sechs Jahren im Seniorenzentrum musste sich Luisa Steinfeld schon von einigen Mitbewohnerinnen verabschieden. Um selbst fit zu bleiben, hat sie immer eisern trainiert. Mit 103 Jahren berichtete sie noch regelmäßig stolz ihrem Enkel Willi Lischka: »Heute habe ich wieder 600 Schritte geschafft.« Damals war sie noch mit dem Rollator auf ihrer Etage im Seniorenzentrum unterwegs.

Da sie inzwischen nicht mehr gut zu Fuß ist, steuert sie mit der Kraft ihrer Arme den Rollstuhl täglich bis zu zehn Mal den rund 50 Meter langen, verschwenkten Gang auf der Etage auf und ab. »Sie sportelt so täglich und beteiligt sich an allen Aktivitäten, wie etwa der Gymnastik, singt gerne und besucht die Veranstaltungen des AWO-Ortsvereins«, wie eine der Pflegerinnen betont. Wie das Hörvermögen hat die Sehkraft von Luisa Steinfeld zwar schon etwas nachgelassen: »Aber sie kennt uns alle und hat für jeden einen Spitznamen.«

Ihren Geburtstag konnte die Jubilarin ganz entspannt angehen, hat sie doch ihr vor drei Jahren gestecktes Ziel längst erreicht: Damals wollte sie ihren 105. Geburtstag feiern. Dass Luisa Steinfeld ein so hohes Alter erreicht hat, mag daran liegen, dass sie, wie ihr Vater, immer gerne Honig gegessen hatte. Und ihr Vater wurde 101 Jahre alt. »Wichtig war ihr immer, dass es reiner Naturhonig vom Imker ohne Konservierungsstoffe ist«, versichert Enkel Willi Lischka. Die Gene der Familie haben schon auf ein langes Leben hoffen lassen, wurde doch schon die Urgroßmutter von Luisa Steinfeld 106 Jahre alt.

Die Jubilarin ist seit 20 Jahren Uroma, hat zwei Enkel und Schwiegersohn Stefan Lischka in ihrer Nähe. Von ihrer Tochter Helga, die sich um Luisa Steinfeld bis zu deren 100. Lebensjahr gekümmert hatte, musste sich die Jubilarin allerdings 2016 verabschieden. Ein schwerer Verlust: »Mit der Mutti konnte sie sich noch immer auf Ungarisch unterhalten, was sie gerne getan hat«, erinnert sich Enkel Willi Lischka. Überraschend ist diese Vorliebe für die ungarische Sprache, da die Jubilarin als Luisa Borbey am 7. Februar 1912 in Temeschburg (Temeswar) im Banat in Rumänien geboren wurde. Ihr Vater war Malermeister, die Mutter Kassiererin. Der Vater hatte die Tochter nach einer Sängerin aus Budapest benannt.

In Rumänien wurde sie Modistin, heiratete ihren Mann Anton Steinfeld und zog mit diesem 1978 nach Traunreut, wo bereits Tochter Helga mit der Familie lebte. 2003 starb Luisa Steinfelds Mann, der mit 93 Jahren ebenfalls ein hohes Alter erreicht hatte. Bis 2012 lebte die Jubilarin noch allein in ihrer Wohnung an der Pallinger Straße. »Sie kochte noch selbst, hat auch noch Kuchen gebacken und wurde von der Tochter unterstützt. Ihre Spezialität war Blätterteigkuchen mit Creme«, erinnert sich Enkel Willi Lischka noch gut.

Mit 100 Jahren zog Luisa Steinfeld dann ins AWO-Seniorenzentrum, wo sie gestern ihre Geburtstagsgäste empfing, zu denen auch der »blonde Engel« gehörte: So bezeichnet sie Elfi Dzial, die Vorsitzende des AWO-Ortsvereins, für den die Jubilarin viele Jahre ihre große Leidenschaft, die Handarbeit, gepflegt hat, die sie seit einigen Jahren nicht mehr ausüben kann. Gewissen Tribut fordern 106 Jahre Lebenszeit dann doch. fb