weather-image
10°

95 Unterschriften gegen Bau von Pflegeheim in Traunreut

5.0
5.0
Traunreut: 95 Unterschriften gegen Bau von Pflegeheim an Westendstraße
Bildtext einblenden
Großer Widerstand regt sich gegen den Standort des geplanten Pflegeheims an der Westendstraße. Der Sprecher der Anliegergemeinschaft, Gerhard Lexmaul (links), überreichte an Bürgermeister Hans-Peter Dangschat eine Liste mit 95 Unterschriften der Standortgegner. (Foto: Rasch)x

Traunreut – Für das an der Westendstraße in Traunreut geplante Pflegeheim liegen weder eine offizielle Bauvoranfrage noch ein Bauantrag vor. »Wir wurden nur darüber informiert, dass der Bauwerber das Grundstück nutzen möchte«, erklärte Bürgermeister Hans-Peter Dangschat in einem Gespräch mit Vertretern der Anlieger der Westendstraße. Diese haben ihm eine Liste mit 95 Unterschriften überreicht, mit denen sie sich gegen einen möglichen Bau aussprechen.


Wie berichtet, kritisieren die Anwohner den Standort, auf dem vor rund zehn Jahren schon einmal ein Seniorenheim geplant, dann aber doch nicht gebaut wurde. Damals wie heute befürchten sie ein Verkehrschaos und kritisieren die massive Bebauung. Sie beklagen, dass die ohnehin sehr beengte Straße jetzt schon ständig zugeparkt sei und ein zusätzlicher Verkehr durch die Besucher, Einsatzfahrzeuge und Lieferanten in einer Katastrophe enden würde.

Anzeige

Nicht gegen Pflegeheim, nur falscher Standort

Die Sprecher der Anlieger, Gerhard Lexmaul sowie Renate und Klaus Kunze, haben Bürgermeister HansPeter Dangschat nun im Rathaus eine Liste mit 95 Unterschriften gegen das Projekt an dem geplanten Standort überreicht und ein rund einstündiges Gespräch mit ihm geführt. Dabei betonten sie, dass es ihnen nicht darum gehe, ein Pflegeheim zu verhindern, sondern der Standort definitiv der falsche sei.

Um nicht unvorbereitet in das Gespräch einzusteigen, hatten sie Dangschat im Vorfeld einen umfangreichen Fragenkatalog zukommen lassen. Wie Dangschat eingangs erklärte, habe er schon seinerzeit den Standort an der Westendstraße für ein Pflegeheim als falsch empfunden und er sei auch vom jetzigen Bauvorhaben nicht überzeugt.

»Mir gefällt das Konzept nicht. Es sind zu wenig Parkplätze und auch die gesellschaftlichen Räume fehlen.« Und er fügte hinzu: »Ich bin vom Grundsatz her auf Ihrer Seite, aber baurechtlich ist es ein großes Problem.« Auf dem besagten Grundstück besteht nämlich bereits ein Baurecht für ein Seniorenheim. Dieses wurde zum Leidwesen der Anlieger seither nicht geändert und ist somit rechtskräftig.

Weiter teilte der Bürgermeister mit, dass er schon auf der Suche nach einem anderen Grundstück für ein Pflegeheim sei und ihm auch schon eines angeboten worden sei. Nähere Angaben dazu machte er aber nicht. Zunächst müsse der Antragsteller aber ein Baugesuch einreichen: »Es gibt noch keine Bauanfrage und auch noch keinen Bauantrag«, sagte Dangschat.

Nach seinen Informationen sei im März seitens des Antragstellers in der Stadtverwaltung lediglich eine Anfrage eingegangen. In der Bauausschusssitzung im Juli sei das geplante Projekt dann vorgestellt worden. Seither regt sich bei den Anliegern großer Widerstand. Sie kritisieren, dass sie von dem Vorhaben aus der Zeitung erfahren mussten und nicht von der Stadt informiert worden seien. Dies sei nicht Aufgabe der Stadt, sondern des Bauherrn, verteidigte sich Dangschat. »Der Bauherr muss Sie informieren und den Nachbarn den Plan zur Unterschrift vorlegen.«

Für die Anlieger wäre das Brandschutzkonzept das stärkste Argument, um das Vorhaben auf dem geplanten Grundstück doch noch verhindern zu können: »Ich sehe hier eine große Gefahr, dass die Einsatzfahrzeuge überhaupt an das Gebäude herankommen. Vom Platz her kommen jetzt schon zwei größere Autos nicht aneinander vorbei«, sagte Gerhard Lexmaul und appellierte an die Verantwortung der Behörden: »Die Herrschaften sollten nicht nur vom Tisch aus prüfen, sondern sich die Situation vor Ort anschauen.«

Auf die Frage, wer im Falle einer Umsetzung des Projekts für die technischen Erschließungsmaßnahmen wie Kanalund Wasseranschluss aufkommen müsse, erklärte Dangschat, dass die Erschließungskosten über einen städtebaulichen Vertrag geregelt würden und zu Lasten des Bauwerbers gingen. Auch die Kosten für etwaige Straßenschäden, die während der Baumaßnahme entstehen, müsste der Bauherr tragen.

Stadtrat wird kaum eingreifen können

Inwieweit der Stadtrat das Projekt aufgrund des bestehenden Baurechts verhindern kann, ist unklar. »Wenn der Bauherr seine Nachweise erbringen kann, wird es schwierig, dass der Stadtrat eingreifen kann«, so Dangschat. Diese Erfahrung musste das Gremium bereits wegen eines Vorbescheidantrags des an selbiger Stelle vor zehn Jahren geplanten Seniorenheims machen. Die große Mehrheit des Stadtrats hatte sich trotz positiver Stellungnahme des Landratsamts geweigert, den Vorbescheid abzusegnen. Schon damals wurde befürchtet, dass die Straße keinen zusätzlichen Verkehr vertrage.

Ein weiterer Grund, weshalb sich der Stadtrat dagegen ausgesprochen hatte, war die massive Bebauung. Die Landkreisbehörde hingegen hatte das Vorhaben als unbedenklich eingestuft und den Stadtratsbeschluss revidiert. Daraufhin beugte sich der Stadtrat und beschloss, für die Westendstraße einen Bebauungsplan aufzustellen. ga

Unsere bisherige Berichterstattung:


Mehr aus Traunreut