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Als eine der ersten Maßnahmen nach der Vereinsgründung fand der Walldurchstich statt. (Repro: Mix)

50 Jahre Verein »Freunde der Burg Stein«

Traunreut – Der Verein »Freunde der Burg Stein« kümmert sich seit nunmehr 50 Jahren um das Burgensemble in Stein und hat in all den Jahren unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit in den Erhalt der gesamten Anlage gesteckt. Gegründet wurde der Verein am 12. Mai 1972, also heute vor genau einem halben Jahrhundert.


Gründungs- und erste Vorstandsmitglieder waren damals Georg Huber als Vorsitzender, Olaf Ziegler, Vater des heutigen Vorsitzenden Sebastian Ziegler, Dr. Hans-Jürgen Schubert, Simon Mayer, der damalige zweite Bürgermeister Paul Obermeier, Anton Kraus, Schulleiter Karl Holicke, Georg Georg und Burgführer Konrad Schuhbeck.

Zum 25-jährigen Bestehen des Vereins erstellte Dr. Schubert einen persönlichen Rückblick. Er schrieb damals: »Am Anfang stand eine Bekanntschaft, die zwei Gleichgesinnte zusammenführte, Georg Huber und mich. Der damalige Verwaltungsleiter der Gemeinde Stein, Amtsinspektor Georg Pöschl, hatte mich gebeten, die Geschichte Steins näher zu erforschen, was meinen Interessen sehr entgegen kam und mich sehr bald zur Familie Huber führte.« Aus vielen Gesprächen und Ideen, wie man die Vergangenheit des Orts aufhellen könnte, entstand schließlich der Gedanke einer Vereinsgründung. Unterstützt wurden die beiden dabei von Dr. Rainer Christlein, dem späteren »Chefarchäologen« des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege. Laut Niederschrift der Gründungsversammlung sollte sich der Verein der »Erforschung der Geschichte der Gemeinde Stein und ihrer Denkmäler widmen und sich für deren Erhaltung einsetzen«.

Erstes Großprojekt begann im August 1974

Dr. Christlein entwickelte den Plan eines Walldurchstichs beim Hochschloss und man nahm sich Aufräumarbeiten in der Höhlenburg und am Hochschloss vor. In der ersten Jahreshauptversammlung 1973 konnte der Vorstand bereits auf 70 freiwillige Arbeitsstunden der 47 Mitglieder verweisen. Das erste Großprojekt begann im August 1974. Der Wall beim Hochschloss wurde auf drei Metern Breite Schicht für Schicht vorsichtig abgetragen, um den Aufbau dieser Befestigungsanlage erforschen zu können, die aus einem Kernwall der Zeit zwischen 1100 und 1200 und drei Aufschüttungen aus späteren Jahrhunderten besteht. Zwei Jahre später wurde die Grabungsstelle wieder zugeschüttet und rekultiviert.

Weitere Projekte im Lauf der Jahre waren die Sanierung der Nepomuk-Kapelle, immer wieder notwendige Sanierungsarbeiten an der Höhlenburg, die Instandsetzung der Klause und über viele Jahre hinweg die Restaurierung der einzelnen Stockwerke im Hochschloss, wo als eine der ersten Maßnahmen 1986 Dach und Dachstuhl erneuert wurden. Ab 1991 gingen die lang geplanten Sanierungsmaßnahmen an der Höhlenburg los. Dr. Schubert schrieb am Ende seiner Ausführungen: »Viel konnte in diesen 25 Jahren erreicht werden, vor allem die Sanierung von Höhlenburg, Hochschloss und Klause. Manches bleibt noch zu tun. Ein zufriedener Verein wäre ein toter Verein, deshalb die Bitte an alle Mitglieder: Helfen Sie mit, dass die Burgfreunde ein lebendiger Verein bleiben!«

30 »Burgbriefe« seit 1983 erschienen

Und so blieb es auch in den folgenden Jahren und bis heute. Die Sanierungsarbeiten wurden fortgeführt und auch das rege Vereinsleben. Der allererste »Burgbrief« mit einer Auflage von 350 Exemplaren und einem Umfang von 36 Seiten erschien im Herbst 1983 mit Beiträgen über die Geschichte der Steiner Poststempel, die alte Traunbrücke, den Georgiritt und den Aufenthalt von König Max Joseph von Bayern in Stein. Die Reihe der Burgbriefe wurde fortgeführt, 2021 erschien die 30. Ausgabe.

All die Jahre gab es jeweils zur Jahreshauptversammlung und zur Herbstversammlung Vorträge über historische Themen, regelmäßige Vereinsausflüge mit Besichtigungen und das jährliche Burgfest für die Mitglieder. Einen schweren Verlust musste der Verein 2002 hinnehmen, als Georg Huber, Vorsitzender und Motor des Vereins, verstarb. Sein Nachfolger wurde Dr. Michael Elsen. Als auch er 2019 ganz plötzlich verstarb, wurde Sebastian Ziegler zum neuen Vorsitzenden gewählt.

Dr. Michael Elsen, der davor schon zweiter Vorsitzender war, setzte sich über viele Jahre hinweg für die aufwändige Sanierung des Hochschlosses ein, verhandelte mit den Behörden, dem Amt für Denkmalschutz, stellte Anträge für Zuschüsse und suchte Sponsoren. Die Vereinsmitglieder steckten unzählige Arbeitsstunden und viel Muskelkraft in die einzelnen Sanierungsabschnitte. Auch Reimund Wudke hat sich über viele Jahre für die Pflege und den Erhalt des Areals rund um Hoch- und Höhlenburg eingesetzt.

Immer noch hält Dr. Schubert dem Verein die Treue. Er war bis vor wenigen Jahren Schriftführer und ist nach wie vor für den Inhalt der jährlichen Burgbriefe verantwortlich.

Neben den historischen Burgführungen bietet der Verein »Freunde der Burg Stein« jedes Jahr zu Kirchweih die Öffnung der Klause an und zeigt dieses Kleinod im Steiner Fels interessierten Besuchern. Wie es sich Dr. Schubert und sicherlich auch der Mitbegründer Georg Huber wünschten, ist der Verein auch nach 50 Jahren lebendig und an der Geschichte des Orts interessiert. Pandemiebedingt musste in den vergangenen zwei Jahren viel ausfallen, doch heuer soll wieder ein Burgfest stattfinden und auch das Jubiläum soll gebührend gefeiert werden.

Neu gestaltet und organisiert wurden die Führungen durch das Areal, wie Sebastian Ziegler erklärt: »Nach vielen Jahrzehnten der ehrenamtlichen Burgführungen nimmt die Schlossbrauerei Stein nun als Hauseigentümerin die Führungen in die eigene Hand, als Teil des neuen Gesamtauftritts, der der Besonderheit dieses Ortes mit Höhlenburg und Hochburg wieder mehr öffentliche Aufmerksamkeit zukommen lassen möchte.«

mix

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