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200 bis 350 Bedürftige kommen jede Woche zur Tafel

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Schon eine Stunde vor Ausgabe der Lebensmittel sind die ehrenamtlichen Helfer damit beschäftigt, die Ware zu sortieren und teils portionsweise abzupacken: Kerstin Seibt, Franz Parzinger, Rosl Hübner und Eleni Ottenbacher (von links). (Foto: P. Mix)

Traunreut – Für sechs Wochen musste die Traunreuter Tafel im Frühjahr die Ausgabe von Lebensmittel einstellen. Seit Mai läuft der Betrieb aber wieder durchgehend. Die Tafeln sind systemrelevant und dürfen deshalb weitermachen.


Das ganze Angebot steht und fällt mit den Ehrenamtlichen, die auch in diesen schwierigen Zeiten vollen Einsatz zeigen. »Sie sind unsere Felsen in der Brandung«, betont die Tafelleiterin Rosl Hübner.

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Die Ausgabe erfolgt an drei Tagen in der Woche über die Fenster. Die ehrenamtlichen Helfer werden von Rosl Hübner von zuhause aus eingeteilt. Sie regelt alles Organisatorische aus der Ferne. »Besprechungen können nur noch telefonisch laufen und wir haben feste Teams eingeteilt«, erklärt die Leiterin der Tafel. Denn wenn im Kreis der Ehrenamtlichen ein Coronafall auftreten würde, müsste »nur« das jeweilige Team in Quarantäne und nicht die ganze Helferschar.

Letztes Jahr freuten sich Rosl Hübner und ihre Mitstreiter noch über neue Helfer, die aufgrund der Pandemie plötzlich Zeit hatten. Die Studenten und Kurzarbeiter sind jedoch bis auf einige wenige inzwischen wieder weggebrochen und Helfer werden nach wie vor gesucht.

»Problematisch ist, dass unsere Ehrenamtlichen fast alle älter sind und damit zur Risikogruppe zählen. Die wollen wir natürlich schützen«, sagt Christine Höller, die als zweite Vorsitzende des Evangelischen Gemeindevereins ehrenamtlich bei der Tafel mithilft. Aus diesem Grund wurden Plexiglasscheiben mit Ausgabeschlitzen angeschafft. Außerdem tragen alle FFP2-Masken. Für die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln sowie den reibungslosen Ablauf der Ausgabe sorgen vor allem die ehrenamtlichen Helfer Marco Brauner und Lydia Klippert.

Für die Kunden der Tafel heißt es natürlich jetzt im Winter, draußen in der Kälte ihre Lebensmittel in Empfang zu nehmen. Allerdings mussten sie auch in den Vorjahren schon immer im Freien warten, ehe sie nach und nach in den Ausgaberaum gelassen wurden. Da mit jedem Berechtigungsscheins ein bestimmtes Zeitfenster verbunden ist, muss niemand lange in der Kälte ausharren. Dass die Kunden teilweise trotzdem schon eine Stunde vor Öffnung der Tafel kommen und sich anstellen, könne ihnen nicht verboten werden. Es seien aber ausreichend Lebensmittel vorhanden und keiner komme zu kurz, stellt Rosl Hübner klar. Die Zahl der Empfänger bewegt sich aktuell zwischen 250 und 300 jede Woche. »Im Winter kommen erfahrungsgemäß jedes Jahr weniger, weil viele alte Menschen dann lieber zuhause bleiben«, weiß Christine Höller. Nun kommt offenbar auch noch die Angst vor Corona dazu. Manche Bürger »igeln« sich zuhause regelrecht ein und trauen sich nicht mal mehr zur Tafel zu gehen.

Weniger Abnehmer bedeutet aber nicht gleichzeitig weniger Arbeit. Während vor Corona die Berechtigung der Tafelempfänger regelmäßig im Büro des Evangelischen Gemeindevereins mit Hilfe des Computers einfach und schnell überprüft werden konnte, muss dies nun im Rahmen der Ausgabetermine stattfinden. Mit der geringen Zahl der Abholer gehen gleichzeitig die Einnahmen der Tafel zurück. Sie ist deswegen dringend auf Spenden angewiesen.

Im Gegensatz zur Tafel ist die Kleiderkammer des Evangelischen Gemeindevereins Traunreut schon seit letztem Frühjahr geschlossen und es ist auch nicht absehbar, wann sie wieder öffnen kann. »Die Leute misten daheim aus, die Lager sind voll, aber wir können nichts ausgeben«, so Christine Höller.

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