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Richard Ruhland erhält dieses Jahr den Max-Fürst-Preis

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Tittmoning: Richard Ruhland erhält 2020 den Max-Fürst-Preis
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Richard Ruhland erhält in diesem Jahr den Max-Fürst-Preis des Historischen Vereins für den Chiemgau zu Traunstein.

Tittmoning – Man könnte meinen, er sei auf der Burg von Tittmoning zu Hause: Richard Ruhland (Jahrgang 1946) empfängt den Gast mit einem großen Schlüsselbund in der Hand, der ihm die Türen zu den Schätzen des geräumigen Tittmoninger Heimatmuseums öffnet. Und schon im ersten Raum, besser gesagt Saal, erkennt man den großen Vorzug des »Heimathauses Rupertiwinkel« auf der Burg: Platz spielt keine Rolle, denn die Themensäle sind so geräumig, wie man es wohl in nur wenigen Heimatmuseen findet.


Kein Wunder, die schon von Weitem sichtbare, imposante Burg Tittmoning, im 13. Jahrhundert hoch über der Stadt von den Salzburger Erzbischöfen sozusagen als Bollwerk gegen die im nahen Burghausen liegenden Bayern erbaut und später als Jagdschloss genutzt, verfügt über zahlreiche Säle, in denen sich vor Jahrhunderten das Leben am Hofe der Salzburger Herrscher abspielte. Nach rund tausendjähriger Zugehörigkeit zum Erzstift Salzburg kam der »Rupertiwinkel«, also der links von Saalach und Salzach liegende Landstrich mit dem Pfleggericht Tittmoning, im Zuge der politischen Wirren zur Zeit Napoleons um 1810 zum Königreich Bayern – und die Burg wurde sozusagen »nutzlos«.

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Doch in der Stadt entstand bereits 1889 ein Geschichtsverein, der aber keinen Bestand hatte, ehe es 1900 zur Wiederbelebung kam, wobei dieser Historische Verein Tittmoning erneut mit dem Sammeln von Zeugnissen der Vergangenheit begann; dank der Unterstützung der Stadt wurden die Objekte zunächst im Rathaus untergebracht. Der damalige Bürgermeister, Max Herbig, schlug 1907 vor, die Exponate aus Platzgründen in die Burg zu verlegen, deren Bauzustand freilich so desolat war, dass die Stadt bereits daran dachte, sie zu verkaufen.

Daraus wurde Gottseidank nichts, und 1911 wurde – nach Instandsetzung der für ein Museum vorgesehenen Räume – das neue Museum auf der Burg eröffnet. Allerdings musste es 1940 wieder ausgelagert werden, weil die Wehrmacht die Burg als Offiziers-Gefangenen- und Internierungslager beanspruchte. Aber 1953 konnte, unter Leitung von Dr. Prinz Franz zu Sayn-Wittgenstein, dem Chef der Abteilung Nichtstaatliche Museen beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, maßgeblich angetrieben vom Kreisheimatpfleger Dr. Georg Poschacher, das Museum in der Burg wieder bezogen werden. 1964 bekam dieses durch die Gründung einer Stiftung eine finanzielle und juristische Grundlage und trägt seither den Namen »Heimathaus des Rupertiwinkels«.

Das Museum war von Anfang an darauf ausgerichtet, eine Dokumentation der Kunst- und Kulturlandschaft des Rupertiwinkels darzustellen, wie es Hans Roth, der einstige Vorsitzende des Historischen Vereins Rupertiwinkel Laufen und Geschäftsführer des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege, formulierte. Gleich im ersten Raum, dem »Salzburger Saal«, empfangen großformatige Portraits mehrerer Salzburger Erzbischöfe den Besucher, wobei Richard Ruhland besonders stolz darauf ist, dass diese sich auch ursprünglich in den Mauern der Stadt befanden; sie stammen nämlich aus dem 1806 aufgelassenen Augustiner-Eremitenkloster. Die gestreng und würdevoll dreinschauenden Herren blicken sozusagen an die gegenüberliegende Wand, die geprägt ist von dem originellen »Türkenofen« aus dem Fridolfinger Pfarrhof.

Prachtstück der insgesamt 23 großzügigen historischen Museumsräume ist der schon architektonisch beeindruckende »Scheibensaal« mit der großartigen Sammlung von Schützenscheiben, die ihresgleichen sucht. 120 Schützenscheiben aus vier Jahrhunderten, die alle aus Tittmoning stammen, geben – ernst, aber auch humorvoll und spöttisch – Zeugnis vom gesellschaftlichen Leben und der Politik in der Stadt.

Jahrzehntelanger Einsatz für das Museum

Bereits zu Beginn der 1970er Jahre wirkte Richard Ruhland, von Beruf Technischer Angestellter, bei der Ausstattung und Pflege der Räume mit, und nach dem Fund eines Mosaikbodens in der Stiftskirche 1974 war er endgültig gefangen in der Pflege des Museums im Besonderen und der Heimatpflege im Allgemeinen. Er war von 1979 an 40 Jahre Vorsitzender des Historischen Vereins, ehe er das Amt 2019 an den Mesner Rainer Zimmermann übergab und sich nunmehr als zweiter Vorsitzender vorwiegend um das Museum und Archivarbeiten kümmert. Er hat in dieser Zeit zahlreiche Publikationen verfasst, unter anderem auch den aktuellen Museumsführer, hat sich um weitere historisch bedeutende Stätten und Objekte gekümmert und hat sich dabei den Ruf erworben, das »historische Gewissen« seiner Heimatstadt zu sein.

Max-Fürst-Preis für Lebensleistung

Die Lebensleistung von Richard Ruhland war für den Historischen Verein für den Chiemgau zu Traunstein Grund genug, ihn in diesem Jahr mit dem Max-Fürst-Preis für verdiente Heimatforscher und Historiker auszuzeichnen. Bedingt durch die Corona-Krise musste der Verein die Preisverleihung, die ursprünglich in diesen Wochen geplant war, verschieben. Der neue Termin: Dienstag, 22. September, im Großen Rathaussaal in Traunstein.

Hans Helmberger