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Hohe Fixkosten - keine Einnahmen

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Die leere Manege ist ein Sinnbild für die prekäre Situation des Zirkus »King«. Wegen des Teil-Lockdowns darf er keine Vorstellungen geben.

Tittmoning – Viele Branchen sind vom Teil-Lockdown betroffen, wenngleich unterschiedlich. Zu denen, die ums Überleben kämpfen, gehört unter anderem der Zirkus »King«, der in diesem Jahr im Landkreis einige vielbeachtete Vorstellungen gegeben hat und nun in Tittmoning »gestrandet« ist. Die neuen Lockdown-Regelungen untersagen es der Schausteller-Familie, ihrem Beruf nachzugehen, somit fehlen dem Zirkus jegliche Einnahmen.

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Familienoberhaupt Artur Kaiser erzählt, dass man nach zwei sehr guten Jahren vor Corona investiert habe, in bessere Wagen für die Tiere beispielsweise, dass der erste Lockdown nur schwer zu stemmen war und ohne die Hilfe aus der Bevölkerung sein Betrieb wahrscheinlich gar nicht mehr existieren würde.

Das Zirkusunternehmen war im Berchtesgadener Land unterwegs, als die Infektionszahlen immer mehr stiegen. Durch einen Bekannten aus Freilassing sei der Kontakt nach Tittmoning vermittelt worden, quasi als Ziel für die Flucht vor Corona. »Dafür bin ich dem Bürgermeister und dem Besitzer des Geländes sehr dankbar. Viele Städte haben uns abgesagt«, sagt Kaiser. Traunstein beispielsweise mit der Begründung, der Festplatz würde für Parkplätze benötigt werden.

Bei Kaiser macht sich ein Stück weit Verzweiflung breit. Sein Zirkus sei eines der letzten Unternehmen gewesen, die nach dem ersten Lockdown wieder aufmachen durften und gehörte jetzt beim zweiten Lockdown zu den ersten, die schließen mussten. Finanzielle Unterstützung seitens Politik habe es für die Schausteller-Familie zu keinem Zeitpunkt gegeben. »Wir sind alle quasi Solo-Selbstständige. Anfangs haben wir versucht, die 9000 Euro zu beantragen«, so Kaiser. Erst schriftlich, dann online, gekommen sei nie etwas.

Im Grunde wäre das Geld auch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein gewesen. Heizungskosten, Versicherungen für Tiere und Fahrzeuge, Futter, Streu, Heu, Wasser, Tierarzt: »Pro Tag haben wir in etwa Fixkosten von 3500 Euro«, so Kaiser – abgesehen davon, dass Familie und Mitarbeiter auch ernährt werden müssen. 13 Menschen sind Teil des Traditions-Zirkus', der von Kaiser und seiner Frau Sandy bereits in der neunten Generation geführt wird. Auch für seine Kinder Lugiano (11), Loredana (9), Leandro (4) und Lousiana, die erst sechs Monate alt ist, möchte Kaiser selbstredend bestmöglich sorgen.

Wer der Zirkusfamilie helfen möchte, kann dies in unterschiedlichster Form tun – mit Sachspenden in Form von Nahrungsmitteln und Futter oder auch mit Geld. Die Spende kann direkt im Zirkus an der Laufener Straße in Tittmoning abgegeben werden. Geld kann auf das Konto von Mitinhaberin Sandy Kaiser (DE87 1001 0010 0240 9551 34) überwiesen werden. Die Familie wird keine Haus-zu-Haus-Sammlungen durchführen und warnt aus Erfahrung vor etwaigen Betrügern, die sich als Sammler ausgeben könnten.

Für weitere Infor­mationen ist die Zirkus­familie Kaiser unter der Telefonnummer 0152/36274941 erreichbar. RE


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