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Barocke Magie von Traversflöte und Laute

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Patrick Pföß und Ulf Dressler begeisterten in der Burgkapelle mit ihrer hervorragenden Akustik. (Foto: Mergenthal)

Zauberhaftes Abendlicht hüllt die altehrwürdige Burg über Tittmoning ein. Die feinen, leisen, barocken Weisen des Duos Pföß-Dressler, Krönung eines Bilderbuch-Sommerabends, passten hervorragend zu dieser der Zeit entrückten Szenerie voller Magie.


Bereits zum 5. Mal gastierten der in Traunstein wohnhafte Traversflötist Patrick Pföß, der auch komponiert und in Teisendorf aufgewachsen ist, und der Lübecker Lautenspieler Ulf Dressler im Rahmen ihrer Sommertournee in der Burgkapelle.

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In ihrem von Pföß sympathisch moderierten Programm gaben Sie einen Überblick über verschiedene musikalische Formen und ließen die Komponisten-Persönlichkeiten, ihr Umfeld und ihre Epoche lebendig werden. Den stimmigen Auftakt bildete eine festliche Kirchensonate, die immer mit einem schnellen Satz beginnt, des heute fast vergessenen gebürtigen Hamburgers Johann Adolf Hasse, neben Händel und Telemann einer der bekanntesten Komponisten seiner Zeit, der am Hof des Herzogs von Dresden angestellt war. Freudige Allegro-Sätze, ein schwebendes »Affetuoso« und drei Menuette in der Abfolge langsam-schnell-langsam voller Leichtigkeit ließen aufhorchen.

Die typischen barocken Klänge würzte das Duo im Laufe des Abends immer wieder mit Weisen von Turglough O’Carolan, des letzten irischen Barden. Wie Pföß anschaulich erzählte, zog er nach altem keltischen Brauch von Dorf zu Dorf und trug die neuesten Nachrichten in Gesangsform vor. In Folge einer Pockenerkrankung erblindete er mit 18 und lernte, wie in der keltischen Kultur bei Blinden üblich, ein Instrument, Harfe. Eines seiner ausdrucksstärksten Lieder, von Pföß und Dressler mit Hingabe und voller Zartheit zelebriert, gilt seiner großen Liebe, der »Blind Mary«. Viele seiner schönsten Stücke sind so genannte »Planxtys«, Widmungsstücke für Gönner, die den selber aufgrund seiner Tätigkeit Wohnsitzlosen auf seiner Tour beherbergten.

Zu Herzen ging sein Stück »Sheebeg and Sheemore«, in dem Pföß die typisch irische Spielweise auf der Tin Whistle imitierte, und voller Temperament war das übermütig-virtuose »Fanny Power«. Suiten, eine Folge von Tanzsätzen, und die »Sonata da Camera«, die mit einem langsamen Satz beginnt, waren weitere in der Barockzeit übliche Formen, die die Musiker vorstellten. Die Eleganz seines Brotherrn, des Sonnenkönigs Ludwig XIV., strahlte eine Suite in e-Moll des Hofflötisten Michel de la Barre aus, das erste belegte Stück, das explizit für Flöte komponiert wurde. Beispiele für die Kammersonate stammten von Nicola Francesco Haym, Sohn eines Füssener Geigenbauers, der in Rom sein Glück gesucht hatte, und vom Geiger Michel Corette, der als Franzose wie damals sehr unüblich eine italienische Ausbildung genossen hatte.

Dazwischen trug Dressler eine Solosuite in g-Moll für Laute vor und stellte sein Instrument vor, eine elfchörige Barocklaute mit einem Knickhals zum Abfangen des starken Saitenzugs nach dem Vorbild des arabischen »Oud« (es heißt dort »der Oud«), die »Mutter« aller Lauten. Dieses Stück spielte er nach einer Tabulatur. Etwas Schwebendes, Kontemplation und höchste Präzision und Feinheit in den Verzierungen prägte seine Interpretation dieser filigranen Musik in den Sätzen »Allemande – Courante – Sarabande – Ballet – Gigue«. Diese Laute hat einen ganz zarten Klang, an den sich unsere von den lauten Alltagsgeräuschen verdorbenen Ohren erst gewöhnen müssen.

Als Begleiter der Flöte griff er öfter zur dank ihrer durchdringenden Bässe lauteren »Erzlaute«, die über vier Oktaven verfügt, und zu seiner mal gezupften, mal geschlagenen spanischen Barockgitarre mit silbrig tönenden fünf Doppelsaiten, Kopie eines Instruments von 1660.

Pföß begeisterte mit seinem Können auf der unaufdringlichen Traversflöte, wo man mangels der später eingeführten Klappen die richtige Intonation in den verschiedenen Tonarten selber durch ein gutes Ohr, Ansatz und Blastechnik erzeugen muss. Ob es sich um aufblühende lange Töne in den Largosätzen handelte oder um spielerisch hingefetzte Läufe oder zerlegte Akkorde, sein Spiel war ein Erlebnis. Beide Musiker waren eins mit ihren Instrumenten und in vollkommener Harmonie untereinander. Sie sind nochmal bei freiem Eintritt (Spenden erwünscht) am heutigen Freitag um 19 Uhr in der Salinenkapelle in Traunstein zu hören. Veronika Mergenthal