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Ein stimmungsvolles Ambiente rundete das Friedensgebet in St. Coloman ab.

»Wann immer wir die Chance haben - wählen wir den Frieden!«

Taching am See – Friedensgebet in der Kirche St. Coloman: Viele Gläubige setzten ein Zeichen gegen den Krieg in der Ukraine. Dazu kamen sie auf die südlich gelegene Wiese vor dem Eingang der Wallfahrtskirche St. Coloman, beteten dort gemeinsam mit Pfarrer Konrad Roider für den Frieden, für ein Ende der Kriegshandlungen. Zudem sprachen sie Fürbitten und sangen Lieder, die der Belcanto-Chor unter der Leitung von Barbara Danninger stimmlich begleitete und für die Heidi Niedermeier am Klavier die passenden Töne setzte.


Die rundum aufgestellten Kerzen leuchteten für die Hoffnung, die Hoffnung auf Frieden. Denn die brennende Kerze ist ein Symbol für die elementare Sehnsucht nach Licht und Wärme, Hilfe und Geborgenheit, Trost und Frieden, Atmosphäre und Ruhe. Im Gebet wurde deutlich, dass das Zusammenspiel von Krieg und Frieden nicht schwer zu begreifen ist, Frieden zu schaffen – in sich selbst und in der Welt – hingegen schon.

Überdies veranlassten die schrecklichen Bilder aus dem Kriegsgebiet, dargestellt auf einer großen Leinwand, zum Innehalten und zum stillen Gedenken. Im Dunkel der Nacht erstrahlte auch eine Taube als Friedenssymbol.

Dass das Geschehen in der Ukraine wohl niemanden kalt lässt, betonte Dekan und Pfarrer Konrad Roider. »Dieser Krieg schockiert uns, dieser Krieg verunsichert uns, dieser Krieg lässt uns aber auch in der Hilfe zusammenrücken. Auch jetzt in dieser Stunde des Gebetes, wo wir um Frieden bitten, wo wir um Einsicht für die Verantwortlichen beten, nicht nur im Ukrainekonflikt, dort besonders, aber auch überall, wo Unfrieden und Zwietracht, Krieg und Terror herrschen.«

Die abendliche Andacht stand vor allem für die christliche Botschaft und für das Gebot der Nächstenliebe, die durch die Unterstützung der aus der Heimat vertriebenen, ukrainischen Bürger zum Ausdruck komme. So betonte Bürgermeisterin Stefanie Lang, sie freue sich, dass so viele Bürger der Gemeinde ihre Hilfe in irgendeiner Form anbieten möchten. »Bitte wenden Sie sich direkt an die Gemeindeverwaltung.«

»Der letzte Krieg in Europa wurde über zehn Jahre geführt«, erinnerte Lang an den Jugoslawien-Konflikt in den 1990er Jahren. »Damals war sicher, dass es sich um einen regionalen Konflikt handelt, begrenzt auf die Länder des damaligen Jugoslawiens. Er brachte, wie jeder Krieg, großes Leid, sinnlose Opfer und zerstörte die ganze Region, ein Brudervolk, Häuser, Infrastruktur, aber auch das Vertrauen in Nachbarn, Freunde und Bekannte.« Richtig gelöst sei dieser Konflikt bis heute, 21 Jahre nach seinem Ende, nicht. »Die Überlebenden tragen an den Folgen bis heute«, betonte Stefanie Lang. Nun tobt wieder ein Krieg in Europa und die Tragweite sei noch nicht abschätzbar. Klar sei, dass die größten Opfer wieder die Menschen sind, die darin verwickelt werden. Es seien Kinder, Frauen, Männer, die ihre Heimat verlassen müssen, um ihr Leben zu schützen. »Und wieder führt hier ein sogenanntes 'Brudervolk' Krieg gegeneinander.« Es bleibe zu hoffen, dass die Menschheit zur einzigen Lösung dieses Konflikts findet, – diplomatisch nach einem Ausweg zu suchen. »Denn wie viele Schlachten ein einzelner Kriegsherr auch gewonnen hat, den Krieg gewinnt letztendlich der, der nach einem Ende sucht.« Nie wieder Krieg, dieser Aufschrei nach dem 2. Weltkrieg, habe nichts an Aktualität eingebüßt. »Wann immer wir also die Chance haben – wählen wir den Frieden!«

Mit dem Lied »Kumbaya«, das im Kern ein Spiritual ist und in den 50er Jahren zur Hymne der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung wurde, fand diese Friedensandacht an der Kirche St. Coloman einen höchst passenden Schluss. Organisiert worden war die Andacht von einem spontan entstandenen Team Ehrenamtlicher des Pfarrverbands Am Tachinger See.

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