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»Stoppt den Verbau unseres schönen Strandbads«

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Bürgerentscheid zu Tachinger Strandbad rückt näher
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Luftaufnahme am Tachinger See. (Leserfoto)

Taching am See – Als Betreiberin des öffentlichen Strandbads Taching am See und des Campingplatzes ist die Gemeinde für Reparaturen und bauliche Maßnahmen zuständig. Zuletzt verständigte sich der Gemeinderat mehrheitlich in seiner Sitzung im Februar darauf, die Zugangs- und Zufahrtssituation zu entzerren und damit einen reibungslosen Ablauf beim Eintritt zu sichern. Dabei ging es um das Anbringen eines Gartentors und eines Zauns sowie um das Versetzen einer Schranke. Offenbar sind damit nicht alle Leute einverstanden, denn es regte sich Widerstand, mit dem die Wahrscheinlichkeit steigt, dass es zu einem Bürgerentscheid kommt.


Wegen dieser Umgestaltung bildete sich nämlich ein Bürgerbegehren, das erfolgreich gelaufen ist. So konnten 290 Unterschriften in der vergangenen Woche an den Geschäftsleiter der Verwaltungsgemeinschaft, Franz Röckenwagner, überreicht werden. Die Verwaltung hat die Unterschriften-Liste geprüft, demnach waren es genug, um einen Bürgerentscheid zu starten.

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»Stoppt den Verbau unseres schönen Strandbads« nennt sich das Bürgerbegehren. Auf der Liste, die zur Abgabe der Unterschrift aufrief, heißt es im Wortlaut: »Mit meiner Unterschrift beantrage ich gemäß Artikel 18a der Bayerischen Gemeindeordnung die Durchführung eines Bürgerentscheids zu folgender Frage: Sind Sie dafür, dass das Tachinger Strandbad vorerst so erhalten bleibt, wie es ist und dass insbesondere keine neuen Zäune, Schranken und Tore errichtet werden, ohne vorher ein nachhaltiges, planerisches Gesamtkonzept für das gesamte Freizeitgelände (Strandbad, Strandbadgaststätte, Campingplatz, Sportplatz) als Grundlage für künftige gemeindliche Investitionen zu erstellen.« Die offiziellen Vertreterinnen des Bürgerbegehrens sind Doris Wamsler, Ingrid Obermeyer und Isabella Walter.

Nun wurde das Bürgerbegehren dem Gemeinderat zur Entscheidung vorgelegt. Das Gremium stellte in seiner jüngsten Sitzung die Zulässigkeit des Begehrens formell fest. Der Gemeinderat könnte sich diesen Forderungen nach einer Gesamtplanung anschließen. Ein Bürgerentscheid hätte sich dann erübrigt. Wie es aber weitergehen soll, blieb an diesem Sitzungsabend offen.

Nach der Bayerischen Gemeindeordnung muss der Gemeinderat innerhalb von drei Monaten darüber abstimmen, ob er sich der Forderung anschließen und die Wünsche des Begehrens umsetzen oder einen Bürgerentscheid abhalten möchte. Es gibt auch noch die Möglichkeit ein Ratsbegehren entgegenzusetzen, über das im Bürgerentscheid dann ebenfalls abgestimmt wird. Das Ergebnis eines Bürgerentscheids ist für ein Jahr bindend.

»Wenn 290 Leute unterschreiben, sind das doch sehr viele.« Sie nehme die Initiative sehr ernst, sagte Bürgermeisterin Ursula Haas, ehe die Gemeinderäte die Zulässigkeit des Begehrens einstimmig feststellten. Die erforderliche Stimmenmehrheit von zehn Prozent der wahlberechtigten Bürger sei damit erfüllt. »Ab Feststellung der Zulässigkeit des Bürgerbegehrens dürfen keine Beschlüsse mehr gefasst oder vollzogen werden, die dem Begehren entgegenstehen, sofern keine rechtlichen Verpflichtungen seitens der Gemeinde bestehen«, sagte Haas.

Die Zufahrt zum Strandbad Taching sollte nach dem Willen des Gemeinderats so gestaltet werden, dass sich entgegenstehende Interessen nicht mehr gegenseitig beeinträchtigen. Denn bisher war es unter anderem schwer kontrollierbar, wer Eintritt zahlender Badegast, Camper, Restaurantbesucher oder nur Auskunftssuchender ist. Daher verständigte sich der Gemeinderat im Februar darauf, kurzfristig kleinere bauliche Veränderungen vorzunehmen.

Die mehrheitlich im »Arbeitskreis Strandbad« erarbeiteten Pläne sahen vor, seitlich am Sanitärgebäude eine neue Schranke und ein Tor anzubringen, das die Einfahrt zum Campingplatz bilden sollte. Den Zugang zum Strandbad mit einem neuen Kassenhäuschen wollte man auf die Höhe des Campingplatzes und Sani-tärgebäudes verlegen. Der bestehende Zaun sollte vom bisherigen Kassenhäuschen bis zur Campingplatzzufahrt verlängert werden, damit keine ungehinderten Zutritte erfolgen. Auch hier sollte ein Tor entstehen, das während des Badebetriebs geschlossen bleibt.

In der Vor- und Nachsaison sowie bei schlechtem Wetter während der Badesaison hätte dieses Tor aber geöffnet bleiben sollen, damit die Gäste zur Strandbad- Gaststätte fahren können. Damit wollte der Gemeinderat erreichen, dass die Wege für Gaststättenbesucher, Camper und Tourist-Info-Besucher sowie für Badegäste klar entzerrt werden und der Zugang zur Gaststätte auch für gehbehinderte Personen erleichtert wird.

Zweiter Bürgermeister Christoph Wamsler, der diese Februarsitzung in Vertretung für die erkrankte Ursula Haas leitete, monierte diese Vorgehensweise. Er beantragte, die Vergabe einer Gesamtplanung einem fachlich qualifizierten Planungsbüro zu erteilen, das für das gesamte Freizeitgelände am Tachinger See eine umfassende Konzeption entwickeln sollte. Wamslers Vorschlag, das Gelände professionell überplanen zu lassen, fand aber keine Mehrheit. So sollte es bei den eingangs genannten kleineren baulichen Veränderungen bleiben, die, wie es damals hieß, kostengünstiger sind.

Der Gemeinderat hatte bereits einen Arbeitskreis gebildet, der nach mehreren Treffen die genannte Lösung für die Zugangssituation fand, die dann im Februar auch beschlossen wurde. Neben der Bürgermeisterin gehörten dem Arbeitskreis vier Gemeinderäte an, die sich freiwillig meldeten: Josef Huber, Markus Poschner, Stefan Mayer und Christoph Wamsler. ca