Seltene Fledermäuse auf dem Dachboden von St. Petrus
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Foto: Pixabay/Symbolbild

Seltene Fledermäuse auf dem Dachboden von St. Petrus

Taching am See – Bei einer abendlichen Sichtung hat Beate Rutkowski, stellvertretende Landesvorsitzende vom Bund Naturschutz in Bayern, festgestellt, dass es sich bei den in der alten Kirche St. Petrus in Taching lebenden Fledermäusen um eine FFH-Art handelt, die laut Gesetz besonders schützenswert ist. Es handelt sich um das Große Mausohr – eine Art, die selten geworden ist.


Die Mausohren beziehen ihre Wochenstuben – das Quartier, in dem sich die trächtigen Weibchen zusammenfinden und ihre Jungtiere zur Welt bringen – auf Dachböden und sind dort frei hängend gut zu beobachten. »Da diese Fortpflanzungsstätten nicht gestört werden dürfen, ist auch die Beleuchtung des Kirchturms während der gesamten Fortpflanzungszeit, also von April bis September, verboten«, hieß es in der jüngsten Tachinger Gemeinderatssitzung. Es handle sich um eine langsam fliegende Art mit einer Aversion gegen Licht.

Von April bis September soll das Licht aus bleiben

Daher hatte Bürgermeisterin Stefanie Lang den Beschlussvorschlag erarbeiten lassen, die Kirchen in Taching in den Monaten April bis September künftig abends nicht mehr zu beleuchten. Diesen Vollzug des Naturschutzgesetzes wollte die Mehrheit im Gemeinderat aber nicht mittragen. Mit knapper Mehrheit wurde der Beschluss abgelehnt, sodass die Kirchen aus ästhetischen Gründen weiterhin täglich in den Abendstunden angestrahlt werden.

Brigitte Thaller plädierte für das Abschalten der Lichter. Unabhängig von der Fledermausart sei der Erhalt dunkler Bereiche besonders um die Einflüge zu Wochenstuben wichtig, da diese durchgehend während der kritischen Zeit der Trächtigkeit, Geburt und Laktationszeit genutzt werden. Gerade in der Dämmerung gebe es viele Insekten, die die Nahrungsgrundlage für Fledermäuse bilden. Wochenstuben seien auch Orte, wo Jungtiere fliegen lernen. »Vor allem die langsam fliegenden Arten unter den Fledermäusen, wie die Mausohren, meiden das Licht.« Deshalb solle man Kirchen mit Wochenstuben nicht anstrahlen.

Markus Krautenbacher verstand »die ganze Aufregung nicht«. Die Lichter für die Kirchenbeleuchtung habe man erst gekauft. »Es gehören konkrete Zahlen über die Population her.« Lang entgegnete: »Wir können gerne eine wissenschaftliche Studie in Auftrag geben«. Zweiter Bürgermeister Hans Steiner vermutete, dass die Fledermäuse das künstliche Licht schon lange als Quelle für den schnellen Imbiss entdeckt haben, weil es von besonders vielen Insekten umschwirrt sei. Allerdings steige der Fressdruck auf die Insekten, die stark auf den Staubsaugereffekt des Lichtes reagieren. Sie werden vermehrt gefressen und fehlen an anderen Bereichen des Ökosystems. Klaus Öllinger wunderte sich, dass es überhaupt noch Fledermäuse in den Kirchen gibt, zumal diese schon seit vielen Jahrzehnten angestrahlt werden. Er glaube, der allgemeine Rückgang von Insekten sei der Grund für die Verringerung der Fledermauspopulationen. Erich Koller meinte, die Kirche habe ein Recht darauf, ihre Gotteshäuser zu bestimmten Zeiten anzustrahlen.

Die Bürgermeisterin erinnerte an den Grundsatz »Bundesrecht bricht Landesrecht«. Das Bundesnaturschutzgesetz stehe über den Vereinbarungen, die auf Landesebene getroffen worden sind. Nicht alle Gemeinderäte zeigten dafür Verständnis. Mit einer Stimme Mehrheit wurde beschlossen, die Gotteshäuser im Gemeindegebiet bis auf Weiteres anzustrahlen.

Da der Gemeinderat aber das Einbeziehen der Kirchenverwaltung vermisste, soll dieser Tagesordnungspunkt zu einem späteren Zeitpunkt nochmals debattiert werden. Der Gemeinderat will also abwarten, was die Vertreter der örtlichen Kirche dazu sagen. ca