Bildtext einblenden
Anlässlich ihres Besuchs beim Auftakt der 150-Jahr-Feier der Feuerwehr Tengling trugen sich Ministerpräsident Markus Söder und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber im Festzelt ins Goldene Buch der Gemeinde Taching am See ein. Links Bürgermeisterin Stefanie Lang. (Foto: Effner)

Eierattacke auf Söder beim 150. Gründungsfest der FFW Tengling – Auftakt der Festtage mit Polit-Prominenz

Taching am See – Mit hochrangiger politischer Prominenz eröffnete die Freiwillige Feuerwehr Tengling ihre Festtage zum 150. Gründungsfest. Begleitet von Landrat Siegfried Walch und der Stimmkreisabgeordneten, Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, stattete auch Ministerpräsident Markus Söder dem Festauftakt mit Bieranstich einen Besuch ab. Die Begeisterung für den Regierungschef teilten aber ganz offensichtlich nicht alle Besucher. Nach einem Konzert mit Trillerpfeifen beim Einmarsch folgte bei der Rede Söders eine »Eierattacke«.


Festorganisatorin Magdalena Obermayer freute sich in ihrer Begrüßung über das große Engagement der Dorfgemeinschaft, ein großes Festprogramm auf die Füße gestellt zu haben. Die Vorplanungen reichten bereits in die Zeit vor Corona zurück. Sie erinnerte an Meilensteine der Wehr mit Gründung der Jugendfeuerwehr 1976, der Einbeziehung von Frauen im Jahr 2000 und der erst im vergangenen Jahr erfolgten Gründung der Kinderfeuerwehr. Die Feuerwehr Tengling gehöre damit zu den Vorreitern im Landkreis.

Landrat Siegfried Walch drückte seinen Respekt vor den Leistungen der FFW Tengling über 150 Jahre aus. Der starke Zusammenhalt in Friedens- wie in Krisenzeiten zeichne den Landkreis aus und habe den Bürgern Wohlstand beschert. »Wir sind eine Region, die auch in schwierigen Zeiten anpackt.« Angesichts von Zukunftssorgen und Ängsten sei ein verlässlicher Staat als Unterstützer und »Garant für nachhaltiges Handeln« wichtig. Die gegenwärtige Bedrohung der Energiesicherheit bedrücke die Bürger. Walch bat deshalb um Unterstützung der Staatsregierung »für eine energetische Nutzung der Salzach« zum Ausbau der Wasserkraftnutzung.

Das Thema Energiesicherheit trieb auch Ministerpräsident Söder um. Er hatte erst am Vormittag eine Gasverdichterstation im Umkreis von München besucht, um sich ein Bild der Lage zu machen. Der Ministerpräsident sprach sich dafür aus, »ideologische Barrieren« zu überwinden. Dafür gehöre für ihn auch, »sicheren bezahlbaren Strom für zehn Millionen Haushalte« aus Atomkraftwerken nicht abzuschalten. Bei den erneuerbaren Energien wolle »Bayern top werden«, setze dabei aber weniger auf Windkraft anstelle von Solarkraft, Geothermie und Wasserkraft. Deshalb greife er gern die Bitte von Landrat Walch um Prüfung eines Energieprojekts an der Salzach auf.

Söder ging auch auf Probleme Bayerns mit dem Bund durch die Gasversorgung über Österreich, den Ärger durch die Blockabfertigung an der Grenze, die richtige Strategie bei der Pandemiebekämpfung oder die Themen Tank-Rabatte und ÖPNV ein. Er sei für Gleichberechtigung, aber gegen die Auswüchse einer gendergerechten Sprache wie der Regierungschef an Beispielen (»Elternteil 1 und 2«) klarmachte. Mit dem Slogan »Fasten für den Frieden« sei keinem geholfen, sagte Söder und sprach sich mit einem Seitenhieb auf Vegetarismus für die Stärkung der Landwirtschaft und Fleisch aus Bayern aus. Mit Innovation und Heimatbewusstsein werde man die Zukunft meistern, gab er sich überzeugt.

Ganz offensichtlich stößt die Politik der Staatsregierung nicht überall auf ungeteilte Zustimmung. Das machten bereits beim Einmarsch von Ministerpräsident Markus Söder einige Besucher mit lautstarken Trillerpfeifkonzerten vor dem Festzelt deutlich. Noch direkter wurde ein Besucher, der Söder nach dessen Redebeginn im Zelt mit einem gezielten Eierwurf attackierte, aber nicht traf. Sicherheitskräfte »schirmten« den Regierungschef daraufhin sofort wortwörtlich mit durchsichtigem Regenschutz ab. Mitarbeiter einer Security-Firma und der Polizei verwiesen nach längerer Diskussion zwei Männer aus dem Festzelt, während draußen länger anhaltende Pfeifkonzerte weitergingen. Söder konterte die Attacke mit flapsigen Sprüchen (»Auch Querdenker sollten mal nachdenken«) und einer »Denksportaufgabe«: »Wer singt ist ein Sänger, wer schwimmt, ist ein Schwimmer. Was ist jemand, der pfeift?«.

Bildtext einblenden
Im wahrsten Sinne des Wortes »schirmten« Sicherheitskräfte den Ministerpräsidenten nach dem Eier-Wurf ab. (Foto: Effner)

Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber machte sich für mehr Wertschätzung für die Rolle der Frauen in der Gesellschaft stark. Engagierte Damen wie Bürgermeisterin Stefanie Lang und Festleiterin Magdalena Obermayer hätten nicht nur die Festorganisation in Tengling mustergültig auf den Weg gebracht. Gerade bei den Blaulichtorganisationen hielten Frauen in der Regel ihren Männern den Rücken frei, wie sie aus persönlicher Erfahrung wisse. Umso verwunderter zeigte sich Kaniber, dass ihr einige der Zuhörerinnen im Publikum demonstrativ den Rücken zuwandten. Mit großem Engagement strich die Ministerin die gute Zusammenarbeit mit Landrat Walch und Ministerpräsident Söder heraus.

Nach dem politischen Auftakt sorgte Bürgermeisterin Stefanie Lang mit mehreren beherzten Schlägen dafür, dass frischgezapftes Festbier den Durst der mehr als 500 Besucher stillen konnte. Dabei assistierten Bräu Maximilian Sailer vom Hofbräuhaus Traunstein mit seiner Mannschaft und Feuerwehrvorstand Matt-hias Leitner. Zum Abschluss trugen sich Söder und Kaniber noch ins Goldene Buch der Gemeinde ein.

Am heutigen Samstag werden die Feierlichkeiten zum 150. Gründungsfest der FFW Tengling mit einem großen Festabend mit der Musikkapelle Tengling fortgesetzt. Einlass ist um 18 Uhr. Aufstellung zum Kirchenzug ist am morgigen Sonntag um 9.30 Uhr, der Festgottesdienst beginnt um 10.30 Uhr, anschließend ist Festzug durchs Dorf.

eff