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Vor 20 Jahren 1,50 Mark in einen Rosenstock investiert

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Nur den richtigen Standort brauchte diese »Verlegenheitsrose«, die an einem anderen Standort fast eingegangen wäre. An der südwestlichen Ecke des Stalls wächst und gedeiht sie und erfreut Besitzer, Nachbarn und Passanten mit ihrer Pracht. (Foto: Hohler)
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1,50 Mark investierte Elfriede Mühlbacher aus Ettendorf vor etwa 20 Jahren in diesen prächtigen Rosenstock.

Surberg – 1,50 Mark hat Elfriede Mühlbacher vor etwa 20 Jahren investiert – in einen Rosenstock, der ihr und ihrem Mann bis heute jedes Jahr wieder Freude bereitet. Wo sie den Rosenstock seinerzeit gekauft hat, weiß sie heute gar nicht mehr. Und die Sorte wüsste sie selbst gern.


»Das war irgendwann nach dem Umbau, so 1997/98 rum«, erinnert sie sich. Damals investierte ihr Mann Johann Mühlbacher viel Geld in einen neuen Stall für seinen Landwirtschaftsbetrieb, den er bis vor fünf Jahren im Nebenerwerb bewirtschaftete. Hauptberuflich arbeitete er als Maurer, sie war 42 Jahre lang beim Landgerichts-Arzt beschäftigt.

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»Meine allerschönste Zeit im Jahr ist, wenn es wieder angeht mit den Blumen«, schwärmt Elfriede Mühlbacher, »wenn man's wachsen sieht.« Jetzt, im Frühsommer, »ist's wahnsinnig viel Arbeit«. Spätestens jeden zweiten Tag schneidet sie verblühte Blüten ab, damit die Pflanze immer in voller Pracht dasteht.

»Das möcht man halt so, das stört einen sonst«, erklärt sie. Und das nicht zuletzt, weil der Hof quasi »auf dem Präsentierteller« steht, und auch Nachbarn und Passanten einen schönen Anblick bieten soll. »Da musst schon dahinter sein, auch wenn mich vielleicht manche belächeln.«

Komplettiert wird dieser Anblick von zwölf rosafarbenen Rosenstöcken der Sorte »Heidetraum«. Dazwischen steht immer ein Steppensalbei, der Elfriede Mühlbacher besonders gut gefällt. »Der ist winterhart, das macht ihn auch noch praktisch. Und das macht so viel Spaß, den Hummeln zuzuschauen.« Ende April/Anfang Mai schneidet sie die kleinen Rosenstöcke um zwei Drittel zurück. Der Erfolg gibt ihr Recht, die Rosenstöcke sind über und über voller Blüten.

Am großen Rosenstock schneidet sie unten die abgestorbenen Äste zurück, ihr Mann macht das weiter oben mit Hilfe der Leiter. Er ist auch derjenige, die die Blumen gießt. »Der große Rosenstock ist sein ganzer Stolz«, erklärt Elfriede Mühlbacher, »ebenso wie der buschige am Stalleck hinten.«

»Verlegenheitsrose« fehlte nur der richtige Standort

Das war eher eine »Verlegenheitsrose«, erinnert sie sich. Denn sie war erst woanders eingepflanzt, »aber da ist sie nichts geworden.« Ihr Mann hatte die richtige Idee und pflanzte sie vor rund zehn Jahren an den jetzigen Standort, wo sie zum Dank wächst und gedeiht.

Auch Elfriede Mühlbacher kennt einige der Sorgen und Nöte, mit denen manche Rosenzüchter hin und wieder zu kämpfen haben. »Die rote kriegt immer wieder Rosenrost. Da werden die Blätter orange und fallen runter. »Das soll ja ansteckend sein«, sagt Elfriede Mühlbacher, »die Sporen werden mit dem Wind übertragen«. Deshalb entsorgt sie diese Blätter auch nicht am hofeigenen Misthaufen über den Pferdemist, sondern über den Hausmüll.

Und gegen Läuse schwört sie auf ein Hausmittel, eine Spritzlösung aus Wasser, Spülmittel und Spiritus, »das ist auch viel billiger als die Chemiekeule. Davon kostet eine Flasche 15 Euro und die hilft auch nicht besser.« Abgesehen davon mag sie die Chemiekeule grundsätzlich nicht so gern.

Und so bietet der »Schmied z' Ettendorf« einen wunderschönen Anblick, noch dazu, wo der Hof erst neu gestrichen wurde. Wann er genau erbaut wurde, ist wohl nirgends mehr herauszufinden, aber am Dachboden fand sich der Nachweis eines Umbaus im Jahr 1671. In mühevoller Kleinarbeit recherchierte Elfriede Mühlbacher in Archiven, Pfarrmatrikeln und Gesprächen die Geschichte des Hofes und schrieb sie auf – aus Liebe zu ihrem Mann und dem Hof, und auch aus Respekt vor den Altvorderen.

»Ich habe mich dabei sehr für die Lebensgeschichten der Bäuerinnen interessiert«, sagt sie. Sie selbst heiratete 1979 aus Bergen auf den Hof. »Und ich bin die erste Frau in seiner Geschichte, die keine Bäuerin mehr ist.«

In Leder gebundene Chronik des Hofes erstellt

1989, zehn Jahre nach der Hochzeit, schenkte sie die in Leder gebundene Chronik ihrem Mann. Darin enthalten sind alte Fotos, Postkarten, Pläne und andere Dokumente. Mit Füller und Tinte sind in Schönschrift die wichtigsten Daten, Namen und Geschichten aufgeschrieben – ein Werk, das jedem Museum zur Ehre gereichen würde.

Seit mindestens zehn Generationen ist der Hof der Chronik nach stets im Familienbesitz geblieben. Ein frommer Wunsch für die Zukunft ist es, dass das auch in den nächsten Generationen so bleibt. coho