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Die Surberger Frauen ließen es krachen

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Rustikal ging es zu in der Dorfklinik Surberg bei der Aufführung der Landfrauen beim Weiber- und Dirndlkranzl in Lauter. (Foto: Nachtlichtl)

Surberg – Auf eindringlichen Wunsch von der Schallinger Kathi, ihres Zeichens Vorsitzende des Katholischen Frauenvereins Surberg, unterbrach Faschingsberichterstatter »Nachtlichtl« ausnahmsweise sein seit einigen Jahren selbst auferlegtes Faschingsball-Enthaltsamkeitsgelübde, um über das Weiber- und Dirndlkranzl von Frauenverein, Landfrauen und Trachtenfrauen im Wirtshaus Lauter zu berichten. Dort wurde ihm von einer Kranzlbesucherin gleich eine Wärmflasche angeboten, die das »Nachtlichtl« dankend ablehnte, da ihm angesichts der geballte Wucht der Weiber und Dirndln auch ohne einer solchen ganz schön warm ums Herz wurde.


Die meisten von ihnen waren fantasievoll verkleidet gekommen, darunter arme Kirchenmäuse, Seefahrer aller Gewichtsklassen, heruntergekommene Himmelboten und emporgekommene Fegefeuerbefeuerer sowie allerlei lustige und dubiose Gestalten.

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Die Vorstandsmitglieder der veranstaltenden Gruppierungen, Kathi Schallinger und Heidi Lechner (Frauenverein), Heidi Eckart (Landfrauen) und Anita Greisberger (Trachtenfrauen) führten den Sketch »Der Morgen danach« auf, wobei natürlich mit dem »Danach« das Weiber- und Dirndlkranzl gemeint war, denn für das »Danach«, was womöglich einige Leser vermutet haben, ist der »Playboy« und nicht das Traunsteiner Tagblatt zuständig.

Sie mahnten mit ihrer Aufführung zum vor- bzw. umsichtigen Umgang mit alkoholischen Getränken, denn die dargestellten Personen waren nach dem Besuch des Weiber- und Dirndlkranzls noch am anderen Tag weitgehend desorientiert.

Um die im Sketch gezeigten Zustände präventiv zu unterbinden, hatte Wirtin Gabi Schnitzlbaumer im Übrigen eine Landpolizistin als Bedienung eingestellt, die den Alkoholkonsum im Blickfeld haben und einen möglich Alkoholabusus im Keim unterbinden sollte. Vermutlich kannte sie den Promillegehalt eines jeden servierten Getränks auswendig.

Um für den kommenden Feiermarathon kalorienmäßig gewappnet zu sein, hatten die Weiber und Dirndl für den Sturm auf das Küchen- und Tortenbuffet wieder fleißig, gehalt- und geschmackvoll gebacken. Zur – durch die flotte und für das gemischte Publikum maßgeschneiderte Musikmischung von »Scheibenjockey (DJ) Freddy« erzeugten – ausgelassenen Stimmung füllte sich die Tanzfläche sehr schnell, sodass dem »Nachtlichtl« für den DJ spontan der Titel des »großen« Freddy einfiel: »Junge, komm' bald wieder«.

Bezüglich des Besuchs konnte man frei nach dem Loriot-Sketch »Weihnachten bei den Hoppenstedts«, »Früher war mehr Lametta« feststellen »Früher waren mehr Närrinnen«. Was der überaus guten Stimmung keinen Abbruch tat. Nicht auf die Menge kommt es nämlich an, sondern auf die innere Einstellung. Außerdem wurde der Besuch im Laufe des Nachmittags zusehends besser. Zudem mussten einige Plätze freigehalten werden, denn am Abend durften auch die »Mander« draufgehen. Für nichtbayerische Leser der Hinweis: »dazukommen« und nicht etwa »das Zeitliche segnen«.

Bei ihrer Aufführung gaben die Landfrauen einen Einblick in die »Dorfklinik Surberg« als Beitrag zur flächendeckenden Gesundheitsversorgung auf dem Land. Notfallmäßig eingeliefert wurde ein Patient, der dehydriert und »alkoholunterversorgt« war. Die Infusion wurde frei nach dem Motto »Welches Flascherl hätten S' denn gern – Obstler oder Wodka?« angeschlossen. Die Blutabnahme fürs Labor war eine Rosskur, die selbst ein solches nicht überlebt hätte. Von der OP ganz zu schweigen. Da kann man nur sagen: »Oh, wie robusto, da vergeht dem Patient der ganze Gusto.«

Bei der wortlosen, aber mit viel Mimik vorgetragenen Aufführung »Im Kino« des Frauenvereins wurde gezeigt, was geschieht, wenn ein Liebespaar unglücklicherweise jeweils am anderen Ende der Reihe einen Platz bekommt und ihre Liebkosungen nur durch die »stille Post« über die anderen Kinobesucher austauschen kann. Als die Partnerin sich mit Zahnseide, Mundspray und Lippenstift für den finalen Kuss zurecht machte, nahmen die anderen Kinobesucher fluchtartig Reißaus. Das Liebespaar hatte die Reihe endlich für sich allein.

Eine gesangliche Einlage brachten die Trachtenfrauen auf die Bühne. Früh aufstehen, das Gewicht reduzieren, ins Fitnessstudio gehen oder den Mann am Hochzeitstag leicht bekleidet verwöhnen? Mitnichten! Die Trachtenfrauen sangen vielmehr (der Refrain auf bayrisch frei übersetzt): mir reicht's, dass ich weiß, dass ich's täte und ich's kann, wenn ich mag, aber ich mag nicht. Da kann man nur mitfühlend sagen: arme Trachtenmänner.

Selbige und die Männer der anderen Frauen durften am Abend dazukommen und im Idealfall die Zeche ihrer Frauen übernehmen. Für die richtige Faschingsgaudi sorgten die Faschingsgarde Grabenstätt, die Faschingsfreunde Blau-Weiss Kammer und die Veitsgroma Zunft Traunstein. Nachtlichtl


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