50 Palmbuschen am Balken

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Palmbuschen an Palmbuschen: Seit 1970 kommt bei Franz Krutzenbichler in Buchbichl jedes Jahr ein neuer hinzu. Inzwischen hat der 79-Jährige aus Surberg 51 Stück angesammelt. Foto: Bauer

Surberg – Er hat die Staffelei hergerichtet. Auch einen Strahler fürs richtige Licht. Schließlich sollen sie gut zu sehen sein auf dem Foto, die vielen Palmbuschen. Oben am Balken hängen sie, aneinandergereiht, kreuz und quer und doch mit System angeordnet. Den aktuellsten Buschen aus diesem Jahr in der Hand, steigt er hinauf auf die Leiter, dreht sich um und lächelt: »So müsste es gehen!«


Die einen sammeln alte Radios, Unmengen an Briefmarken oder brauen selber Bier. Franz Krutzenbichler ist 79 Jahre alt. Und seit 51 Jahren hebt er seine Palmbuschen auf. »Das wär doch auch was für die Zeitung«, hat ein Bekannter zu ihm gesagt, der den Aufruf nach »Besonderen Geschichten – Personen, Hobbys, Sammelleidenschaften, Aktionen« im Traunsteiner Tagblatt gelesen hat. Und so präsentiert der ehemalige Kraftfahrer nun seine Sammlung.

50 Palmbuschen hängen an den Dachbalken in Buchbichl. Angefangen hat Franz Krutzenbichler damit, als er mit seiner Frau Maria ins eigene Haus gezogen ist. 1970 war das. Den neuesten Palmbuschen bringt er immer im Flur vor der Haustür an. Die älteren befestigte er in den ersten Jahren im Dachboden des Hauses, später »wanderten« sie alle in den Anbau. »Mia ham‘s dabarmt zum Wegschmeißen.« Und dann ist einfach immer ein weiterer dazugekommen. Bis diese stattliche Sammlung entstand. Inzwischen bröseln einige der Palmbuschen schon von der Decke. Viele sind komplett vertrocknet und vergilbt. Und nicht jedes Familienmitglied hat Verständnis für diese Ansammlung, gesteht der 79-Jährige schmunzelnd. »Magst des Graffel nicht mal wegschmeißen«, sollen seine Töchter schon gefragt haben.

Aber Franz Krutzenbichler schaut sie gerne an und erinnert sich. Jedes Jahr hat er seine Palmbuschen selber gebunden. In manchen Jahren hat er die Stecken eingeschnitten und Muster reingeritzt. Manchmal hat er statt den Bändern Rinden benutzt, um die Drähte zu überdecken. Verwendet hat er stets Weiden und Buchs. Wobei der Buchs wohl künftig durch Zedern oder ein anderes Gewächs ersetzt werden muss. Der Buchsbaumzünsler lässt grüßen. Auch in Buchbichl.

Palmzweige haben bei Krutzenbichlers Tradition. Schon früher mit dem Bruder auf dem elterlichen Hof in Buchbichl, heute mit dem Neffen in Egerdach: Franz Krutzenbichler hat häufig mitgeholfen beim Schneiden der Weiden im Frühjahr. Für Ostern werden die Palmzweige dann verarbeitet und bündelweise verkauft. Sogar den Viktualienmarkt in München beliefert seine Familie. Die Nachfrage steigt, denn gerne holen sich die Menschen Palmkätzchen als Osterdeko ins Haus.

Für Franz Krutzenbichler sind sie mehr als das. Tief verwurzelt im katholischen Glauben sind die Palmbuschen für ihn Zeichen des Lebens und der Erinnerung an Christus. Und Schutzsymbol. Jedes Jahr lässt er seinen frisch gebundenen Palmbuschen beim Gottesdienst am Palmsonntag segnen, ehe er ihn zu Hause im Flur aufhängt. Der Vorgänger wandert dann zu den anderen in den Anbau.

Wie lange er das noch weitermacht? Der 79-jährige weiß es nicht. Immerhin sind sie jetzt einmal alle und er mit ihnen auf Fotos verewigt. Trittsicher steigt er wieder von seiner Staffelei, steckt den Strahler aus und hängt das 51. Exemplar zurück in den Flur. ka