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»Eine Ehre, zum 'alten Eisen' zu gehören«

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Hans Pertl wurde unter lautem Applaus der Gemeinderäte zum Altbürgermeister ernannt. Bürgermeisterin Martina Gaukler überreichte ihm die Urkunde. (Foto: T. Eder)

Staudach-Egerndach – In Anerkennung seiner großen Verdienste als langjähriger Rathauschef bekam Hans Pertl in einer außerordentlichen Gemeinderatssitzung im Gasthof »Mühlwinkl« die Würde des Altbürgermeisters verliehen. »Es ist mir eine Ehre, zum 'alten Eisen' zu gehören«, sagte Pertl.


Bürgermeisterin Martina Gaukler ging in ihrer Laudatio 35 Jahre zurück. Damals wurde Hans Pertl als Nachrücker in den Gemeinderat berufen. Im Protokoll der Sitzung vom 24. Juli 1985 wurde über seine Vereidigung berichtet. Es war die Zeit von Helmut Kohl und Ronald Reagan, im Fernsehen lief die erste Folge der Schwarzwaldklinik, Windows 1.1 wurde vorgestellt – und Autos wurden mit Katalysatoren ausgestattet.

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Den Gemeinderat in Staudach-Egerndach habe damals, so Gaukler, der Ortskanal beschäftigt. Er sollte 12,5 Kilometer lang werden, drei Pumpstation besitzen und 6,2 Millionen Mark kosten. Auch den Vorschlag, einen Maibaum aufzustellen, habe der Gemeinderat begrüßt. Das Feuerwehrhaus sei fertiggestellt worden. Und der Gasthof »Zur Mauth« habe eine Sperrzeitverkürzung beantragt, die nicht genehmigt worden sei. Ebenso ereignisreich seien dann auch die folgenden 17 Jahre im Gemeinderat unter Bürgermeister Karl Kaditzky gewesen.

2002 trat Hans Pertl als Bürgermeisterkandidat an – und die Bürger wählten ihn mit großer Mehrheit zum neuen Gemeindeoberhaupt. Damals hatten Gerhard Schröder und Vladimir Putin das Sagen in der Weltpolitik. Papst Johannes Paul war Oberhaupt der katholischen Kirche. Und Michael Schuhmacher wurde Formel 1-Weltmeister.

In Staudach-Egerndach erfolgte die Vereidigung von Hans Pertl als Bürgermeister. An seiner Seite stand Stellvertreterin Ria Pfeiffer.

Eines der wichtigsten Projekte zu Beginn seiner Amtszeit war die Anhebung der Brücke über die Tiroler Achen. 2008 folgte die Generalsanierung des Schulgebäudes mit Vollwärmeschutz. Die Parkbuchten an der Bahnhofstraße entstanden 2010. Ein Jahr später stellte die Gemeinde die Römerstele auf und erwarb das Grundstück für die Errichtung des Vereinsstadels, der dann 2013 gebaut wurde. Auch der Radweg zwischen Staudach-Egerndach und Bergen entstand in dieser Zeit.

Gut erinnern konnte sich Gaukler an das Hochwasser von 2013. Hans Pertl oblag damals das Krisenmanagement. Große Teile des Baugebiets Mauthner Feld standen unter Wasser. Nach dem Hochwasser wurden sofort die Planungen für die Hochwassermauer Mauthner Feld in Angriff genommen.

2014 begann die dritte Amtsperiode von Hans Pertl. »Ich wurde damals seine Vertretung«, sagte Martina Gaukler. Neben der Hochwasserschutzmauer erfolgte in diesem Jahr auch der Bau der Brücke über den Aipl-bach, Pertl übernahm die Schirmherrschaft für das Gautrachtenfest. Ein Jahrhundertprojekt sei der Fußweg Richtung Schnappenwinkl gewesen, den die Gemeinde 2016 realisiert habe, betonte Gaukler weiter. Die Gemeinde habe den Kindergarten modernisiert, die Außenanlagen neu gestaltet und einen Musikprobenraum eingerichtet. 2018 habe sich die Blaskapelle Staudach-Egerndach gegründet – womit ein Herzenswunsch von Pertl in Erfüllung gegangen sei.

Nach der Laudatio überreichte die Bürgermeisterin die Urkunde. »In Anerkennung der großen Verdienste als Gemeinderat und Bürgermeister verleihen wir die Würde des Altbürgermeisters«, sagte Martina Gaukler.

»Es ist mir eine Ehre, Altbürgermeister zu sein, auch wenn mir der Name nicht passt, da es nun hochoffiziell ist, dass ich zum 'alten Eisen' gehöre«, sagte Pertl. Er habe nie Dank und Anerkennung angestrebt. Was er für die Gemeinde getan habe, sei selbstverständlich gewesen.

Emotional bedankte sich Pertl bei seinen Weggefährten, die mit ihm 18 Jahre im Gemeinderat tätig waren. Alle hätten an einem Strang gezogen. »Bei uns zählt der Bürger«, betonte er. »Ich hatte Glück mit meinen zweiten Bürgermeisterinnen: mit Ria Pfeiffer, die mich zwölf Jahre gut vertrat, und auch mit Martina Gaukler, die mich die letzten sechs Jahre vertrat«, sagte er. »Ein Bürgermeister ist nur so gut wie sein Gemeinderat und die Verwaltung.«. Da wie dort habe die Zusammenarbeit geklappt.

Er erinnerte sich an die Hebung der Achenbrücke 2008. Die Gemeinde habe sich damals mit 130 000 Euro an der Maßnahme beteiligt – und er sei damals für die Ausgabe kritisiert worden. 2013 jedoch, als das Hochwasser kam, habe sich gezeigt, dass die Anhebung Schaden von Staudach-Egerndach abwenden kann. Zwei Bürger hätten sich daraufhin bei ihm für die Kritik entschuldigt.

Mit dem Versprechen, auch weiterhin das Gemeindegeschehen aufmerksam, aber auch kritisch zu verfolgen, beendete Pertl seine Rede. Ein Quintett aus der Staudach-Egerndacher Blaskapelle sowie die Hochgernmusi umrahmten die Gemeinderatssitzung musikalisch. tb