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Schwer und gefährlich war die Holzarbeit in früheren Zeiten. (Foto: Krammer)

Vinzenziverein Hammer feiert 70-jähriges Bestehen mit altem Handwerk, Musik und Brauchtum

Siegsdorf – Sein 70-jähriges Bestehen feierte der Vinzenziverein Hammer mit einem gemütlichen und unterhaltsamen Festtag im Kurpark in Hammer.


Mit einem festlichen Gottesdienst, umrahmt von der Musikkapelle Neukirchen, eröffnete Bruder Franz Maria aus dem Kloster Maria Eck am frühen Nachmittag den Festtag. Dabei gedachten die Vereinsmitglieder in den Fürbitten von Sepp Steinbacher besonders ihrer verstorbenen Vorgänger und baten weiterhin um Zusammenhalt und gute Gemeinschaft. Bruder Franz erinnerte vor einem wunderschönen Holzkreuz als Altarschmuck an den Spruch »Einigkeit und Recht wird gepflegt von Bauer und Holzknecht«, den die Holzknechte vor 70 Jahren auf die Fahne des Vereins hatten sticken lassen. Er habe damals wie heute große Bedeutung. Rund um den Altar vor dem in Holzbauweise errichteten Kulturstadl waren die Fahnen der Hammerer Feuerwehr und des GTEV Hammer sowie der Gäste vom Vinzenziverein Ruhpolding und der Trachtenvereine Heutau und Neukirchen neben der Fahne des Jubiläumsvereins angeordnet.

Zu schmissigen Melodien der Musikkapelle ließen sich dann die zahlreichen Gäste an den vorbereiteten Tischen nieder und genossen die ausgezeichnete Bewirtung der Vereinsmitglieder und ihrer Helfer. Während dann die »6-Egg-Musi« aus Waging für schwungvolle Unterhaltung auf der großen Bühne im Kurpark sorgte, zeigten die Buam des Trachtenvereins »D´Sulzberger Hammer« den »Original-Holzhacker-Plattler« und die Hammerer Goaßl-schnalzer schwangen ihre Goaßln über den Köpfen ihrer meist fachkundigen Gäste.

Rund um den neuen Kulturstadl hatten die »Holzknechte« zum Thema »Holzarbeiten früher und heute« allerhand aufgeboten. Sepp Steinbacher erklärte den interessierten Besuchern dazu die wichtigsten Details und unterhielt sie mit humorvollen Geschichten rund um das Thema »Holz und Handwerk«. So konnten die Besucher einen Motorsägen-Schnitzer ebenso bei der Arbeit beobachten, wie das Spalten und Zurichten von Holzschindeln. Und sie konnten auch ein auf dem offenen Feuer frisch zubereiteten »Holzknecht-Muas« probieren. Aktive Waldfacharbeiter versuchten sich wie früher in alten Techniken beim Beladen eines Holzschlittens und wurden dabei von »erfahrenen Fachleuten« bestens beraten. Zudem konnte man sich paarweise an der »Wiagn-Sag« versuchen und in »Rekordzeit« ein Stück eines Baumstammes absägen, was nicht nur den Kindern größten Spaß bereitete, sondern auch die vielen Beobachter zu lauten Anfeuerungsrufen animierte. Einige junge Buam hatten unter Anleitung von Vorstand Georg Dufter aus einer mächtigen Tanne eine Brun-nen gefertigt und an der dazugehörigen Brunnensäule wurde noch fleißig gearbeitet. Besonderes Interesse fand das Bohren von Baumstämmen, wie es viele Jahrhunderte auf dem Gelände des jetzigen Hammerer Kurparks für die Fertigung der Rohre der Soleleitung von Reichenhall nach Traun-stein praktiziert wurde.

Auch als gegen 18 Uhr ein heftiger Regenschauer einsetzte, ließen sich die Veranstalter und ihre Gäste nicht entmutigen. Die Tische und Bänke waren schnell getrocknet und während die »Viaschupf-Musi« aus Hammer ihre Waginger Kollegen ablöste und zum Tanzen einlud, nahm das Jubiläumsfest wieder Fahrt auf.

Ein gemeinsamer Plattler und der »Steirer-Tanz« der aktiven Dirndln und Buam sorgten für Abwechslung – und der angenehm warme Sommerabend tat sein Übriges, um das 70-jährige Bestehen des Vinzivereins Hammer in gemütlicher und unterhaltsamer Weise ausklingen zu lassen.

FK

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