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Verdichtete Bebauung in der Ortsmitte?

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Ein »Teamplayer mit konkreten Vorstellungen und Durchsetzungsvermögen« geht in den Ruhestand: Bauamtsleiter Franz Hell, der seit gut 20 Jahren für die Gemeinde tätig war.

Siegsdorf – Die Firma Livable Home GmbH aus Rosenheim hatte in einer nichtöffentlichen Sitzung des Gemeinderats Anfang Juli ein Wohnprojekt vorgestellt, das auf einem Grundstück an der Sonnenstraße im Ortskern von Siegsdorf seinen Platz finden würde.


Vorgesehen ist dabei eine »verdichtete Bebauung« mit 14 Fertighäusern in Holzbauweise auf einer Fläche von rund 5300 Quadratmetern. Die Fraktionen waren aufgefordert, sich mit der städtebaulichen Verträglichkeit eines solchen Projekts auseinanderzusetzen, um grundsätzlich über eine eventuelle Bebauungsplanänderung entscheiden zu können. Über diese wurde nun in öffentlicher Sitzung diskutiert.

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»Passt so etwas zu uns?«

Aus persönlichen Gründen wurde Gemeinderat Mathias Landler von der Beschlussfassung und der Diskussion ausgeschlossen, die Bürgermeister Thomas Kamm mit einigen grundsätzlichen Gedanken zum Thema eröffnete. Das Landesentwicklungsprogramm (LEP) gibt zur Verhinderung des viel beklagten Flächenverbrauchs klare Vorgaben zu einer verdichteten Bebauung in den Zentren, ein Geschoßflächenbau wäre an dieser Stelle aber aufgrund der umgebenden Bebauung eher ungeeignet, resümierte Kamm und verwies auf die rückgehende Bereitschaft vieler Grundstücksbesitzer zum Verkauf von Flächen aus steuerlichen Gesichtspunkten.

In der kontroversen, aber sehr sachlich geführten Diskussion meldeten sich fast alle Ratsmitglieder zu Wort, die meisten Bedenken gab es zu den Themen »Nachbarschaft auf engstem Raum, zur Mietdauer von »nur« 40 Jahren für die Grundstücke und zur Stellplatz- und Winterdienstproblematik bei engster Bebauung ohne Kellerräume. Die städtebaulichen Belange blieben dabei etwas im Hintergrund, so dass Bürgermeister Kamm schließlich die Diskussion abschloss und ein abschließendes Resümee zog. Ein solcher Bebauungsplan würde sich signifikant von derzeit gültigen Plänen für Wohngebiete unterscheiden und könnte daher mögliche Bezugsfälle aufwerfen. Offen sei auch die Frage, was mit den Grundstücken nach Ablauf der Mietzeit passiere, insbesondere, wenn sich die Eigentümer dabei nicht einig wären.

Mit der Frage »Passt so etwas zu uns und ist das auch für Einheimische ein passendes Modell?« wollen sich die Räte in einer nächsten Sitzung befassen. Helfen soll bei der Entscheidung auch eine Musterhausbesichtigung in der Sommerpause. Dann können sich die Ratsmitglieder ein weiteres Urteil bilden, eine Beschlussfassung für eine mögliche Bebauungsplanänderung wurde auf die nächste Sitzung am 17. September vertagt.

Bauamtsleiter Franz Hell, der seit gut 20 Jahren für die Gemeinde tätig war, wurde in der jüngsten Sitzung in den verdienten Ruhestand verabschiedet. Bürgermeister Kamm verwies auf eine »Zusammenarbeit, die Freude gemacht hat« und würdigte das Wirken des »Teamplayers mit konkreten Vorstellungen und Durchsetzungsvermögen«, der seit 1.4.1998 im Bauamt tätig war. Er wünschte ihm unter dem Beifall des Gremiums alles Gute und die notwendige Gesundheit für den Ruhestand und dankte im Namen der gesamten Gemeinde für seinen Einsatz und die Weitergabe seines umfangreichen Wissens über die historischen Grundlagen des gemeindlichen Wasser- und Abwassersystems an seinen Nachfolger.

Breites 1982 kam er mit Gemeinde in Berührung

Franz Hell freute sich über das Lob und blickte in einem kurzen Resümee auf seine 48 Berufsjahre zurück. Bereits im Jahr 1982 kam er erstmals durch seine damalige Tätigkeit bei Bestandsaufnahmen im Kanalnetz mit der Gemeinde Siegsdorf in Berührung und war dann 16 Jahre verantwortlicher Planer und Bauleiter bei den umfangreichen Arbeiten zur Erneuerung der Wasserleitungen und der Erweiterung des Kanalnetzes in der Großgemeinde Siegsdorf. »Auch wenn mich manche als Sturschädel bezeichnen, mein gesamtes Handeln und Tun war immer zum Wohl der Gemeinde ausgerichtet,« betonte Hell. Abschließend bedankte er sich für das Vertrauen des Gemeinderats bei vielen weitreichenden Entscheidungen. FK