Siegsdorf soll »Fairtrade-Town« werden

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Der Gemeinderat Siegsdorf »Fairtrade-Town« beschließt Teilnahme an Kampagne und will »regionalen Einkauf« fördern. Foto: Krammer

Siegsdorf – Der Gemeinderat befürwortete einen Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen auf Bewerbung der Gemeinde für das Siegel »Fairtrade-Town«, der auch bereits im Hauptausschuss vorbehandelt worden war. Nach ausgiebiger Debatte entschied sich das Gremium einstimmig dafür, an der Kampagne teilzunehmen und den Titel »Fairtrade-Town« anzustreben.


Bei allen Sitzungen des Gemeinderats und der Ausschüsse werden, wie bereits schon praktiziert, Fairtrade-Kaffee und soweit möglich auch andere fair gehandelte Produkte (Tee, Zucker, usw.) verwendet. Wo es allerdings möglich ist, regionale Produkte zu erhalten, werden diese bevorzugt eingesetzt. Die Organisation und Bildung einer »Steuerungsgruppe« übernimmt die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und wird dabei von der Verwaltung beraten und bei der Antragstellung unterstützt.

Im Hauptausschuss hatte die Referentin für Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Tittmoning, Gerda Poschmann-Reichenau, über ihre Erfahrungen berichtet. Die verschiedenen auf dem Markt verwendeten Fairtrade-Siegel kennzeichnen Güter, Waren, Unternehmen oder Organisationen, die ganz oder teilweise aus einem nach festgesetzten Kriterien definierten Handel stammen. Ziel ist dabei, vorher festgeschriebene Standards von sozialen und/oder ökologischen Kriterien einzuhalten, um den »fairen Handel« zu fördern und Konsumenten bei ihrer Einkaufsentscheidung zu unterstützen. Die Siegel geben Informationen über die Qualität der Produkte.

Bürgermeister Thomas Kamm eröffnete die Aussprache dazu mit dem Hinweis auf viele Siegsdorfer Betriebe, die entsprechende Artikel im Angebot haben und verwies darauf, dass auch die Anbieter von regionalen Produkten unter den Begriff »Fairtrade« einzuordnen seien. Martin Hunglinger (UW) zeigte sich zwar als Befürworter aber dennoch grundsätzlich kritisch, weil nach seinen Informationen oft die Lizenzen für die Produzenten unbezahlbar seien und vielfach die Kennzeichnung irreführend sei. »Wie soll ein Siegel den Handel global beeinflussen können, wenn es nicht einmal bei den heimischen Landwirten richtig funktioniert«, fragte er und schlug ergänzend zum »Fairtrade« auch die »Gentechnikfreie Gemeinde« vor. Man könnte mit dem regionalen Siegel die eigene Bevölkerung besser mitnehmen und das Zertifikat dann auch touristisch verwerten.

Dem schloss sich Christina Haas (CSU) uneingeschränkt an, die im eigenen Betrieb feststellt: »Nicht einmal regionaler Einkauf ist bei den Menschen richtig angekommen, wir sollten versuchen die Bevölkerung in den Orten mit besserer Organisation und Werbung aufklären und mitnehmen«. Dr. Christian Gerhard (BfS) sah die Steuerungsgruppe als wichtiges Bindeglied in den Antragsbedingungen, forderte aber auch: »Nur 'Fairtrade' ist zu wenig – Regionalität und Nachhaltigkeit sollten Vorrang haben.«

Bürgermeister Kamm ging noch einmal auf den Vorschlag »Gentechnikfreie Gemeinde« ein, der nach seiner Meinung mit wenig Aufwand umzusetzen sei. »Wir haben 2009 bei einer großen Veranstaltung bereits viele Grundlagen geschaffen, sie müssten nur aktualisiert und überarbeitet werden«. Auch Stephanie Buchner (UW), Willi Geistanger und Gerhard Gimpl (Grüne) und Rainer Klapfenberger (SPD) sahen »Fairtrade« als Unterstützung der Dritten Welt durchaus sinnvoll, legten den Schwerpunkt aber auch auf Aufklärung und Information besonders im Hinblick auf »Regionales Fairtrade«. Amtsleiter Haslinger verwies darauf, dass es sich bei »Fairtrade« um Produkte handelt, die nicht regional erzeugt werden könnten. Die Gemeindeverwaltung hinterfrage aber seit langem alle Einkäufe auf Nachhaltigkeit, Regionalität und Fairtrade.

FK

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