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Foto: Rathaus Siegsdorf

Siegsdorf möchte Fairtrade-Gemeinde werden

Siegsdorf – In seiner November-Sitzung 2021 hatte der Gemeinderat beschlossen, Siegsdorf soll sich für das Siegel »Fairtrade-Town« bewerben und hatte mit der Umsetzung die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen beauftragt. Zum ersten öffentlichen Informationsabend zu diesem Thema konnte nun Moderator Willi Geistanger neben einigen Dutzend interessierten Bürgern die Referenten begrüßen. 


Siegsdorfs Bürgermeister Thomas Kamm stellte die Grundzüge des einstimmigen Gemeinderatsauftrags vor. Die Zielsetzung ist, nicht nur den globalen Handel mit Fairtrade-Produkten im Blick zu haben, sondern auch den regionalen Handel und die heimische, regionale Landwirtschaft in den Blickpunkt zu stellen.

Sandra Mulzer, die »Eine Welt-Promoterin« der Region Oberbayern/Südost mit den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgaden, Altötting und Miesbach stellte als Grundlage der Arbeit die Vereinbarkeit von »Fair« und »Bio« im Interesse von Mensch und Natur heraus. 14 der 140 Gemeinden des Gebiets sind bereits »Fairtrade-Towns«, allerdings würden immer noch weniger als ein Prozent der Lebensmittel in Deutschland fair gehandelt, sagte Mulzer. »Global denken, lokal handeln« wäre die effektivste Methode, um die in der Agenda 2023 vereinbarten 17 Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

Abschließend stellte sie den Teilnehmern die fünf Kriterien zur Erreichung des Siegels vor. Nach dem bereits erfolgten Gemeinderatsbeschluss muss eine »Steuerungsgruppe« mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Bürgern gegründet werden, eine gewisse Anzahl von Fairtrade-Produkten sollte im Handel des Orts im Sortiment sein und auch in Schulen, Vereinen und Glaubensgemeinschaften angeboten werden. Auch die Medienberichterstattung und eine öffentliche Veranstaltung zum Thema sind Voraussetzung.

Der Verband »Naturland Fair« ist seit mehr als 40 Jahren eine internationale Vereinigung für ökologischen Landbau mit Mitgliedern in weltweit über 60 Ländern. Die 140.000 Mitglieder, davon circa 4000 aus Deutschland, sind zum größten Teil Landwirte, Imker oder Fischwirte, stellte Andrea Bergmeister das Fundament ihres Verbands vor. Sie hob als Grundverständnis der Mitglieder die bäuerliche Landwirtschaft als Zukunftsprojekt heraus, um mit sozialer Verantwortung und fairem Handel den vorwiegend kleinen und mittleren Betrieben mit vielfältigen Agrarstrukturen weltweit eine Chance und sichere Existenzen zu geben. Anhand der Verbandsrichtlinien von »Naturland Fair« ging sie auf Vorteile für Erzeuger ein. Als positives Beispiel stellte Bergmeister die Milchwerke Berchtesgadener Land vor, die als wichtiger Arbeitgeber dank des fairen Systems mit überdurchschnittlich hohen Milchpreisen die Existenz vieler kleiner Betriebe in der Region sichern würden.

Nachdem der Traunsteiner Stadtrat Thomas Stadler die einzelnen Schritte auf dem Weg zur Fairtrade-Gemeinde noch einmal aus der Sicht der Stadt Traunstein, selbst »Fairtrade-Town« seit 2019, erläutert hatte, stellten Maxi Kurz und Safet Hiseni die beiden Siegsdorfer Edeka-Märkte vor. Nach ihrer Erfahrung ist den Siegsdorfer Kunden vor allem Regionalität ein wichtiges Anliegen. Für viele Kunden sei die Vielzahl der Logos und Siegel mittlerweile aber sehr verwirrend. Nachdenklich und betroffen sind die Mitarbeiter aber vor allem über die Tatsache, dass die Diebstahlrate von Lebensmitteln ansteige und es sich vermehrt um ältere Kunden von über 60 bis 70 Jahren handeln würde, was für deren sich verschlechternde, wirtschaftliche Lage spreche.

In der anschließenden Diskussion hob Gemeinderätin und Bäuerin Christina Haas besonders die Notwendigkeit hervor, bereits Kindern und Jugendlichen die Bedeutung der regionalen Erzeugung für die Gesellschaft und eine nachhaltige Zukunft zu vermitteln. Das bekräftigte auch Imkervorstand Wolfgang Lewald. Er forderte vermehrte Öffentlichkeitsarbeit für die Wertschätzung der bäuerlichen Landwirtschaft sowie Ursprungserzeugung und betonte: »Die Regionalität muss bei allem wirtschaftlichen Handeln oberstes Ziel sein«.

Als nächster Schritt steht laut Gemeinderat Willi Geistanger nun die Bildung der Steuerungsgruppe auf der Agenda, die für Dienstag, 5. Juli, im Sitzungssaal des Rathauses anberaumt ist. Interessenten für die Mitar-beit in der Steuerungsgruppe werden noch gesucht.

FK

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