weather-image
24°

Ortskerngestaltung war das beherrschende Thema

5.0
5.0
Bildtext einblenden
So stellt sich der Siegsdorfer Gewerbeverbund die Gestaltung des Dorfplatzes vor.

Siegsdorf – Bei der Jahreshauptversammlung des Siegsdorfer Gewerbeverbunds war das beherrschende Thema die Ortskerngestaltung. Vorsitzender Dr. Jürgen Leikert nutzte die Gelegenheit, das alternative Konzept des Gewerbeverbunds darzustellen.


Zunächst berichtete Leikert, dass dem Gewerbeverbund im vergangenen Jahr sieben neue Mitglieder beigetreten sind. Der Verbund zählt nun 70 Mitgliedsfirmen. Weiter meinte Leikert, man könne wieder auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurückblicken. Er nannte den verkaufsoffenen Sonntag, die Blumentrogaktion mit dem Bauhof und die Aktionsnacht mit weit über 5000 Besuchern, die in guter Zusammenarbeit mit der Touristinfo organisiert wurde. Teilgenommen hatte man auch wieder an der Lichternacht. Ebenso erfolgreich sah Leikert die Adventshütte sowie die vom Gewerbeverbund initiierte Tempo-30-Umfrage.

Anzeige

Kassier Christian Pfefferkorn vermeldete ein Guthaben in der Kasse und nutzte seinen Kassenbericht zu einem Appell an die zahlreichen Gemeindevertreter. Der Gewerbeverbund würde unheimlich viel für Siegsdorf auf die Beine stellen und für einen großen Teil des Dorfmarketings verantwortlich sein – mit einem unglaublich kleinen Budget. Er regte daher Überlegungen über eine jährliche, für das Dorfmarketing zweckgebundene Bezuschussung bei den Entscheidungsträgern in der Gemeinde Siegsdorf an, wie sie in anderen Gemeinden längst üblich sei.

Dann leitete Vorsitzender Leikert zum Kernthema über: die Neugestaltung und Entwicklung des Siegsdorfer Ortskerns. Leikert bedauerte sehr, dass man in dieser Sache noch keine gemeinsame Sichtweise mit der Gemeinde erzielen konnte. Er betonte, dass man den Gewerbeverbund nicht als »Quertreiber« sehen sollte. Der eigens im Gewerbeverbund gegründete und sehr engagierte »Arbeitskreis Ortskerngestaltung« bemühe sich um ein bestmögliches Gestaltungs- und Bebauungskonzept für die Ortsmitte, das vor allem die Bürger, deren Bedürfnisse und Wünsche in den Mittelpunkt stelle, erklärte Leikert. Ein attraktiver und lebendiger Ortskern sei sehr wichtig: Bürger würden sich mit einem vorzeigbaren Ort bzw. Ortszentrum identifizieren, Betriebe würden leichter Arbeitnehmer finden in einem schönen Ort, unter anderem mit ansprechender und leistungsstarker Nahversorgung.

Drogeriemarkt stieße auf große Akzeptanz

Ein Drogeriemarkt mitten im Ort könnte für eine besondere Belebung des Ortes sorgen, zeigte sich Leikert sicher. Er berichtete, dass der Gewerbeverbund deshalb mit zwei Drogeriemärkten Kontakt aufgenommen hat, die auch beide großes Interesse an einer Filiale in Siegsdorf zeigten. Parallel dazu habe der Gewerbeverbund eine Umfrage organisiert, ob ein Drogeriemarkt in der Bevölkerung auf Akzeptanz stoßen würde. Dabei sprachen sich etwa 85 Prozent der Abstimmenden dafür aus, informierte Leikert. Er verwies auch darauf, dass die Siegsdorfer CSU im Februar eine ähnliche Umfrage mit ähnlich deutlichem Ergebnis für einen Drogeriemarkt vornahm. Leikert schlussfolgerte, dass sich eine große Mehrheit der Siegsdorfer Bürger offensichtlich einen Drogeriemarkt wünsche.

Der Gewerbeverbund sehe den Bebauungsplan Rupoldinger Straße als einmalige Chance, in Siegsdorf eine attraktive neue Mitte unter anderem mit einem multifunktionellen, einladenden Bürgerplatz zu gestalten, so der Vorsitzende weiter. Leider gebe es bisher von Gemeindeseite lediglich einen einzigen Planungsvorschlag für das fast 20 000 Quadratmeter zu überplanende Gelände. Unverständnis und Enttäuschung herrsche laut Leikert im Gewerbeverbund, dass Bürgermeister Thomas Kamm, Gemeinderat geäußert habe, er sehe keine Notwendigkeit, weitere Planungsvorschläge in Auftrag zu geben. Der Vorsitzende gab zu bedenken: »Eine gute und für die nächsten 50 Jahre bestehende Ortskernentwicklung auf einem so großen Areal braucht mehrere Planungsvorschläge von mehreren Büros, die mit ihrem Fachwissen die Wünsche der Bürger und der Gemeinde umsetzen.« Auch die Wünsche der Bürger seien laut Leikert bei dem von der Gemeinde erstellten Konzept nicht ausreichend abgefragt. So hätte in einem Bürgerworkshop lediglich über die Nutzung eines vorgelegten Bebauungsplanentwurfes diskutiert, nicht aber neue Ideen eingebracht werden dürfen.

Alternativkonzept von zwei lokalen Architekten

Daraufhin sah sich der Gewerbeverbund Siegsdorf und seinen Bürgern gegenüber verpflichtet, selbst aktiv zu werden, so Leikert. Es wurde ein »Arbeitskreis Ortskerngestaltung« gegründet mit dem Ziel, mit Hilfe von zwei lokalen Architekten ein alternatives Konzept für eine neue attraktive Mitte zu erarbeiten. Dieses Konzept wurde auf der Jahreshauptversammlung auch vorgestellt. Es sieht einen großzügigen, multifunktionellen und zentralen Dorfplatz mit hoher Aufenthaltsqualität und mit einer Sichtachse von der Ruhpoldinger Straße bis zum Bahnhof vor. Es weise deutlich mehr innovativ im Gesamtkonzept integrierte ober- und unterirdische Parkplätze als die Planungsvariante der Gemeinde auf, sagte Leikert. Darüber hinaus biete das Konzept des Gewerbeverbunds ausreichend Platz für viele zentrumsnahe Wohnungen, soziale Zwecke, mehr Einzelhandel, Gewerbe, mehr Platz für Fußgänger und auch einen möglichen Drogeriemarkt. Auch die Rückstaus auf der Ruhpoldinger Straße würden mit dem neuen Konzept gebessert. Ebenso würde eine Fußgängerverbindung über die Bahn im Bereich südlich des Bahnhofs vorgeschlagen, erläuterte Leikert.

Die Mitglieder zeigten sich von dem alternativen Planungskonzept beeindruckt. Sie waren sich einig, dass dieses Konzept eine große Aufwertung für Siegsdorf bedeuten könnte. Auch die Gemeinderäte Matthias Landler, Josef Bauer und Christian Gerhart lobten die Initiative, die neuen Ideen und das Konzept des Gewerbeverbunds. Gemeinderat Peter Mayer sah dagegen keinen Unterschied zum Gemeindekonzept. Einzelne Wortmeldungen vermissten im vorgestellten Konzept eine Anbindung der neuen Dorfmitte an den Kardinal-von-Faulhaber-Platz und eine Lösung für das grundsätzliche Verkehrsproblem. Die Planer relativierten, dass das Konzept der Gemeinde zu diesen Themen leider auch keinerlei Lösungen aufzeige. Bürgermeister Thomas Kamm war mit den Gemeinsamkeiten des Modells zum Gemeindemodell zufrieden. Zu den großen Unterschieden, gerade in Hinsicht auf die sehr viel ausgeprägtere Bürgerfreundlichkeit des alternativen Konzeptes, wollte er sich nicht äußern.

Planer und Gewerbeverbund hoffen nun auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Gemeinde im weiteren Verlauf. Man habe immer das Ziel, das Beste für Siegsdorf zu erreichen, so Leikert. fb

Mehr aus Siegsdorf