»Mensch Lehrer«: Siegsdorfer Grundschullehrer blickt mit Podcast hinter die Kulissen des Schullebens

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»Momentan ist es für mich ein zeitintensives, aber sehr schönes Hobby«, sagt Axel Felser über seine Podcasts.

Siegsdorf – Man kennt es: Im Arbeitsalltag findet sich nur selten die Gelegenheit, sich mit Kolleginnen und Kollegen tiefer auszutauschen und ihre Ziele und Wünsche über das Tagesgeschäft hinaus kennenzulernen. Auch bei Lehrern geht es oft vor allem um die nächste Stunde oder Vertretungspläne, um Notenspiegel oder Arbeitsblätter. Darüber hat sich auch der Siegsdorfer Grundschullehrer Dr. Axel Felser (31) Gedanken gemacht. Immer öfter ist ihm aufgefallen, wie viele interessante Menschen um ihn herum arbeiten, er dabei aber nicht wirklich wusste: Was treibt sie an? Welche Botschaften wollen sie den Kindern vermitteln? Welche Werte und Ideale haben sie und wie wirken sich diese auf ihre (Lehrer)-Persönlichkeit aus?


So entstand die Idee für den Podcast »Mensch Lehrer«, in dem Axel Felser Lehrkräfte, Schulpsychologen, Sozialarbeiter und andere Akteure im Rahmen der Schule ausführlich zu Wort kommen lässt. »Ich will nicht im Schulalltag stehenbleiben, sondern die Charaktere dahinter kennenlernen«, erklärt der 31-Jährige. »Mich begeistern Kollegen, die ihrem Beruf mit Leidenschaft nachgehen.« Drei Folgen sind schon auf allen gängigen Podcast-Plattformen abrufbar, eine neue erscheint jeden zweiten Donnerstag.

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Axel Felser kommt ursprünglich aus Lauf an der Pegnitz, hat in Regensburg studiert und promoviert und ist nun seit September Lehrer an der Grundschule in Siegsdorf. Seine Freude am Beibringen und Erklären hat er schon als junger Erwachsener in der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit entdeckt. »Ich bin gerne gemeinsam mit Kindern neugierig. Lehrer an einer Grundschule zu sein, gefällt mir besonders gut – nicht nur wegen der Breite an Fächern, sondern weil hier der Lehrer als Mensch für die Kinder noch viel mehr im Mittelpunkt steht.«

Mit seinem Podcast will Axel Felser den »Mensch Lehrer« auch für Erwachsene ins Rampenlicht rücken und ganz genau kennenlernen. Da er selbst gerne Interview-Podcasts hört, kam ihm vergangenen Dezember die Idee, es doch einfach selbst einmal auszuprobieren: »Von der Technik hatte ich keine Ahnung, aber ich habe mich einfach getraut und losgelegt.« Felser kaufte sich eine erste Grundausrüstung und brachte sich das Nötigste selbst mit Hilfe von YouTube-Videos bei.

Nach Aufnahme der ersten Podcast-Folge, die er per Mail an Freunde und Bekannte verschickte, waren die Rückmeldungen durchwegs positiv, sodass er sich traute, sein Projekt zu veröffentlichen und weitere Folgen zu produzieren. Für Interview, Bearbeitung und Schnitt braucht er etwa fünf bis sechs Stunden; der fertige Podcast dauert dann gute dreißig Minuten. »Momentan ist es für mich ein zeitintensives, aber sehr schönes Hobby«, sagt Felser, der schon über 150 Abonnenten für sich gewinnen konnte. Auch ein zweiter Podcast namens »Philosophieren mit Kindern« steht in den Startlöchern und soll im Lauf des Sommers realisiert werden. Hier möchte der Pädagoge aufzeigen, wie man mit Kindern auch über die Schule hinaus – in der Familie oder in der Jugendarbeit – über philosophische Fragen diskutieren kann.

Seine Gesprächspartner kommen bislang aus seinem Freundes- und Bekanntenkreis und »reichen« auch noch für einige weitere Folgen. Felser hat schon Ideen für zukünftige Episoden und wen er dazu einladen möchte. »Interessant finde ich zum Beispiel Lehrerinnen und Lehrer, die soziale Netzwerke nutzen, um ihre Unterrichtsmaterialien anzureichern und zu verbreiten«, so der 31-Jährige.

Generell drehen sich seine Gespräche im Podcast unter anderem um besondere Formen des Unterrichts, die Bedeutung der Schule oder den Umgang mit Eltern. Das Thema Corona taucht teilweise am Rande auf, steht jedoch bewusst nicht im Fokus. Für Axel Felser ist es dennoch ein spannendes Thema: »Der Schulalltag hat sich stark verändert und die aktuelle Situation ist für die Kinder genauso emotional anstrengend wie für die Erwachsenen.« Felser kann dem Ganzen aber auch etwas Positives abgewinnen: »Die Schüler lernen trotz allem unglaublich viel dazu. Sie sind mittlerweile viel selbstständiger und verfügen über eine enorme digitale Kompetenz. Ich konnte mit neun Jahren noch keine Videokonferenz abhalten oder mit meinem Lehrer chatten.«

Auf die Frage, was er bisher aus seinen Podcast-Episoden für sich persönlich lernen konnte, antwortet Axel Felser, dass er vor allem beeindruckt davon sei, wie seine Gesprächspartner das selbe Themengebiet rund um Schule, Kinder und Unterricht auf unterschiedlichste Weise wahrnehmen. »Es ist sehr bereichernd, nicht immer nur über Alltagsprobleme zusprechen, sondern zu hören, was meine Gesprächspartner wirklich beschäftigt und bewegt.« Den Wunsch, mit dem er seinen Podcast begonnen hat – mehr über die Ziele und Werte seiner Kollegen zu erfahren –, konnte er sich also bereits erfüllen. JuC

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