weather-image
13°

Maria Eck – eine spirituelle Oase im Wandel

3.8
3.8
Bildtext einblenden
Eine Luftaufnahme aus dem Archiv der Gemeinde Siegsdorf zeigt das Ensemble aus Wallfahrtskirche, Gasthof und Kloster in Maria Eck. Der Wallfahrtsort hat sich in den vergangenen Jahren stetig verändert.

Siegsdorf – Der Wallfahrtsort Maria Eck stellt in der Region einen wichtigen Ort lebendigen Glaubens dar und ist seit Generationen für viele Chiemgauer und deren Gäste beliebtes Wallfahrts- und Ausflugsziel. Seit über 125 Jahren betreuen die Franziskaner-Minoriten der Provinz St. Elisabeth in Würzburg als Eigentümer von Kloster und Gasthof die Wallfahrer und sind ein fester Bestandteil der seelsorgerischen Arbeit im Umland von Maria Eck.


Seit kurzem nun wird der Gasthof allerdings nicht mehr von den Franziskaner-Minoriten betrieben. Eine neu gegründete Klostergasthof Maria Eck GmbH & Co. KG, bestehend aus Freunden des Klosters, hat diese Aufgabe übernommen, um den Fortbestand des Gasthauses in bisheriger Form zu garantieren. Bruder Christian Schmidberger und Klaus Zimmer, Aufsichtsratsvorsitzender der neuen Klostergasthof GmbH & Co. KG, stellten in einem Gespräch mit Tagblatt-Mitarbeiter Franz Krammer, die Veränderungen rund um Kloster, Wallfahrt und Gasthof vor.

Anzeige

Mit der Kirchturmsanierung der Wallfahrtskirche im Jahre 2008 begann eine Reihe von baulichen Aktivitäten, die in diesem Jahr mit der Fertigstellung der Sonnenterrasse am Klostergasthof ihren vorläufigen Höhepunkt fanden. Was hat sich in den letzten Jahren alles getan?

Bruder Christian: Neben der zum Erhalt der Gebäude nötigen Maßnahmen wie der Renovierung von Wallfahrtskirche und Antoniuskapelle sowie des neuen Klosterdachs und der Anschaffung einer zentralen Hackschnitzel-Heizung für das Kloster und den Klostergasthof, haben wir durch die Neugestaltung der vorhandenen Gebäude sowie der Schaffung neuer Plätze, Maria Eck noch mehr zu einer »spirituellen Oase« werden lassen.

Durch die Sanierung des Mitteregg-Stadls 2009 und die Wiederherstellung des dazugehörigen Weihers, den Bau der Einsiedelei 2013, der Waldkapelle 2015, des Sonnengesang-Wegs 2016 und der Neugestaltung des Franziskus-Wortwegs 2018 haben wir ganz im Sinne des Heiligen Franziskus Orte geschaffen, an denen Menschen Ruhe und Besinnung finden können. Parallel dazu wurden 2013 unsere Zimmer für Kursteilnehmer und Urlaubsgäste im Kloster und 2017 im ehemaligen Ökonomiegebäude grundlegend saniert. Und natürlich gehört dazu auch die Erhaltung, Modernisierung und Neuausrichtung des jahrhundertealten Klostergasthofs, der nach wie vor im Eigentum der Ordensgemeinschaft ist.

Im Eigentum ja, aber er wird nicht mehr von Ihnen betrieben. Warum?

Bruder Christian: Der Ordensgemeinschaft lag und liegt der Klostergasthof sehr am Herzen. Ein Nachfolger aus eigenen Reihen stand nach dem altersbedingten Ausscheiden von Bruder Erich nicht zur Verfügung. Daher suchte man für die Zukunft eine überzeugende Perspektive für den Gasthof. Seriöse und finanzkräftige Interessenten waren an der Fortführung interessiert, aber nicht jeder konnte oder wollte eine Garantie für die Übernahme aller, zum großen Teil langjährigen Mitarbeiter geben. Das zugunsten der Mitarbeiter ausgerichtete Betreiber-Konzept von Klaus Zimmer überzeugte die Ordensleitung; sein Unternehmen ist heute Mitgesellschafter.

Herr Zimmer, Sie sind Chef einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit Sitz in Frankfurt am Main und München. Wie kamen Sie nach Maria Eck?

Klaus Zimmer: Ich habe meinen ersten Winterurlaub vor vielen Jahren in Ruhpolding verbracht. Die abwechslungsreiche, wunderschöne Landschaft und die Nähe zu Salzburg haben mich von Anfang an beeindruckt. Nach einem Besuch der Festspiele in Salzburg 1993 wollte ich meiner Frau Angelika das Kloster Maria Eck zeigen, das ich vor vielen Jahren kurz besucht hatte. Die Herzlichkeit, mit der wir von dem vor einiger Zeit verstorbenen Leiter des Klostergasthofs, Bruder Erich, und seinen Mitarbeitern empfangen wurden, war sehr wohltuend. Und so entstand die Idee, im Klostergasthof Wochenendseminare auszurichten. Bruder Christian habe ich dann im Zusammenhang mit der Neuausrichtung des Klostergasthofs näher kennengelernt.

Wie entstand die Investorengruppe und wer gehört ihr an?

Klaus Zimmer: Als ich meinem alten Freund Uwe Melching, der schon mehrfach an einem Seminar im Klostergasthof teilgenommen hat, erzählte, dass nach einem Weg gesucht werde, den Fortbestand des Gasthofs in bewährter Weise zu sichern, bot er spontan an, die nötigen finanziellen Mittel für die erforderlichen Investitionen bereitzustellen, falls mein mitarbeiterfreundliches Unternehmenskonzept die Ordensleitung überzeugt. Uwe Melching ist Gesellschafter-Geschäftsführer eines bundesweit tätigen Unternehmens in der Lebensmittelbranche.

Wir haben eine GmbH und Co. KG gegründet, die nach außen hin vertreten wird von den Geschäftsführern und Mitgesellschaftern Josef Steiner als Betriebsleiter und Bernd Fuchs als Chefkoch. So ist die Basis für eine erfolgreiche Zukunft des Gasthofs gelegt worden. Im Aufsichtsrat der GmbH sitzen der Hauptinvestor und Mehrheitsgesellschafter Uwe Melching, Manfred Rührgartner und ich als Gesellschafteraktionär und Aufsichtsratsvorsitzender. Wir achten mit darauf, dass das Unternehmensziel erreicht und die Freude an diesem nicht alltäglichen Engagement allen erhalten bleibt.

Wie sehen Sie die Zukunft für den Wallfahrtsstandort Maria Eck?

Bruder Christian: Gerade in unserer schnelllebigen Zeit suchen immer mehr Menschen nach Orten, an denen sie zur Ruhe und zu sich selbst finden können. Maria Eck bietet mit all seinen Möglichkeiten hierfür ideale Voraussetzungen. Im Mittelpunkt stehen für uns immer der Mensch und die Zusage: »Du bist ein Kind Gottes, von einzigartiger Würde und in jedem Augenblick bedingungslos geliebt«. Getreu unserem Ordensgründer Franziskus möchten wir den Menschen daher zusagen: »Wenn es Dir guttut, dann komm.«

Klaus Zimmer: Wir wollen als Betreibergesellschaft des traditionsreichen Klostergasthofes dieses Ziel unterstützen und Maria Eck in seiner ganzen Vielfalt als »spirituelle Oase« mit gestalten. FK

Mehr aus Siegsdorf
Schreibwaren Miller