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Das Bild zeigt den Siegsdorfer Bahnhof vom nur 100 Meter entfernten Übergang Hauptstraße und gibt den Blick frei bis zum Übergang Ruhpoldinger Straße. Der Gemeinderat ist mit den Umbauplänen der Bahn nicht einverstanden. (Foto: Krammer)

Gemeinderat wehrt sich gegen die Pläne der Bahn zu den Umbauten im Ortskern

Siegsdorf – Einstimmig unterstützte der Siegsdorfer Gemeinderat die Vorgehensweise der Verwaltung, sich gegen die Pläne der Südostbayern-Bahn bei den vorgesehenen Umbauten der drei Bahnübergänge im Ortskern zu wehren. In der Sitzung des Gemeinderats hatte der Geschäftsführer Infrastruktur der Südostbayern-Bahn, Christian Steinbacher, die Pläne zur Ertüchtigung der Bahnstrecke Traunstein – Ruhpolding vorgestellt und war dabei vornehmlich auf die geplanten Veränderungen im Siegsdorfer Zentrum eingegangen.


Hier sind der Ersatzneubau des Stellwerks im Siegsdorfer Bahnhof (ESTW), ein barrierefreier Zugang zu den Bahnsteigen und der Austausch der drei Bahnübergangs-Sicherungsanlagen an der Hauptstraße (Pfarrerberg), an der Sonnenstraße (Bahnhof) und der Ruhpoldinger Straße geplant. Im Projekt sind auch die Ausstattung der Strecke Traunstein – Siegsdorf mit zeitgemäßer Technik, die Umstellung des Zugfunksr auf digitale Technik und der Austausch des Streckenkabels gegen ein Glasfaserkabel enthalten.

Hauptgrund der Bauarbeiten sei die veraltete Stellwerk-Technik in Siegsdorf, für die es keine Ersatzteile mehr gebe und für die ein Umbauverbot der DB vorliege, so Steinbacher. Durch die Umrüstung der Technik entstehen aber längere, durch neue Vorleucht- und Räumungs-Intervalle begründete Schließzeiten an den Bahnübergängen, die künftig zudem nicht mehr mit Vollschranken sondern mit neuen Halbschranken-Systemen ausgerüstet würden.

Steinbacher konnte auf viele Fragen aus dem Gremium leider keine befriedigenden oder aussagekräftigen Antworten geben, so dass sich quer durch den fast vollzähligen Gemeinderat die Skepsis spürbar verstärkte. Bürgermeister Thomas Kamm fasste das Unverständnis über die Rahmenbedingungen und die Kommunikation der Bahn mit der Gemeinde in Worte: »Eine wirkliche Modernisierung der Bahn sollte doch keine Verschlechterung des Verkehrsflusses im Ort und weniger Sicherheit für die Fußgänger erzeugen!«

Die massiven Probleme der Gemeinde mit den Plänen wurden dann in einem weiteren Tagesordnungspunkt in einer Stellungnahme zum Planfeststellungsverfahren beim Umbau des ESTW und der Bahnübergänge gebündelt. Besonders mit den längeren Schließzeiten hat die Gemeinde ein massives Problem. Es entstand der Eindruck, dass das Verfahren zwar die Auswirkungen innerhalb des eng gefassten Planungsbereichs betrachtet und prüft, aber die übrige Infrastruktur im direkten Umgriff vollkommen ignoriert.

Die Probleme der Gemeinde mit dem starken Verkehrsaufkommen im Ortskern, der räumlichen Enge rund um die drei Bahnübergänge, die nur 120 beziehungsweise 400 Meter von einander entfernt sind, und den daraus folgenden Stauungen während der Schließzeiten, werden in der Stellungnahme ausführlich dargestellt.

Auch auf die Ausrückzeiten und Rettungsfristen der Feuerwehr Siegsdorf, deren Gerätehaus zwischen Bahnhof- und Ruhpoldinger Straße liegt, würden sich verlängerte Schließzeiten massiv auswirken, hieß es. Mehr Verkehrsstau führe dabei auch zwangsläufig zu mehr Feinstaub-Belastung und mehr Lärm für die Anwohner, was sich eventuell sogar negativ auf das Prädikat Luftkurort auswirken könnte.

In der Stellungnahme des Gemeinderats wurden zudem besonders die Sicherheitsbedenken in den Fokus gestellt. Man sieht in den Halbschranken besonders am Pfarrerberg mit dem benachbarten Altenheim und den vielen Schulkindern großes Gefahrenpotenzial und verweist auf einen tödlichen Fußgänger-Unfall an der Ruhpoldinger Straße vor einigen Jahren.

Der Gemeinderat fordert zudem einen Erörterungstermin mit kompetenten Verantwortlichen des Projekts und gegebenenfalls der Regierung, um noch einmal ausdrücklich alle möglichen Alternativen und Ausnahmeregelungen zu erläutern. Die Projektverantwortlichen sollten der Gemeinde die aktuellen und neuen Schließzeiten noch einmal konkret und verständlich darstellen. Die Gemeinde akzeptiere eine Veränderung der Schließzeiten in der vorgelegten Form nicht.

Einstimmig schloss sich der Gemeinderat dem Beschlussvorschlag an und war sich einig, bei Bedarf auch den Rechtsweg zu beschreiten.

FK

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