Gemeinderat informierte sich über den künftigen Bedarf und die vermutliche Entwicklung der Bevölkerungsstruktur

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Wie viele Wohnungen braucht Siegsdorf in Zukunft? Darüber diskutierte der Gemeinderat mit Dr. Herbert Tekles.

Siegsdorf – Ein Thema, das Verwaltung und Gemeinderat in Siegsdorf immer wieder beschäftigt, ist die Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum. »Wie viel Wohnraum braucht die Gemeinde künftig?«, lautete schon mehrfach die Frage. Um besser auf die Anforderungen vorbereitet zu sein, hat die Gemeinde die Firma Tekles-Demosplan mit der Ausarbeitung der Ermittlung des künftigen Wohnungsbedarfs und der zu erwartenden Wanderungsbewegungen in der Gemeinde beauftragt. Nun stellte Dr. Herbert Tekles die Ergebnisse in der jüngsten Gemeinderatssitzung vor.


Der Referent ging dabei verständlich und übersichtlich auf die Entwicklung der Einwohnerzahlen von 1960 bis 2020, auf die derzeitige Altersstruktur der Siegsdorfer Bevölkerung und deren Altersaufbau ein. Ausgehend vom Jahr 2020 verglich er Zu- und Abnahme der Einwohnerzahl von Siegsdorf mit anderen Gemeinden im Landkreis, wobei für Siegsdorf ein leichtes Minus zu verzeichnen war. Weitere Parameter der Untersuchungen waren die Geburten- und Sterbefälle und die Zu- und Abwanderungsbewegungen.

Die Gemeinde Siegsdorf gehört zu den Gemeinden mit der höchsten Anzahl an sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen im südlichen Landkreis. Ein Problem werde sein, den Bedarf an Arbeitskräften in den nächsten Jahren zu befriedigen, weil viele Arbeitskräfte in den Ruhestand wechseln würden. Daraus werde sich ein entsprechend hoher Wohnungsbedarf ergeben, weil die dadurch nötige Zuwanderung an Arbeitskräften die Nachfrage an Wohnraum sicherlich erhöhen werde. Um dem gerecht zu werden, müssten laut der Studie von Tekles-Demosplan bereits in den nächsten fünf Jahren einige Hundert zusätzliche Wohnungen geschaffen werden, wobei der zusätzliche Wohnraum aber auch für alle bezahlbar sein sollte.

Davon ausgehend, hatte Dr. Herbert Tekles drei verschiedene Szenarien der Entwicklung der Einwohnerzahlen bis 2035 erstellt, die sich ergeben würden, wenn die benötigten Wohnungen zur Verfügung gestellt, beziehungsweise nicht verwirklicht werden könnten. Demzufolge würde sich bei einem maximalen Szenario bis 2035 die Einwohnerzahl auf über 9000 erhöhen, ein angenommenes mittleres konservatives Szenario einen leichten Anstieg bis rund 8500 Einwohner bedeuten. Bei einem Szenario gänzlich ohne Neubauten könnten bis 2035 die Einwohnerzahlen bis unter 7500 fallen.

Das Gremium zeigte sich sichtlich beeindruckt von den vorgestellten Zahlen und ging rege in die Diskussion mit dem Referenten. Dr. Christian Gerhart (BfS) gab zu bedenken, das Siegsdorf im Flächenverbrauch durch die vorhandene Geologie mit den zwei Flüssen und den Bergen erheblich in der Entwicklung eingeschränkt sei.

Ludwig Geisreiter (UW) wollte eine Antwort auf die Frage, ob denn der Bedarf nur mit einer Erweiterung der Ortsgrenzen oder auch über eine weitere Verdichtung der bestehenden Strukturen zu decken sei. Dr. Tekles betonte, dass dazu sicher beide Varianten notwendig seien und konnte zu der Frage von Gerhard Gimpl (Grüne) zu den angenommenen Grundlagen der Studie auf eher zurückhaltende Prognosen der Gemeindeverwaltung verweisen.

Marlis Neuhierl-Huber (Grüne) wollte wissen, ob der prognostizierte Bedarf denn auch wirklich erstrebenswert sei und Dr. Jürgen Leikert (CSU) warf der Verwaltung vor, dass prozentual viel zu wenige Wohnungen gebaut würden, was an der langen Bearbeitungszeit von Plänen in der Bauverwaltung läge. Bürgermeister Thomas Kamm nahm sein Personal in Schutz und verwies auf das komplizierte Baurecht mit immer aufwändigeren Verfahren selbst bei geringfügigen Änderungen, und fasste die Thematik abschließend zusammen.

»Wir müssen uns entscheiden, wohin der Weg gehen soll. Schauen wir uns die Zahlen in Ruhe an und lassen sie wirken, dann können wir, vielleicht auch mit einer Abfrage der großen Betriebe zu deren Perspektiven, daran arbeiten, eine bessere Grundlage für künftige Entscheidungen zu bekommen«.

Dr. Tekles stellte dazu auch noch das Thema von Betriebswohnungen in den Raum, bevor er, mit dem Applaus des Gremiums begleitet, seine Präsentation schloss.

FK

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