Ein technisches und optisches Schmuckstück

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Was lange währt, wird endlich gut: Nach vielen Jahren der Diskussionen hat die Feuerwehr Siegsdorf nun eine Drehleiter bekommen. (Foto: Krammer)

Siegsdorf – In der knapp 150-jährigen Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Siegsdorf gibt es nun erstmals eine Drehleiter. Dieser Tage kamen fünf Mitglieder der Wehr nach einer zweitägigen Einweisung beim Hersteller mit dem neuen Fahrzeug aus Ulm zurück und wurden dabei von ihren Kameraden und Kameradinnen mit einem Fahrzeugspalier und einem nassen »Willkommens-Wasserbogen« auf der Traunbrücke begrüßt.


Das neue DLA(K) 23/12 mit dem Rufnamen »Siegsdorf 30/1« ist ein technisches und optisches Schmuckstück der Firmen Magirus und Deutz mit einem Gewicht von 16 Tonnen und einer maximalen Rettungshöhe von 30 Metern. Der Rettungskorb bietet Platz für drei Personen.

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Das Fahrzeug ist mit weiterer Beladung wie Lüftern, Notstromaggregat, Höhensicherungsgeräten und Krankentrageausrüstung ausgestattet. Das neue Fahrzeug wird die knapp 60 aktiven Männer und Frauen die nächsten Monate, zusätzlich zu ihren knapp 200 Alarmierungen jährlich, mit intensiven zusätzlichen Einweisungen und Übungen beschäftigen, um dann im Ernstfall auch sichere und tatkräftige Hilfe leisten zu können.

In einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt gab Kommandant Manfred Steiner, der die neue Drehleiter persönlich am Gerätehaus einparkte, einen Einblick in die lange Geschichte »Drehleiter für die Gemeinde Siegsdorf«.

Bereits Anfang der 1990er Jahre wurden Forderungen für die Beschaffung einer Drehleiter für Siegsdorf, aber auch kritische Stimmen dagegen immer lauter. Viele Jahre lang konnte man sich auf die gegebene Einhaltung der Rettungsfristen durch die Feuerwehren Traunstein und Ruhpolding berufen, doch immer mehr größere Gebäude mit Brüstungshöhen von über acht Meter und neue Vorschriften und Rettungsanforderungen erhöhten den Druck auf die Gemeindeverantwortlichen. Mit der Erstellung eines Feuerwehr-Bedarfsplans für die Gemeinde Anfang 2019 kam dann endgültig Klarheit auf – und eine jahrelange Diskussion über Notwendigkeit, Sinn und Zweck einer Drehleiter für Siegsdorf ging zu Ende.

Mit dem positiven Gemeinderatsbeschluss im Januar 2019 begann ein monatelanger Marathon mit nervenaufreibenden, komplizierten Besprechungen, E-Mails, Telefonaten, Videokonferenzen, angedrohten Vertragsstrafen und bürokratischen Anforderungen für die Verantwortlichen aus der Feuerwehr und der Gemeinde. Der noch im Januar 2019 gegründete, sechsköpfige »Fahrzeugausschuss« der Wehr mit den drei Kommandanten Manfred Steiner, Hansjörg Mayer und Peter Bittner sowie den Führungskräften Birger Ossenberg, Raphael Schreckenbauer und Thomas Lederer besichtigte Drehleitern, holte sich Erfahrungen von anderen Wehren ein und besuchte Fahrzeugvorführungen bei den Herstellern. Parallel dazu wurden Kontakte im Rahmen der »Interkommunalen Zusammenarbeit« mit anderen Gemeinden geknüpft, um bei der Bestellung als gemeinsame Partner aufzutreten. Die Kommunen Gräfenberg im Landkreis Forchheim (Oberfranken) und Beilngries im Landkreis Eichstätt (Oberpfalz) kamen dabei als Partner zum Tragen.

Im Zuge der Interkommunalen Ausschreibung mussten alle drei Fahrzeuge bis ins Detail gleich ausgestattet und aufgebaut sein, was immer wieder aufwändige Besprechungen, Kompromisse und Lösungsvorschläge notwendig machte. Nachdem im November 2019 alle drei Gemeinderatsgremien der Beschaffungsgrundlage zugestimmt hatten, konnte die Ausschreibung für die Fahrzeuge starten. Damit wurden die Probleme aber nicht weniger. Der sicher geglaubte Zuschuss des Landkreises Traunstein wurde nach einem Beschluss des Kreistags aufgehoben, erst viele weitere Gespräche mit Landrat, Gemeinde und Feuerwehr konnten den Kreistag umstimmen.

Aber auch bei der Förderung durch den Freistaat Bayern schlitterte man in einen Förderstopp aus Budgetgründen, der nach weiteren langwierigen Verhandlungen in der Zusage endete, zwar keine Aufträge erteilen aber wenigstens die Ausschreibung starten zu dürfen. Erst Mitte Dezember 2020 konnten nach Eingang des Förderbescheids dann endlich der Auftrag erteilt und die Klärungsgespräche beim Hersteller geführt werden. Nun steht die Drehleiter im Feuerwehrgerätehaus der Siegsdorfer Wehr, wird die Aktiven noch viele Wochen mit Übungen und Einweisungen beschäftigen und dann hoffentlich viele Jahre lang, mit Hilfe kundiger Einsatzkräfte, für die Bevölkerung rund um die Uhr unschätzbare Dienste leisten. Dazu bedarf es aber auch künftig junger Nachwuchskräfte die sich freiwillig in den Feuerwehren engagieren und dazu umfassend ausbilden lassen.

Die Aufgaben der Wehren werden immer umfangreicher und zeitaufwändiger. Aus diesem Grund müssen diese verantwortungsvollen Aufgaben auch künftig auf viele Schultern verteilt werden.

FK

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