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Ein bisschen Spielen im Schnee

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Aufgemotzte Pistenraupen und umgebaute Bruder-Lastwagen mit Schneeketten und Schneefräse im Spielzeugformat.
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Mit dem Original im Rücken: Fredl Wolferstetter betreibt seit etwa zehn Jahren das Hobby, kleine Pistenraupen zu bauen. (Foto: Bauer)

Siegsdorf – Strahlender Sonnenschein und Schnee satt. Das treibt natürlich viele Sportler in die Berge. Die Pisten und Loipen füllen sich im Laufe des Vormittags. Am Wolfsberglift in Molberting gibt es jedoch einen Nebenschauplatz: Zwischen präparierter Piste und Schlepplift tummeln sich zig Pistenraupen, schieben Schnee hin und her, fräsen und präparieren, was das Zeug hält. Daneben stehen Männer unterschiedlichen Alters mit großen Fernsteuerungen um den Hals, fachsimpeln über Ketten, Karosserien und Motoren. Ihre Fahrzeuge lassen sie dabei nicht aus den Augen.


Es handelt sich um ein »Bully-Treffen«: Acht leidenschaftliche Modellbauer, die sich auf Pistenraupen spezialisiert haben, kamen mit ihren Fahrzeugen, um auf einem eigens präparierten Gelände »ein bisschen zu Spielen«, wie Fredl Wolferstetter (53) aus Trostberg verrät. Die Skifahrer freuten sich darüber und machten gerne eine Pause, um den Modellbauern ein bisschen über die Schulter zu schauen. Die Kinder durften mit ein bisschen Glück auch mal steuern.

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Organisator des Treffens ist Werner Wolfgruber (60) aus Truchtlaching. Über das Modellfliegen kam er, wie so viele andere auch, vor einigen Jahren zur Pistenraupe - eine schöne Abwechslung im Winter. Für das Treffen bei Siegsdorf hat er im Pistenraupenforum geworben. Über diese Internetplattform sind die Modellbauer lose miteinander verbunden. Einen Verein oder eine andere Organisation gibt es nicht. »Das ist für uns alle nur ein Hobby, eine teure Freizeitbeschäftigung«, scherzt Fredl Wolferstetter. Solche gemeinsamen Ausfahrten sind selten, dafür aber besonders und auch aufwändig: Einen Tag lang haben die hiesigen »Bullyfahrer« mit Hilfe der Skiliftbetreiber das Gelände modelliert und tags darauf noch die wie echt aussehenden Fangzäune und Pistenschilder montiert. Alles so, wie auf einer echten Skipiste - nur eben in einem Mini-Maßstab. Im Hintergrund auf einem großen Schneehaufen thront das Pistenraupen-Original.

Im Laufe des Tages trudeln sie dann ein, insgesamt acht Fahrer aus der Umgebung, aber auch aus Donauwörth, Garmisch-Partenkirchen, Hall in Tirol, Hochfilzen, Hausham bei Miesbach und Ingolstadt. Alfons Weigl (39) zum Beispiel ist eigens um 5 Uhr aufgestanden, um von Ingolstadt nach Molberting zu kommen. »Alles für ein paar Stunden Spaß«, wie er erzählt.

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Mit dem Original im Rücken: Fredl Wolferstetter betreibt seit etwa zehn Jahren das Hobby, kleine Pistenraupen zu bauen. (Foto: Bauer)

Die Modellbauer hatten zum Teil mehrere Pistenraupen im Gepäck - kleinere Pistenbully-Modelle von Käsbohrer oder größere Kaliber, Nachbauten der Marke Prinoth. Zum Teil gibt es bereits fertige Bausätze. Vieles am Wolfsberglift ist aber Marke Eigenbau. Und so verlieren sich die Besitzer schnell in Details und fachsimpeln untereinander über die neuesten Bauteile. Mehrere hundert Stunden Arbeit und so einige hundert, wenn nicht sogar tausend Euro haben die meisten bereits in ihre Fahrzeuge investiert.

»Den Kosten sind da keine Grenzen gesetzt«, beschreibt Fredl Wolferstetter die Leidenschaft einiger seiner Kollegen. Er hat vor zehn Jahren seinen Pistenbully erworben, gebraucht auf eBay; und seither einiges verändert, die Karosserie »bisserl optimiert« und die Kunststoffketten gegen Aluketten-Steckprofile getauscht. »Mich fasziniert die Technik der großen Raupen«, erklärt er sein Interesse. Allerdings gehört er nicht zu denen, die Jahr für Jahr die Neuerungen der großen Raupen im Kleinen nachbauen. Das sei mit einem immensen Kostenaufwand verbunden. Allerdings: »Das Bauen gehört dazu und ist mir ganz wichtig.«

Gemeinsame Treffen wie in Molberting sind selten. Im April wollen die Freunde noch einmal einen Parcours auf Sägemehl modellieren und sich zum Fahren treffen. Fest eingeplant ist bei allen jährlich die Modellbaumesse in Friedrichshafen im November, wo die Bully-Fahrer als Gastfahrer eingeladen sind und einen großen, aufwändigen Parcours aufbauen, um das Können ihrer Raupen zu zeigen. Bis dahin wird noch einige Stunden im Keller getüftelt.

In Molberting sind nach ein paar Stunden Sonne, Schneeschieben und Fachsimpeln alle Akkus leer, aber neue Ideen gewonnen. Glücklich packen die Männer ihre Spielzeuge wieder ein und treten die, zum Teil lange, Heimreise an. ka