weather-image

Den Siegsdorfern »stinkt« der Verkehr im Ortskern

2.3
2.3
Den Siegsdorfern »stinkt« der Verkehr im Ortskern – Bürger-Interesse an Rundgang und "Ideen-Workshop"
Bildtext einblenden
Foto: Symbolbild (pixabay)

Siegsdorf – Auf großes Interesse unter den Bürgern stieß eine von der Gemeinde veranstaltete Ortsbegehung mit anschließendem »Ideen-Workshop« zur künftigen Weiterentwicklung und Gestaltung der Siegsdorfer Ortsmitte.


Trotz schönstem Wander- und Ausflugswetter trafen sich über 80 Teilnehmer aller Altersgruppen am Samstagnachmittag auf dem Kirchplatz, um dann gemeinsam mit den Städteplanern die neuralgischen Punkte im Ortskern zu besichtigen und sich anschließend mit ihren Ideen und Ansichten in den Planungsprozess einzubringen.

Anzeige

In zwei Gruppen besichtigten die Bürger den Kardinal-von-Faulhaber-Platz, den Bahnhofsvorbereich, die Abzweigung Hauptstraße/Ruhpoldinger Straße, den »Dorfeingang« vor dem Feilhaus sowie einige Bereiche der Hauptstraße. Vertreter der Büros stellten dazu ihre Sicht auf historische und städtebauliche Gegebenheiten dar.

Bei der Einführungspräsentation in der Aula der Mittelschule informierte das Planerteam über die bisher erfolgten Arbeitsschritte und stellte kurz die Inhalte ihrer Machbarkeitsstudien im Rahmen des Interkommunalen Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (IKEK) für Siegsdorf vor. Im anschließenden »Ideen-Workshop« konnten die Teilnehmer dann ihre Erkenntnisse aus dem Ortsspaziergang loswerden, die Planer sammelten die Vorschläge und Diskussionsbeiträge in schriftlicher Form.

Bürger diskutierten mit Planern

Eine Gruppe beschäftigte sich dabei mit dem Thema »Öffentlicher Raum und Verkehr«. Hier kristallisierte sich bald heraus, dass der Pkw- und Schwerverkehr im Ort eine hohe Belastung für die Anwohner darstellt – und dass mit den aktuellen Baumaßnahmen an der Ruhpoldinger Straße eine weitere Zunahme des Verkehrs befürchtet wird.

Die Vorschläge drehten sich meist um Verkehrsberuhigung wie etwa eine Tempo-30-Zone entlang der Hauptstraßen, die Schaffung besserer ÖPNV-Angebote mit Einbeziehung der umliegenden Ortsteile, bauliche Maßnahmen zur Anpassung der Geschwindigkeit, Einbahnstraßenregelungen und striktere Verkehrsüberwachung. Auch wurden die schmalen Fußgängerwege und eine fehlende Verkehrsregelung für Radfahrer sowie die Aufteilung und Anzahl der Parkplätze im Ortskern, der derzeit vorwiegend vom Verkehr geprägt ist, bemängelt.

Beim Thema »Bebauung, Nutzung und Grünstruktur« stand das Parken im Innenbereich, in Verbindung mit neuer Bebauung, ganz oben auf der Problemskala. Verschiedenste Ansichten und Lösungsmöglichkeiten zur künftigen Gestaltung des Kardinal-von-Faulhaber-Platzes reichten vom Abriss und Neubau aller gemeindlichen Gebäude bis zur Sanierung und intensiven Nutzung durch die Gastronomie, Geschäfte und den Bau einer Tiefgarage für ausreichende Parkmöglichkeiten rund um Friedhof und Festsaal.

Auch für das zu überplanende Areal zwischen dem Gerätehaus der Feuerwehr und dem Bahnhof gab es unterschiedlichste Ansichten und Vorschläge. Man konnte sich Handel, Dienstleistung und Gewerbe ebenso vorstellen wie einen Drogeriemarkt, einen Markt- und Veranstaltungsplatz oder weitere Parkflächen.

Bei der abschließenden gemeinsamen Zusammenfassung und Diskussion wurde die Belastung der Siegsdorfer durch den Verkehr noch einmal deutlich. Für viele Bürger sind eine Verminderung des Pkw- und Schwerverkehrs, die Verbesserung der Situation für Fußgänger und Radfahrer sowie ein Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs eine Voraussetzung für eine sinnvolle künftige Ortsgestaltung.

Auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h in den Ortsdurchfahrten war für viele durchaus vorstellbar. Weitere Fragen gab es zu exakten Zahlen und Erhebungen hinsichtlich der Parkflächen und ihrer tatsächlichen Nutzung durch Dauer- oder Kurzzeitparker, wobei sich die Planer auf das Verkehrskonzept der Gemeinde von 2017 beriefen, in dem jedoch offensichtlich dieses Thema nur unzureichend untersucht worden war.

Zusammenfassend waren der »Ortsspaziergang und die Ideensammlung« nach Ansicht vieler Teilnehmer zwar ein kleiner Baustein in Richtung eines lebenswerten Ortskerns von Siegsdorf, die bisher vorliegenden Planungsvorschläge waren für die meisten Bürger jedoch eher enttäuschend. Neben guten Ideen und verantwortungsvoller Planung wird wohl auch ein Umdenken in der Gesellschaft hinsichtlich des Verkehrsverhaltens notwendig sein, so der Tenor, um die Probleme in Siegsdorf in den Griff zu bekommen.

Das Schlusswort blieb Bürgermeister Thomas Kamm vorbehalten, der sich angetan von der regen Teilnahme zeigte und auf die aktuelle Entwicklung mit der Vorbereitung einer Tempobeschränkung auf 30 km/h zwischen dem Kreisverkehr an der Traunbrücke und dem Kreisverkehr am Sparzer Weg hinwies. Eine Abstimmung zu diesem Thema ist für die Gemeinderatssitzung am 25. November geplant. FK

Italian Trulli