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Buttersäure-Attentaten in Siegsdorf – 46-Jährige und 51-Jähriger vor Gericht

Traunstein/Siegsdorf – Noch immer ist unklar, was sich hinter angeblichen Buttersäure-Attentaten in Siegsdorf auf ein 185.000 Euro teures Auto und auf sechs Türschlösser verbirgt. Das Amtsgericht Traunstein mit Richter Wolfgang Ott konnte auch am zweiten Verhandlungstag gegen zwei Angeklagte, eine Frau (46) und einen Mann (51), nicht klären, wem der Dodge Viper und die beschädigte Immobilie überhaupt gehören. Die Frau legte einen Ordner vor, der ihre Eigentumsrechte beweisen soll. Der Prozess wird am 6. Dezember fortgesetzt.


Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft war der frühere Lebens- und Geschäftspartner der 46-Jährigen der tatsächliche Eigentümer des Fahrzeugs und des besagten Anwesens. Der Nebenkläger war am zweiten Verhandlungstag nicht anwesend, wird aber am nächsten Termin wieder teilnehmen, sicherte Nebenklagevertreter Korbinian Ortner aus Traunstein zu. Die Frau muss sich in dem Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung verantworten. Ihr früherer Steuerberater, ein 51-Jähriger aus Traunstein, soll Beihilfe geleistet haben.

Die Siegsdorferin soll die Buttersäure, eine extrem stinkende Flüssigkeit, am Nachmittag des 16. Juni 2018 in Türschlösser im Haus des Geschädigten gespritzt haben. Die Feuerwehr Siegsdorf musste mit Atemschutzträgern anrücken, um die Türen zu entfernen und auszutauschen. Der Ex-Freund der Angeklagten soll starke Kopfschmerzen durch die Buttersäure bekommen haben. Die 46-Jährige soll außerdem den Dodge Viper, einen Sportwagen mit 650 Pferdestärken aus dem Fuhrpark des Nebenklägers, mit der Chemikalie benetzt haben.

Vor drei Jahren war das Amtsgericht Traunstein schon einmal mit dem Fall befasst. Damals hielt Richter Ott weitere Ermittlungen für erforderlich. Die Angeklagten mit ihren Verteidigern Dr. Andreas Kastenbauer und Dr. Herbert Buchner, beide aus Traunstein, wiesen die Vorwürfe damals wie jetzt als unzutreffend zurück.

Die 46-Jährige präsentierte dem Gericht am Donnerstag einen dicken Ordner mit Unterlagen aus einem Steuerstrafverfahren, auf die sie erst jetzt Zugriff bekommen habe. Daraus sei zu entnehmen, dass sowohl das Anwesen als auch das Auto ihr Eigentum gewesen seien. Verteidiger Dr. Andreas Kastenbauer erläuterte, seine Mandantin habe von einem ihrer Konten 200 000 Euro abgehoben und dem Nebenkläger den Betrag zum Barkauf des Dodge Viper als Geschäftsfahrzeug gegeben. Offenbar habe dieser das Geld jedoch auf sein Konto eingezahlt und davon die Kaufsumme überwiesen. Zudem hätten alle Türen und Fenster im Eigentum der 46-Jährigen gestanden. Das gehe aus den Schreinerrechnungen hervor.

Dodge Viper Totalschaden

Am Rande wurde deutlich: Der Dodge Viper galt zwar nach dem Buttersäure-Vorfall als Totalschaden, wurde aber später verwertet. In einer Restwertbörse im Internet boten Interessenten über 100.000 Euro dafür. Das höchste Gebot von 103.000 Euro stammte von der ursprünglichen Lieferfirma. Der Richter fragte nach dem Grund, warum die Angeklagte zwar angeblich den Kaufpreis für das Anwesen beglichen hatte, jedoch der Nebenkläger als Eigentümer im Grundbuch stehe. Die Antwort der 46-Jährigen: »Für mich war er der Mann meines Lebens. Er war der, mit dem ich alt werden wollte. Heute gehört ihm alles.«

Eine 40-Jährige wurde damals ihre »Nachfolgerin«. Sie war ab 2018 bei dem Nebenkläger angestellt und ebenfalls eine Zeit mit ihm liiert. Zur Frage der Eigentumsverhältnisse an Haus und verschiedenen Pkws, darunter ein Bentley und ein Jaguar, meinte die Zeugin: »Er hat so getan, als ob es ihm gehört.« Woher er das Geld genommen habe, habe sie nie gefragt.

kd

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