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»Wir haben sehr viel erreicht« – Gemeinderat auch für Kompromiss

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Seeon: Wende zum umstrittenen Kiesabbau in Grünweg bei Seeon war auch Thema im Gemeinderat
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Das Landratsamt Traunstein hat den Genehmigungsbescheid für den Kiesabbau auf dem Gelände der Reitanlage Grünweg zum Teil aufgehoben. Im nördlichen Bereich (rechts) bleibt die Genehmigung bestehen. Dagegen darf im südlichen Bereich (links) kein Kies abgebaut werden. (Foto: Rasch)

Seeon-Seebruck – Die überraschende Wende zum umstrittenen Kiesabbau in Grünweg bei Seeon, war auch Thema in der Gemeinderatssitzung am Montagabend in der Seeoner Sporthalle. Das Gremium beschloss mehrheitlich, den Kompromiss mitzutragen und keine weiteren, rechtlichen Schritte einzuleiten.


Wie berichtet, hatte das Landratsamt den Genehmigungsbescheid für den Kiesabbau auf dem Gelände der Reitanlage Grünweg zum größten Teil aufgehoben. Das heißt, dass auf dem südlichen Teil – das sind zwei Drittel der Gesamtfläche – kein Kies abgebaut werden darf. Für die nördliche Fläche, auf der bereits in den 1960-er Jahren Kies abgebaut wurde, bleibt die Genehmigung bestehen.

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Die entsprechende Presseerklärung des Landratsamts, die kurz vor der Sitzung in der Gemeinde eingegangen war, überraschte nicht nur den Gemeinderat, sondern auch die geschätzten 80 bis 90 Besucher, da­runter Anhänger der Bürgerinitiative und des Umweltschutzverbands Alztal (UVA) sowie Mitarbeiter der Betreiberfirma. Aufgrund der Pressemitteilung war der Eilantrag der Grünen-Fraktion auf Widerruf der Baugenehmigung und Zurückstellung des Bauantrags bezüglich der Errichtung einer Kiesgrube in Seeon-Grünweg hinfällig.

Die Abbauzeit für die nun genehmigte, nördliche Fläche beträgt nach Angaben des Landratsamts etwa zwei Jahre. Für den jetzt nicht mehr genehmigten, südlichen Teil hätte sie acht weitere Jahre betragen.

»Wir sollten den Kompromiss akzeptieren«, kommentierte Bürgermeister Martin Bartlweber die Entscheidung des Landratsamts. Eine Klage, die Toni Mayer (Grüne) in Erwägung zog, um auch den Abbau im südlichen Bereich zu verhindern, könnte nach Angaben des Bürgermeisters nur über den Verwaltungsweg erfolgen und wäre in seinen Augen auf Grund der Verhältnismäßigkeit sinnlos. Dies bekräftigte auch Christine Kosanovic (FW): »Ich schließe mich dem Bürgermeister an, sagte die studierte Juristin.

»Wir haben sehr viel erreicht und das ist mit Sicherheit dem Gemeinderat und den Bürgern geschuldet«, sagte Bürgermeister Bartlweber weiter. Insbesondere bedankte er sich bei Sepp Daxenberger, der mit Nachdruck gefordert habe, dass das Projekt vom Landratsamt noch einmal geprüft werden müsse.

Daxenberger, der die Bürgerinitiative nach einem Gespräch mit Landrat Siegfried Walch am Montag vor einer Woche darüber informiert hatte, dass die Genehmigung noch einmal geprüft werden soll, kritisierte das Verhalten der Bürgerinitiative und warf dem Fraktionssprecher der Grünen, Toni Mayer, vor, zu früh an die Öffentlichkeit gegangen zu sein.

Wie berichtet, hatte die Bürgerinitiative auf Grund der Aussage von Daxenberger freudestrahlend in einer Pressemitteilung verkündet, dass die Genehmigung des Kiesabbaus vom Tisch sei. Richtig war aber, dass das Landratsamt lediglich in Aussicht gestellt hatte, das Genehmigungsverfahren noch einmal zu prüfen. Nach Angaben von Daxenberger habe er die Bürgerinitiative auch dahingehend informiert. Er habe »ganz klar gesagt, dass sie das offizielle Statement des Landratsamts noch abwarten müssen«, sagte Daxenberger.

Mit Nachdruck wies er auch darauf hin, das laufende Verfahren für einen konzentrierten Kiesabbau in der Gemeinde zu beschleunigen. »Es sind Monate vergangen und nichts ist passiert«, wetterte er. Nach Angaben des Bürgermeisters soll das Verfahren nach der Sommerpause zügig in die Sitzung gebracht werden. Bei zwei Gegenstimmen war sich das Gremium einig, den Kompromiss mitzutragen und keine weiteren, rechtlichen Schritte einzuleiten.

Über die überraschende Nachricht wurde unter den Besuchern vor der Sporthalle noch lang und breit diskutiert. »Die Demokratie lebt von einem Kompromiss, aber für die Natur ist es nach wie vor ein Eingriff«, sagte ein Seeoner am Rande der Sitzung. »Man geht hin und versteht es nicht.« Der Betreiber der Kiesgrube, Sebastian Riedel, äußerte sich kurz und knapp: »Wir nehmen das jetzt so zur Kenntnis und warten ab, was in dem Bescheid steht. Der Grundstücksbesitzer wollte sich nicht äußern. ga


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