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Szenenbild aus der »Grattleroper« mit (von links) Tobias Weistenfeld (Pasoloni), Martina Heistracher (Maria), Hermann Oberloher (Oarstocker), Martin Huber (Fischlechner) und Hans Huber (Stanzlinger). (Foto: Kral)

Wer tötete den Wilderer Seppl? – »Grattleroper« auf der Halbinsel von Kloster Seeon aufgeführt

Seeon-Seebruck – Ein ganz besonderes »Theaterschmankerl« erlebten die Besucher am sommerlichen Premierenabend der »Grattleroper«, einer Kleinhäuslergeschichte in zwei Akten, mit Gesang und Livemusik von Gerhard Loew und Musik, Peter Michel.


Eindrucksvolle Kulisse für die Freilichtaufführung der Seeoner Heimatbühne war die Halbinsel von Kloster Seeon. Im Mittelpunkt dieses Mundartstücks, das um die Jahrhundertwende spielt, steht die arme vom Schicksal gebeutelte Bauernfamilie Fischlechner, berührend und zu Herzen gehend gespielt von Martin Huber und Christa Stifter, sowie deren aufmüpfige, starke Tochter Maria, großartig dargestellt von Debütantin Martina Heistracher.

Sohn Seppl, der im gräflichen Forst häufig wilderte, wurde erschossen aufgefunden. Verzweiflung macht sich breit, wer hat diesen Mord auf dem Gewissen? Ausdrucksstark in der Rolle des hinterlistigen Viehhändlers, Hehlers und Geschäftsfreunds des Toten, Oarstocker, Hermann Oberloher. Dieser wirbt um die Gunst der Tochter Maria, stößt aber auf keine Gegenliebe.

Symbolisch für die Macht der Herrschenden steht auch die Rolle des Forstverwalters des Grafen Stanzlinger, überzeugend gespielt von Hans Huber, der den Verdacht auf den liebenswerten und unschuldigen Ungarn Pasolini, Tobias Weistenfeld, der besonders beeindruckt, lenken will.

Maria, die sich nicht einschüchtern lässt, gelingt es, den wahren Mörder ihres Bruders zu entlarven. Wunderbar fügt sich die Livemusik mit eingängigen Liedern, deren Texte eine Fülle an Gesellschaftskritik wie das Kuschen vor der Obrigkeit, die ungerechte Verteilung von Gütern, Geldgier und auch Ausländerfeindlichkeit bieten und mit einer Tanzeinlage von Maria Berger und Lena Wieneke besonders hervorgehoben werden, ein.

Die musikalische Leitung hat Fritz Linner inne. Am Klavier: Maria Linner, Oboe: Josef Hohenleitner, Klarinette: Isabell Kirschner, Gitarre: Fritz Linner, Bass: Bernhard Wolf und Schlagzeug: Christoph Huber. Regisseurin Regina Weistenfeld gelang mit der großartigen Inszenierung dieses Kultstücks ein durch und durch gelungenes Theatererlebnis. Vom Publikum wurde das ganze Ensemble am Ende für seine bravouröse Leistung mit lang anhaltendem Applaus gefeiert.

Die Akteure gedenken mit der Aufführung ihres verstorbenen, langjährigen Theaterkameraden Josef Mair. Die weiteren Spieltermine sind Freitag und Samstag jeweils um 19 Uhr.

fb/red

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