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Vom Benediktinerkloster zum Bildungszentrum

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Heute präsentiert sich das ehemalige Kloster als modernes Kultur- und Bildungszentrum. (Foto: Kloster Seeon)

Seeon-Seebruck – Das Kloster Seeon hat in seiner über 1000-jährigen Geschichte mehrmals den Besitzer gewechselt. Jedesmal gab es eine neue Verwendung der altehrwürdigen Gebäude. 1986 kaufte der Bezirk Oberbayern das Gelände und eröffnete nach umfangreicher Renovierung 1993 ein modernes Kultur- und Bildungszentrum, das jedermann offen steht. Anlässlich der 25-jährigen Trägerschaft des Bezirks gab es nun einen Festakt und einen Tag der offenen Tür.


Bezirkstagspräsident Josef Mederer würdigte das Kultur- und Bildungszentrum als einen Ort, »der die Geschichte dieser Region, Oberbayerns und weit darüber hinaus in sich trägt.« Der Bezirk als Besitzer trage gesellschaftliche Verantwortung dafür, dass dieses einzigartige Kulturdenkmal erhalten bleibe. »Schon damals, als der Bezirk das Gebäude übernommen hat, war der feste Wille da, Kloster Seeon wieder neu zu beleben und ihm sein früheres Ansehen zurückzugeben. Denn die unruhigen Jahrzehnte davor sowie vor allem der zehnjährige Leerstand hatten dem Gemäuer nicht gut getan«, sagte er.

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Ort für inspirierende Begegnungen

»Unser Ziel ist es, die Historie mit der Zukunft zu verknüpfen, damit Kloster Seeon weiterhin vielen Menschen zur Erholung und Besinnung und als Ort für inspirierende Begegnungen dienen kann.« Im Ausblick gab er weitere Investitionen bekannt. Noch im November wird das umgebaute Hirschfeldhaus eröffnet. Zudem bringt ein neuer Aufzug die Besucher barrierefrei zur Kirche St. Lambert. Zudem geplant sind der Umbau des früheren Bistros Leuchtenberg in eine Gaststätte mit Seeterrasse, die Renovierung der Hotelzimmer und des Empfangsbereichs, ein Neubau für die Fachberatungen für Fischerei und Imkerei samt Anlage eines Bienenlehrpfads, ein Blockheizkraftwerk mit Hackschnitzelheizung und eine Neugestaltung der Außenanlagen nach historischem Vorbild.

Einen Blick in die teilweise sehr turbulente Geschichte von Kloster Seeon gewährte Historikerin Sylvia Wüllner. Das Kloster wurde 991 bis 994 von Pfalzgraf Aribo I. gegründet und war einst ein Benediktinerkloster mit einem sehr bedeutenden Skriptorium. 1561 zerstörte ein Brand einen Großteil der Klosteranlage, die aber neu aufgebaut wurde. Beim Wiederaufbau erhielt auch die Klosterkirche ihre für diese Zeit typischen Zwiebelkuppeln und die Kirchenschiffe wurden mit modernen Malereien geschmückt.

Im Zuge der Säkularisierung im Jahr 1803 ging die Anlage in staatlichen Besitz über. Sie hatte in der Folgezeit mehrere wechselnde Eigentümer mit unterschiedlicher Nutzung, von einer Brauerei, über ein Heilbad, eine Schule der SA und ein amerikanisches Lazarett bis zu einem Flüchtlingslager und einer Polstermöbelfabrik bis hin zu einer Ausbildungsstätte der Bereitschaftspolizei.

Zurück in den Besitz der Kirche

1978 kaufte die Erzdiözese München und Freising die barocke Anlage mit der Absicht, ein Bildungszentrum zu errichten. Damaliger Erzbischof von München und Freising war Joseph Kardinal Ratzinger, der spätere Papst Benedikt. Er war maßgeblich mitverantwortlich für die Übernahme von Kloster Seeon, das nach 175 Jahren wieder in den Besitz der Kirche gelangt ist.

Doch alle Bestrebungen der Erzdiözese zerschlugen sich recht schnell. Und so stand das historische Ensemble fast zehn Jahre leer. »Insgesamt haben dann sechs Besitzer versucht, neue Verwendungszwecke für das Benediktinerkloster zu finden, scheiterten allerdings allesamt.« Dadurch verfiel die historische Bausubstanz zunehmend und es wurde deutlich, dass nur ein finanzstarker und leistungsfähiger neuer Besitzer das historische Gebäude retten konnte. »Der Bezirk Oberbayern war ein solcher, zumal er auf der Suche nach einem geeigneten Ort für ein Bildungszentrum war«, so die Historikerin.

Bezirk und Erzdiözese wurden sich einig und das Ensemble wechselte für 700 000 Mark erneut den Besitzer. Danach ging es an die Renovierung. Aus den Schlafräumen der Mönche wurden moderne Hotelzimmer. Refektorium, Fürstenzimmer, Abtwohnung, Festsaal und Musiksaal wurden zu Tagungsräumen unter Erhalt der barocken Strukturen umfunktioniert.

Die Kosten beliefen sich auf 51,5 Millionen Mark, eine gewaltige Summe. »Dennoch darf man in diesem Zusammenhang nicht vergessen, welche große denkmalpflegerische Leistung der Bezirk Oberbayern übernommen hat. Alleine der substanzerhaltene Kostenaufwand hatte sich durch die Sanierung der Holzpfähle und Balkendecke erheblich erhöht. Gleichzeitig legte man beim Bezirk Oberbayern schon damals großen Wert darauf, die Räume des gesamten Kultur- und Bildungszentrums barrierefrei fertig zu stellen.«

Offizielle Eröffnung des Kultur- und Bildungszentrums war am 31. Oktober 1993 – vor 25 Jahren. »Mit der Eröffnungsfeier machte der Bezirk genau sieben Jahre nach Erwerb ein historisches Gebäude wieder einer breiten Öffentlichkeit zugänglich, was eine lange Zeit durch die Privatisierung nicht möglich war«, so Wüllner.

Als Tagungs- und Kulturort längst etabliert

Inzwischen ist Kloster Seeon als Tagungs- und Kulturort längst etabliert. Für einen reibungslosen Ablauf sorgen 83 Mitarbeiter sowie zwölf Auszubildende in verschiedensten Berufen. So finden im Kloster Seeon drei bis vier Ausstellungen pro Jahr und 50 bis 60 kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte und Vorträge statt.

1,085 Millionen Gäste wurden in den vergangenen 25 Jahren an der Rezeption empfangen, 480 000 Liter Kaffee ausgeschenkt, 200 000 Kilometer liefen die Hausdamen durch das Gebäude, 96 000 Besucher kamen zu 995 Konzerten, 8500 Tonnen Stühle und Tische bewegten die Haustechniker für Veranstaltungen und 6500 Paare gaben sich standesamtlich das Ja-Wort. mix