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Früher bedeutete ein hoher Wasserstand im Seeoner See, dass auch genug Wasser über den Bäckerbach in den Eglsee floss. Heute liegt der Eglsee trocken, unabhängig vom Wasserstand des Seeoner Sees, dessen Schwankungen sich gut an den Holzpfosten ablesen lassen. (Foto: Pahl)

Stammtisch der Ortsgruppe Seeon-Seebruck-Truchtlaching vom Bund Naturschutz

Seeon-Seebruck – Die Mitglieder der Ortsgruppe Seeon-Seebruck-Truchtlaching vom Bund Naturschutz (BN) konnten sich endlich wieder zu ihrem öffentlichen Stammtisch im Gasthaus Neuwirt in Seeon treffen. An aktuellen Themen mangelte es ihnen nicht.


Zuerst ging es um den Wassermangel, der sich auch an der rückläufigen Anzahl der gesammelten Kröten am Übergang Altenmarkter Straße zeige. Das Laich-Ziel der Kröten, der Eglsee, ist seit 2013/14 ausgetrocknet, so Vorsitzender Richard Gruber. Die Niederschlagsmenge in der Region sei aber im Lauf der Jahre gleich geblieben. Die Ursachen des Rückgangs der Krötenwanderung müssten noch besser erforscht werden. Der Bäckerbach verläuft als einziger Zufluss vom Seeoner See zum Eglsee. Es wurde vorgeschlagen, ihn einmal auszuräumen.

Eine der Ursachen der zunehmenden Bodentrockenheit sei die steigende Bodenversiegelung. »Gesetzliche Regelungen zur Begrenzung werden oft nicht eingehalten«, beobachtete ein Zuhörer. Eine weitere Ursache für die Austrocknung des Bodens könnten die gemeinsamen Abwasserrohre für Regenwasser und Abwasser in Seeon sein. Dadurch würde das Regenwasser abgeleitet anstatt dort im Boden zu versickern, wo es niederfällt.

Millionen von Insekten sterben jeden Sommer an Desorientierung durch übermäßige nächtliche Beleuchtung. Richard Gruber berichtete zur Reduzierung der Beleuchtung in der Gemeinde an öffentlichen Gebäuden und Straßen. Im Rahmen der Umrüstung auf LED soll die Dimmung und Teilabschaltung von 1 Uhr nachts bis 5 Uhr früh zu Lichtreduzierung und Energieeinsparung führen. Gruber berichtete auch über Einzelmaßnahmen, bei denen auf Vorschlag des BN das Licht der Lampen nochmals reduziert wurde. Die Teilabschaltung, das heißt die Abschaltung in einzelnen Straßen, sei aus Gründen der gefühlten Sicherheit immer wieder umstritten, trotzdem werde sie in vielen umliegenden Gemeinden praktiziert. Der Bund Naturschutz setzt auch hier auf Überzeugungsarbeit, zum Beispiel durch eine Bürgerbefragung, so Gruber.

Richard Gruber sprach auch die Planungen für das neue Hotel Malerwinkel bei Seebruck an. »Es widerspricht dem Bebauungsplan, da muss die Öffentlichkeit beteiligt werden«, so eine Stimme aus dem Publikum. »Da muss der Naturschutz nochmal gehört werden, mit Umweltverträglichkeits- und Artenschutzprüfung«. Man befürchtet eine Übernutzung des empfindlichen Chiemsee-Uferbereichs durch noch mehr Besucher.

»Der Standort im Landschaftlichen Vorbehaltsgebiet mit Hochwasserschutz liegt direkt am geschützten FFH-Gebiet, das laut Natura-2000-Verordnung den Uferbereich des gesamten Chiemsees umfasst«, so Richard Gruber weiter. Der Bund Naturschutz sehe ein Projekt dieser Größenordnung an diesem hochempfindlichen Standort sehr kritisch.

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