Spannende Zeitreisen im Keltengehöft

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Auch einige Ostgoten gaben sich beim historischen Familienfest in Stöffling die Ehre. Die Ostgoten-Gruppe Swarafulk rekrutiert sich aus lauter Ober- und Niederbayern.

Seeon-Seebruck – Das große Bedaius-Familienfest kann am 3. Oktober coronabedingt nicht stattfinden, doch die historischen Familientage der Tourist-Info Seebruck am Keltengehöft Stöffling sind ein würdiger Ersatz. Bei der zweiten von drei geplanten Ausgaben konnten die Besucher an fünf Stationen in die Vergangenheit eintauchen und sich mit waschechten Kelten, Römern und Ostgoten austauschen. 


Über ihre Waffen, Ausrüstung und die Kleidung römischer Legionäre gaben Soldaten der »Legio II Italica« Auskunft. »Während der Schienenpanzer um 200 nach Christus verschwunden ist, gab es das Kettenhemd, das die Kelten erfunden haben, während der ganzen Römerzeit«, so Legionär Manfred Mayer. Die Römer hätten von den Kelten »einiges abgekupfert und teilweise noch verbessert«, so Mayer. Routinier Hans Veit gab die Kommandos in lateinischer Sprache. Der römische Medicus Werner Stocker erzählte, dass seine einstigen Berufskollegen auch in Nicht-Corona-Zeiten darauf geachtet hätten, dass die Hygienestandards eingehalten wurden. »Die Latrinen haben sich immer außerhalb des Lagers befunden«, so Stocker.

»Unsere Vorfahren haben schon vor rund 3000 Jahren Handel mit den Griechen und später dann auch mit den Römern betrieben«, erklärte Alexander Krop von der Keltengruppe »Antumnos« aus Simbach. Die keltischen Eisenwaren und das bei Hallstatt von den Kelten abgebaute »weiße Gold« Salz seien sehr gefragt gewesen. Im Gegenzug habe man aus dem Süden Wein importiert.

Interessante Einblicke in die althergebrachte Kunst des Webens gab Diamant-Weber Peter Böhnlein im Lager der ober- und niederbayerischen Ostgotengruppe Swarafulk. »Dieser nachgebaute Gewichtswebstuhl, bei dem die Kettfäden senkrecht herunterhängen und an ihrem Ende mit Webgewichten beschwert sind, war die erste Maschine, die man programmiert hat«, verblüffte er. Schon die Griechen und Kelten hätten damit Kleidungsstücke in einem Stück gewoben und zusammengenäht. Ostgotin Dr. Diana Hegemann demonstrierte das Nadelbinden – eine uralte Handarbeitstechnik, die viel älter ist als das Stricken und Häkeln. Erst nach dem Beizen sollte man die Wolle in eine 50 Grad heiße Naturfarblösung geben, riet sie. Blickfänger waren die rekonstruierten, schicken Ostgoten-Helme. Laut Maximilian Streibl wiesen archäologische Funde darauf hin, dass »sie einst in Massenproduktion hergestellt worden sind«.

Nebenan ließ sich die Römerfamilie Ziereis gebackenes Fladenbrot und einen römischen Eintopf (Puls fabata) aus Bohnen, Getreide, Zwiebeln, Sellerie und Gewürzen schmecken. Legionär Matthias Ziereis präsentierte den Besuchern römische Fibeln, Pinzette, Schere, Wachstafeln zum Schreiben, ein Rundmühlenspiel sowie nachgebaute Hausschuhe aus Holz, denn »in den mit Fußbodenheizung ausgestatteten, römischen Häusern ist der Boden oft zu heiß gewesen, um darauf barfuß gehen zu können«.

Martina Ziereis weihte die Besucher in die Kunst des Räucherns mit Harzen, Kräutern und diversen Pflanzenbestandteilen ein. Beim Feuermachen und -Transportieren sei der auf abgestorbenen Buchen und Birken wachsende Zunderpilz (Zunderschwamm) früher von großer Bedeutung gewesen, informierte sie. »Getrocknete Zunderpilzscheiben funktionieren wie Räucherkohle, sie brennen sehr lange ohne zu verglühen und das Feuer konnte damit über weite Strecken transportiert werden«, so Martina Ziereis.

»Ich hätte nicht gedacht, dass bei diesem unsicheren Wetter und nach dem Starkregen am Morgen so viele Leute kommen«, freute sich Organisator Matthias Ziereis. Er hoffe nun, dass die Infektionslage nun auch das dritte historische Familienfest am 26. September zulasse. mmü


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