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Römischer Zentralplatz von Bedaium entdeckt

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So präsentierte sich den Archäologen das großflächige Pflaster nördlich und nordöstlich der Seebrucker Aussegnungshalle, wo auf neuem Gemeindegrund Parkplätze entstehen sollen. Es soll sich um die Überreste des römischen Marktplatzes von Bedaium-Seebruck handeln. Auch Kleinfunde wie die römische Münze mit Kaiser Balbinus wurden bei den Arbeiten entdeckt. (Fotos: Müller)
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Seeon-Seebruck – Im Zuge von Bauvorhaben kamen in den vergangenen Jahren im Ortskern von Seebruck an verschiedenen Stellen immer wieder Relikte aus längst vergangenen Zeiten ans Tageslicht und das in einer Häufigkeit und in einem Umfang wie es zuletzt in den 1970er und 1980er Jahren der Fall war, als das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege in Zusammenarbeit mit dem hiesigen »Scherben-Kare« Carl Ostermayer dafür sorgte, dass Seebruck (Bedaium) zu einem der besterforschten Römerorte Bayerns wurde.


Im vergangenen Sommer stießen Archäologin Ramona Baumgartner und ihr Team südlich und südöstlich des abgerissenen, gemeindlichen Rathauses auf die Überreste zweier bislang undatierter Öfen, viele Kleinfunde und ein Pflaster. Keine 50 Meter davon entfernt entdeckte die von der Gemeinde erneut beauftragte Zornedinger Firma »Baumgartner Archäologie« nun nördlich und nordöstlich der Aussegnungshalle – dort sollen unweit des neuen Rathauses Parkplätze entstehen – eine noch deutlich größere Pflasterfläche, die sich je nach Hanglage zehn bis 50 Zentimeter unter der Erdoberfläche befand. »Gleich nachdem der Bagger die ersten Erdschichten abgetragen hat, sind wir darauf gestoßen«, so Grabungsleiterin Baumgartner. Aufgrund des Befunds sei man sich ziemlich sicher, Überreste des »erstaunlich großen, römischen Hauptplatzes« entdeckt zu haben. Auch Professor Dr. Siegmar von Schnurbein pflichte dieser Theorie bei, denn für eine Straße sei das Pflaster »viel zu breit«. Insgesamt erstreckte sich das untersuchte Pflaster über eine Fläche von 350 Quadratmetern. Der einst zentral im Vicus gelegene Platz habe sich in südliche Richtung ausgedehnt und womöglich auch die 2018 gegenüber des Weinlokals Taverne/Römerstraße entdeckte Pflasterfläche mit eingeschlossen.

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Zum Vorschein kamen nun von Mitte April bis Mitte Juni erneut diverse Kleinfunde und Artefakte, hauptsächlich aus römischer Zeit – 50 bis 400 nach Christus –, aber auch solche, die keltischen, mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Ursprungs sind. Geborgen wurden Keramik, Nadeln, drei Fibeln aus Silber, Bronze und Eisen, eine Gürtelschnalle, ein Pferdegeschirranhänger und über 20 römische Münzen. »Auf einer Münze ist der römische Kaiser Balbinus zu sehen, der 238 nach Christus drei Monate regiert hat«, so Baumgartner. Die anderen Münzen müsse sie sich für eine genaue Datierung erst noch genauer ansehen. Des Weiteren kamen auch diverse Tierknochen von Schwein, Wild und Rind zutage, aber auch auffallend viele Pferdezähne. Es sei davon auszugehen, so Baumgartner, dass der Marktplatz nach der Römerzeit nicht mehr genutzt worden sei, sondern viele Jahrhunderte als landwirtschaftliche Fläche gedient habe.

Um keine bedeutenden Funde zu übersehen, habe man den Aushub noch einmal von ehrenamtlichen Helfern mit Sonden begehengehen lassen, was sich bewährt habe, so Baumgartner. Dass sich die archäologischen Arbeiten dieses Mal deutlich länger hingezogen hatten, lag zum einen am verregneten Mai, in dem man viele Tage nur Unterwasserarchäologie betreiben hätte können, zum anderen an dem abschüssigen und unebenen großen Pflaster, dessen Steine man sorgfältig per Hand vom Humus befreien musste. Nach dem das Pflaster fertig dokumentiert und abgetragen war, wurden 13 weitere Funde freigelegt. Es handelt sich dabei überwiegend um Materialentnahmegruben, die nach der Aufgabe dieses Teiles des Hauptplatzes durch das Pflaster gegraben wurden. Diese wurden angelegt, um den Lehm abzubauen, welcher dann weiter verarbeitet wurde. Dann wurden die Gruben mit Abfallmaterial wieder verfüllt, das den Archäologen viel über das Alltagsleben in der Römerzeit verrät.

Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Seeon-Seebruck und der beauftragten Erdbaubaufirma sei sehr gut gewesen, lobte Baumgartner, die derzeit am Kloster Seeon archäologisch tätig ist, wo Versorgungsleitungen neu verlegt werden. »Dort sind wir bereits auf Pfähle der alten Holzbrücke gestoßen, die einst das Westufer mit der Klosterinsel verband«, so die Archäologin. In ständigem Austausch steht sie mit Dr. Martina Pauli von Landesamt für Denkmalpflege, um sie über die Erkenntnisse der Grabung auf dem Laufenden zu halten. mmü