Römer und Kelten verabschieden sich in die Winterpause – Althergebrachtes Handwerk und feine römische Kulinarik vorgestellt

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Alexander Krop (rechts) von der Keltengruppe „Antumnos“ im vermeintlichen Clinch mit dem römischen Medicus Werner Stocker von der „Legio II Italica“. Die Meinungsverschiedenheiten waren ganz schnell ausgeräumt. „So fühle ich mich am besten, im Alltagsleben muss ich mich verkleiden“, so der passionierte historische Darsteller Krop. Von den Kindern wird er auf historischen Festen regelmäßig gefragt, ob er echt oder Obelix sei. Foto: Markus Müller

Seeon-Seebruck – Auf große Resonanz stieß der dritte und letzte diesjährige historische Familientag im Keltengehöft Stöffling. Zum Abschluss gaben die Kelten und Römer bei Bilderbuchwetter noch einmal alles und standen den Besuchern in aufgrund des Hygienekonzepts abgetrennten Bereichen Rede und Antwort.


In ihren Lagern zeigten die Keltengruppen „Antumnos“ und „Boier“ wie in vorgeschichtlicher Zeit Leder bearbeitet wurde. Michael Fischer von den Boiern fertigt die Lederschuhe so an wie es seine keltischen Vorfahren getan haben. „Solche Schuhe sind in Salzbergwerken erhalten geblieben und dienen mir als Vorlage“, so Fischer. Die römischen Legionäre der spätantiken „Legio II Italica“ präsentieren ihre Waffen und Ausrüstung. Auch eine Kornmühle aus Stein hatten sie mit dabei, denn Mehl wurde einst nicht transportiert, sondern das Korn nach Bedarf vor Ort gemahlen. Ein voll ausgerüsteter Legionär hatte mit seiner Kampfaufrüstung und Marschgepäck 40 bis 45 Kilo zu tragen.

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Foto: Markus Müller

Römer Dirk Eggenweiler erklärte den Bronzeguss von spätantiken Gürtelbeschlägen, für den 1100 Grad nötig sind. „Man hat Modeln in den Ton gepresst, sie rausgenommen und dann die Bronze in den Hohlraum gegossen“, so Eggenweiler. Geschliffen habe die Bronze ausgesehen wie Gold.

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Foto: Markus Müller

Kelte Hermann Pilhofer erläuterte die Geheimnisse der Birkenpech-Destillation. Mit Hilfe zweier Tontöpfe gewann er aus Birkenrinde unter Luftabschluss und einem Feuer ein schwarzes, teerartiges Kondensat, das auch noch im Mittelalter als wasserfester Kleber verwendet worden ist. „Schon vor 150 000 Jahren in der Altsteinzeit haben die Menschen Birkenpech herstellt und damit Federn auf Pfeilen und Lanzenspitzen befestigt oder Steinklingen in Holz geklebt“, so Pilhofer. Seine Frau Adele wob nebenan feine Borten für ein Museum in Wien.

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Foto: Markus Müller

Fichtenharz sei der Ur-Weihrauch gewesen und auf Lorbeer-Räucherung habe man schon beim Orakel von Delphi gesetzt, um sich besser an seine Träume erinnern zu können und sie zu verstehen, erklärte die römische Räucherexpertin Martina Ziereis, die diverse Kräuter aus ihrem Garten vorstellte. Ihr Mann Matthias Ziereis weihte in den keltischen und römischen Pfeil- und Bogenbau ein. Unterstützt wurde er später vom Bajuwaren Gerhard Würdinger. Beide haben sich seit vielen Jahren dem Anfertigen von historischen Bögen und Pfeilen mit alten Handwerkzeugen wie in der Antike und im Frühmittelalter verschrieben.

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Foto: Markus Müller

Lenz Ziereis buk für seine Familie Brot und fertigte drei römische Gerichte mit historisch nachgewiesenen Zutaten der Römerzeit an, darunter die Kräuterpaste „Moretum“, die er aus Schafskäse, Kräutern, Essig, Olivenöl, Knoblauch und Gewürzsalz herstellte. „Der schaut aus wie echt, wie Obelix“, und ähnliche Komplimente bekam der sympathische Darsteller Alexander Krop von der Keltengruppe „Antumnos“ aus Simbach zu hören und gab zu: „So fühle ich mich am besten, im Alltagsleben muss ich mich verkleiden“. Organisator Matthias Ziereis von der Tourist-Info Seebruck konnte ein rundum positives Resümee ziehen.

mmü


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