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Rege Diskussion und viele Fragen zum geplanten Projekt in Seeon

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Seeon: Rege Diskussion zum geplanten Projekt der Brüderl Projekt GmbH
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Groß war das Interesse bei der Informationsveranstaltung zum geplanten Wohn- und Nahversorgungsprojekt in Seeon. Die Vertreter des Bauherrn, der Brüderl Projekt GmbH Traunreut, Georg Brüderl (rechts) und Martina Muck stellten das Vorhaben im Beisein von Bürgermeister Bernd Ruth (Zweiter von links) und Bauamtsleiter Josef Heiss im voll besetzten Bürgertreff vor. (Foto: Rasch)

Seeon-Seebruck – Dass sich die Bevölkerung Gedanken über das Wohn- und Nahversorgungsprojekt der Brüderl Projekt GmbH am östlichen Ortseingang von Seeon macht, zeigte das große Interesse bei der Informationsveranstaltung im voll besetzten Saal des Seeoner Bürgertreffs.


Auch wenn das Vorhaben nicht ganz dem entspricht, was sich mehrere Seeoner für ihren Ort wünschen, kann es nach Auffassung von Bürgermeister Bernd Ruth eine Antwort auf den demografischen Wandel und dem drohenden Aussterben des Dorfkerns sein. »Wir sollten das Projekt als Angebot sehen und für neue Sachen offen sein«, erklärte Ruth bei der Präsentation. In der Diskussion wurden von den interessierten Besuchern nicht nur Argumente vorgetragen, die dafür und dagegen sprechen. Es wurden auch viele offene Fragen besprochen und geklärt.

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Ruth erinnerte zunächst daran, dass es unter anderem wegen einer durch das Grundstück verlaufenden Erdgas-Hauptversorgungsleitung und der Topografie nicht einfach gewesen sei, das Gemeinde-Grundstück in einem Mischgebiet vernünftig zu verwerten. Man habe überlegt, die Feuerwehr dort anzusiedeln, was aber aufgrund der erschwerten Bedingungen äußerst schwierig geworden wäre.

Bevor die Firma Brüderl ihr Konzept vorgelegt habe, habe sich auch ein anderer Bewerber mit einem ähnlichen Projekt für das Grundstück interessiert. Den Gemeinderat habe jedoch dieses Konzept nicht überzeugt und so habe man sich im Frühjahr dieses Jahres für das Brüderl-Projekt entschieden.

Im Übereinkommen mit dem Bauherrn sei es auch gelungen, den Einheimischen bei der Veräußerung der Immobilien ein Vorkaufsrecht einzuräumen, um Zweitwohnungen zu vermeiden. »Wir wollen auf gar keinen Fall, dass hier Zweitwohnungen entstehen«, sagte Ruth. Durch eine Klausel soll dies auch im Grundbuch entsprechend gesichert werden. Der Zeitraum, in dem den Gemeindebürgern der Vortritt eingeräumt werden soll, beläuft sich auf elf Monate. Voraussetzungen für den Erwerb einer Immobilie sind, dass der Bewerber mindestens ein Jahr lang seinen Hauptwohnsitz in der Gemeinde hat oder mindestens ein Jahr in der Gemeinde arbeitet.

Bau soll im Frühjahr beginnen

Das Grundstück befindet sich bereits im Besitz der Firma Brüderl, die im Frühsommer nächsten Jahres mit dem Bau beginnen möchte. Das Konzept ist in zwei Teile gegliedert, sagte Georg Brüderl, der mit seiner Mitarbeiterin Martina Muck das Projekt vorstellte. Im nordöstlichen Bereich sollen Gewerbe und im südlichen Bereich Wohnen angesiedelt werden. Geplant sind zwei moderne Gebäude mit jeweils zwei Vollgeschoßen, Tiefgarage und einem ausgeklügelten Energiekonzept.

Das gewerblich genutzte Gebäude könnte im weitesten Sinne der medizinischen Nutzung zugeordnet werden. Es könnten sich beispielsweise Ärzte und Therapeuten, aber auch andere Dienstleister niederlassen. »Ich bin für alles offen, auch ein IT-Unternehmen könnte eine Antwort sein«, sagte Brüderl. Seinen Aussagen zufolge gebe es aus der Ärzteschaft auch schon Interessenten, die sich vorstellen könnten, sich in Seeon niederzulassen. Zwischen den beiden Gebäuden ist an der Altenmarkter Straße ein kleineres Gebäude vorgesehen, in dem sich der Bauherr eine Apotheke vorstellen könnte, um damit den Kreis des medizinischen Angebots zu schließen. Es könnte aber genauso gut ein Café sein, räumte Brüderl ein.

Die Wohnanlage sieht insgesamt 14 hochwertige Zwei- und Dreizimmer-Eigentumswohnungen mit einer Raumhöhe von 2,60 Meter vor. Die kleinste Wohnung liegt bei 45 Quadratmetern und die größte bei rund 90 Quadratmetern. Alle Wohnungen verfügen über überdachte Terrassen und Balkone. Einige Wohnungen werden auch rollstuhlgerecht ausgestattet.

»Mehr auf ländlichen Charakter eingehen«

In der Diskussion wurde die Architektur in Frage gestellt. »Es ist schade, dass nicht ein bisschen mehr auf den ländlichen Charakter eingegangen wurde. Für mich hat das Ganze zu wenig Gesicht«, bedauerte eine Seeonerin. Ein anderer findet das Projekt »zu klotzig und zu klobig.« Georg Brüderl verteidigte sich dahingehend, dass man sich bemüht habe, das Projekt in die Topografie einzubinden und ortstypische Elemente zu integrieren.

Ein Besucher befürchtet, dass der Ort unter dem Projekt leiden könnte. »Ich glaube nicht, dass Seeon ein Gesundheitszentrum verträgt. Wenn die Ärzte und die Apotheke aus dem Ort raus gehen, ist der Ort tot.« Zu den Befürchtungen, dass das Projekt zusätzliche Auswirkungen auf die Leer-Stände habe – in Seeon mussten in den letzten Jahren immer wieder wichtige Geschäfte schließen – erklärte der Bürgermeister, dass der Anspruch im Einzelhandel heute ein anderer sei. Am Beispiel der seit einigen Jahren geschlossenen Bäckerei Hiebl räumte er ein, dass die Gemeinde alles Menschenmögliche unternommen habe, einen Nachfolger zu finden. »Wir haben bei 30 Bäckern angefragt, geht zum Hiebl rein, aber ohne Erfolg«, betonte Ruth. Auch für die Dienstelle der Gemeinde (Standesamt), die nach der Fertigstellung des neuen Rathauses aufgelöst wird, seien Bewerber jederzeit herzlich willkommen.

Eine konzentrierte ärztliche Versorgung wurde zwar allgemein begrüßt. Vielmehr sollte jedoch das Augenmerk auf die älteren Mitbürger gerichtet werden. »Überall schaut die Gemeinde, dass man was für die Senioren hinkommt. Ich vermisse hier die Betreuung von Senioren«, kritisierte ein Besucher, der in Josef Binder einen Mitstreiter gefunden hat: »Persönlich gefällt mir das Projekt gut, aber für Seeon und seine älteren Bürger hätte mir eine andere Form besser gefallen«, sagte Binder.

Um diese »andere Form« umzusetzen, bedarf es nach Angaben des Bürgermeisters einer anderen Gebietskategorie:»Wir befinden uns in einem Mischgebiet, in dem ein sogenanntes Betreutes Wohnen laut Baunutzungsverordnung nicht zulässig wäre. Die Gebietsart haben wir hier nicht«, klärte der Seeoner Bürgermeister Bernd Ruth auf. Ihm sei durchaus bewusst, dass man mit dem Projekt nicht alle Bedürfnisse befriedigen könne. Das Konzept sei aber eine Chance, sich als Einheimischer einzubringen: »Ich kauf' mir eine kleine Wohnung, wo ich später reingehen kann.« Für Matthias Untermayer ist das Projekt zukunftsweisend: »Eine Wohnfrequenz mit Gewerbe ist ein richtungsweisender Ansatz. Die Gemeinde braucht solche Knotenzentren.« ga